POLITIK 


RELIGIÖSER EXTREMISMUS
UND FUNDAMENTALISMUS
Das Ende des 20. Jahrhunderts ist das Jahrhundert der wissenschaftlichen Entdeckungen, des Aufbruchs der Menschheit zu den Geheimnissen des Weltalls, ein Jahrhundert der Information und der durchbrechenden technischen Möglichkeiten und wurde, als sei es nicht paradox genug, zur Zeit der Renaissance der religiösen Werte, zur Zeit der einzigartigen Umkehr zu nicht bedrängten, ihre Nichtigkeit verlierenden religiösen Werten.
Der Islam als eine der großen Weltrellgionen stellt keine Ausnahme dieser globalen Tendenz dar. Im Gegenteil erlauben es die Geschehnisse, die nicht nur in der muslimischen Welt in den letzten zehn Jahren passierten, von einem "islamischen Boom" in der Welt zu reden.
Viele Politiker, Wissenschaftler und Journalisten versuchten ihr Verständnis der Gründe für die Erscheinungen am Ende des 20. Jahrhunderts aufzuarbeiten. Die Arbeiten hierzu erhielten solch unlerschiedliche Titel wie: "Die islamische Renaissance", " Re-Islamisierung", "Das islamische Phänomen" usw. Sich nicht auf die Diskussionen über das Verständnis einlassend, sollte die Aufmerksamkeit darauf zugespitzt werden, daß die Vorgänge, die sich unter dem Banner der Auferstehung der islamischen Werte abspielen, Erscheinungen sind, die sehr verschiedenartig, vielschichtig, zeitweise widersprechend und sogar verschiedenpolig sind.
Statt dessen ist es offensichtlich, daß neben dem großen Interesse, das die Weltgemeinschaft für diese Prozesse zeigt, das Gefühl der Vorsicht und zeitweisen Besorgnis deutlich auftritt, in Verbindung mit den extremen Erscheinungen, wie dem religiösen Extremismus und Fundamentalismus. Leider traten in der neuesten Geschichte einige Faktoren auf, die davon zeugen, daß diese äußerst radikalen Erscheinungen im Leben schwerwiegende Konflikte und Widersprüche hervorrufen, die Stabilität und Sicherheit gefährden und daher die Menschen ,verängstigen. Deutliche Beunruhigungen rufen, vom Standpunl-,t der Unumgänglichkeit der Stärkung der Souveränität Usbekistans und der Gewährleistung seiner Sicherheit, diese Erscheinungen auch bei uns hervor.
Bevor wir zur unmittelbaren Analyse der potentiellen Gefahren für unsere Region kommen, die im religiösen Extremismus und Fundamentalismus liegen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf die hochdelikaten Probleme lenken, die mit der religiösen Überzeugung der Leute zusammenhängen, die bei ihnen das Verständnis für den Unterschied zwischen dem ideellen Wert der Religion und den konkreten Ambitionen, die weit von der Religion entfernt sind, sowie für politische und andere aggressive Ziele hervorrufen, die bestimmte Kräfte anstreben, indem sie Losungen nutzen, die häufig islamischen Ursprun2s sind.
Allein die Tatsache des über einen Zeitraum von Jahrtausenden ständigen Bestehens der Religionen, zu denen auch der Islam gehört, zeugt davon, daß sie ein Kernbestandteil des menschlichen Daseins darstellen und in ihm eine ganze Reihe von eigentümlichen Funktionen erfüllt. Die Religion ist vor allem ein Bereich des geistigen Lebens einer Gesellschaft, einer Gruppe, eines Individuums, das diese in sich aufnimmt. Die Religion spiegelt allgemeine sittliche Normen der Menschen wider, führt diese in allgemeingültige Verhaltensregeln über, hat einen bedeutenden Einfluß auf die Kultur, ermöglichte und ermöglicht die Überwindung der Isolation des Menschen sowie seiner Entfremdung von anderen Leuten.
Besonders wichtig ist, daß die Religion (wir haben allen Grund dies am Beispiel vom Islam - Religion unserer Väter und Großväter - zu bestätigen), indem sie den Glauben der Leute stärkte, sie reinigte und aufrichtete, ihnen Kräfte für die Überwindung der Herausforderungen, Probleme und Unglücke des Lebens gab, als einzige Form der Weitergabe der allgemeinen menschlichen und geistigen Werte von einer Generation an die nächste erscheint und dies erst ermöglichte. Genau deswegen erweist sich die Religion als zuverlässiger Begleiter des Menschen und Teil seines Lebens.
Wenn man die große Rolle der Religion anerkennt, so muß man auch die Tatsache anmerken, daß die religiöse Weltanschauung nicht das einzige Mittel des Denkens und der Beziehung des Menschen zur Umwelt, zu seinesgleichen ist. Parallel dazu kommt den Menschen das gleiche Daseinsrecht zu, was sich unter dem sogenannten weltlichen Denken und der weltlichen Lebensanschauung entwickelte.
Es ist möglich, daß gerade dieses Dasein leider nicht immer friedlich ist. Die verschiedenen Wege zum Verständnis des Lebenssinns hatten auch Reichtum und eine Vielfältigkeit der Umgebung des Menschen zur Folge. Sie erwiesen sich als Anstoß für seine Entwicklung, weil die Gesellschaft, die aus einheitlich gleich denkenden Menschen besteht, aus einer farbigen zu einer grauen wird.
In der modernen Welt, in der wir den Selbstwert und den Vorrang des Menschen und seine Persönlichkeit anerkennen, wandelte sich ein aufgetretener Widerspruch in die Anerkennung seines Rechts auf freie Gedanken, auf freie Religionsausübung oder auch auf keine Religionsausübung um. Ein Mensch kann sich nicht seine Rassenzugehörigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe aussuchen, ebenso nicht seine Eltern. Die weltanschauliche, sittliche und gedankliche Auswahl muß er jedoch ohne irgendeinen Druck und vor allem ohne Zwang selber treffen. Und diese Wahl muß geachtet werden.
Die Religion, die sich als Teil des Lebens darstellt, hat unausweichlich Berührungspunkte und einen Einfluß auf verschiedene Lebensbereiche, ebenso wie diese Lebensbereiche auf die Religion zurückwirken. Daher bildeten sich nicht nur zufällig ein Großteil der heute existierenden religiösen Gemeinschaften in einer Periode der sozialökonomischen und politischen Umbrüche und Krisen. So haben die Religionen in den verschiedenen Perioden der Menschheitsgeschichte mehr oder weniger deutlich auf die Politik Einfluß genommen, und dies nicht immer mit passenden Zielen.
Leider kennt die Menschheitsgesch'chte nicht wenige Beispiele, wobei das unabdingbare Element des religiösen Bewußtseins, der Glauben der Leute, nicht als schaffende, sondern als zerstörerische Kraft mißbraucht wurde, wie Fanatismus, mit den ihm eigenen Eigenschaften oder Erscheinungen, welche sich in der leidenschaftlichen Überzeugung äußern, daß nur die eigene Konfession die einzig wahre ist und der völligen Ablehnung aller anderen gegenüber.
Gerade die Gruppen, welche den Fanatismus in sich tragen, können eine große Welle der Destabllisierung der Gesellschaft auslösen, und dies um so mehr, als das Element des Massenauflaufs das Gefühl für die persönliche Verantwortung für Handlungen wegspült. Das gibt der Bewegung zusätzlich den Anstrich einer "Volksbewegung".
Die Überzeugung über das eigene vorbehaltlose Recht und den Besitz des Monopols auf die Wahrheit, kann Grundlage für das Entstehen eines religiösen Extremismus sein, der sich durch den Hang zu äußersten, teilweise auch gewalttätigen Taten auszeichnet. Hierbei können als Objekt der Beeinflussung sowohl eine konkrete Person als auch soziale Gruppen, vor allem Andersdenkende oder Vertreter ihrer Konfession, ausgewählt werden, die von den Würdenträgern dieses Glaubens abgelehnt werden
Der Wahrheit wegen muß man anerkennen, daß die "Auswüchse" des religiösen Fanatismus nicht nur durch religiöse Widersprüche, sondern auch durch viele offenstehende soziale, politische und ökonomische Probleme bedingt werden. Eigentlich führen genau diese Probleme auch zum Fanatismus anderen Inhaltes, wie dem Bolschewismus oder dem nationalistischen Fanatismus und ähnlichem.
Das religiöse System ist von sich aus nicht dazu berufen, irgendwelche Empfehlungen für die Lösung sozialökonomischer Probleme zu geben. Der Aufruf der religiösen Fundamentalisten zur Rückkehr zu den Bedingungen, unter denen die bestehenden Religionen entstanden, kann wohl kaum als konstruktiv und realistisch angesehen werden.
Das Phänomen der Verstärkung des religiösen Faktors während der letzten zehn Jahre in der Welt fand seinen Niederschlag auch in dem Gebiet, welches als postsowjetisch bezeichnet wird. Natürlich kam das religiöse Leben auch unter den Bedingungen der Herrschaft eines administrativ führenden Systems nicht zum Erliegen, sondern nahm nur andere Formen an. Das Ende der 80er Jahre und der Beginn der 90er Jahre wurden auf der einen Seite zur Zeit der Wiedergeburt der Rolle der Religionen in der Gesellschaft und auf der anderen zur Formierung der Vorbedingungen für die Konflikte aufdieser Ebene.
Die Aktualität dieses Problems erfordert eine aufmerksame Beziehung zu den Gründen der Verstärkung des islamischen Faktors in jedem Bereich seiner Mannigfaltigkeit in unserer Region in der Phase des Aufbaus und der Stärkung der Unabhängigkeit der Staaten in der Region.
 
 
Erstens: Dies ist das Scheitern der Systeme früherer ideologischer Vorstellungen und Werte und die Unumgänglichkeit des Ausfüllens des sich seit einiger Zeit bildenden Vakuums.
Es ist allgemein bekannt, daß die kommunistische Ideologie, mit ihrer Unausgereiftheit, dem Fanatismus und dem Gegen-die-Nation-gerichtetSein, einen eigenen Beitrag für die Bildung der Vorbedingungen für den religiösen Fundamentalismus und Traditionalismus auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion darstellte, und dies nicht nur in Hinsicht auf den Islam, sondern auch in Hinsicht auf das Judentum und die christlichen Konfessionen, wie der russisch-orthodoxen, der römisch-katholischen, der armenisch-gregorianischen, der lutherischen Kirche, der baptistischen und anderer Gemeinschaften. Dies alles können wir anschaulich am Beispiel Usbekistans sehen, wo mehr als 100 Völker und Nationalitäten sowie ca. 15 Konfessionen vertreten sind.
Die Führung der in der ehemaligen UdSSR regierenden kommunistischen Partei betrachtete die religiösen Gemeinschaften als ihre Konkurrenten im Kampf um die Gedanken der Nationalitäten und befleißigte sich im Laufe ihrer ganzen Geschichte der grausamsten Mittel für die Einschränkung der Religionen und der Vernichtung und Unterdrückung der treu gebliebenen Geistlichkeit. Zehntausende von geistlichen Würdenträgern des Islams wurden Repressalien ausgesetzt. Tausende Moscheen und hunderte Medresen (islamische Hochschulen), Gebäude, von denen viele einen architektonischen und historischen Wert für unser Volk und die gesamte menschliche Zivilisation darstellen, wurden zerstört. Die Masse der bis in die Mitte der 90er Jahre Gläubigen hatte keinen Zugang zum Koran. Die Religion wurde künstlich zu einer der angespanntesten Fronten des ideologischen Kampfes gemacht.
Aus diesen Gründen konnte es in den zentralasiatischen Republiken der ehemaligen UdSSR in denen ein Verbot des isla nisch,-n Glaubens existierte, keine bemerkenwerte, Anzahl von Gelehrten geben. Dahingegen gediehen alle erdenklichen Aberglaubenteilweise auch reaktionäre, deren Anhänger heute bisweilen mit dem Anspruc i aut- die einzige Wahrheit auftreten und diese der gesamten Bevölkerung aifzwiigen sowie geradezu über die Schicksale der Leute verfügen.
Heute und in Zukunft wollen wir in Usbekistan weder die traurigen Erfahrungen der sowjetischen Periode noch die neuen äußersten Notlagen zulassen, deren Zeugen wir in den ersten Jahren unserer Unabhängigkeit wurden.
 
Zweitens: Das Anwachsen der nationalen Selbsterkenntnis, die Suche nach der eigenen ethnischen Identifikation, zu deren wichtigstem Element traditionell die religiöse Orientierung zählte.
Interessant ist die Meinung über die Rolle der Religionen in den neuen unabhängigen Staaten Zentralasiens, insbesondere des Islams, welche sich unter den westeuropäischen Experten bildete. Entsprechend deren Einschätzungen und der Einschätzung von der häufig besseren und dienlicheren eigenen Warte aus, ist der Islam, während der Phase der nationalen Identifikation der Völker Zentralasiens, in der Lage, vollkommen gegensätzliche Funktionen zu erfüllen:
 
Auf der einen Seite markieren die islamischen kulturellen Werte und Traditionen, jenes große geistige Erbe, welches durch den Weltislamismus geschaffen wurde, in vielem nicht nur den Beitrag zur historischen Entwicklung unserer Region, sondern das sich heute aus ihr formende, qualitativ neue Äußere.
 
Auf der anderen Seite wird der Islam als Waffe für den politischen Kampf um die Hebel für den Einfluß auf das politische Bewußtsein der Massen eingesetzt, wobei er in der Lage ist, die Rolle eines Banners zu übernehmen, unter dem sich Kräfte vereinen, die keinen bestimmten programmatischen Zielen nachgehen, sondern sich nur von einer Zielsetzung leiten lassen: den Kampf um die Macht.
Prit.tens. Scharfe Veränderungen im sozialpolltischen und ökonomischen Bereich. Dies ist möglicherweise der wichtigste Punkt.
Die unausweichlichen Kosten der Reformierung in der Übergangsphase, der objektive Vorgang der Trennung der Bevölkerung und die selbstverständlichen Unterschiede in den Besitzmerkmalen veranlassen einen Teil der Bevölkerung dazu, nicht den Anwendungsbereich für die eigenen Kräfte, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten für das Allgemeinwohl zu suchen, sondern von der Position auszugehen, die der sowjetischen Mentalität entspricht, für die Rückkehr zur ruinierenden und illusorischen Gleichheit, den falschen Kampf gegen den Luxus und den Überfluß einzutreten, die so im Kern einer Gleichmacherei entspricht, welche die Leute und den arbeitenden Teil
der Gesellschaft nivelliert.
In der Phase des Stillstands, der Krise und des Zerfalls der Gesellschaft zeigt sich der Populismus der ausländischen Wachabismus in der Predigt für die Gerechtigkeit, der Forderung nach strenger Einhaltung der moralisch-ethischen Normen des Islams und der Erklärung des Ablehnens von Luxus und Gewinnsucht. Ähnliche Schlagwörter erfuhren leider eine Verbreitung und fanden Unterstützung auch in den entlegenen Regionen Zentralasiens in der letzten Vergangenheit und in unseren Tagen.
 
Viertens: Usbekistan und andere zentralasiatische Staaten erscheinen als unabdingbarer Bestandteil der sehr komplizierten und vielschichtigen islamischen Welt. Es ist kein Geheimnis, daß in dieser Welt formelle und unformelle Bewegungen existieren, die den Islam für ihre politischen Ziele benutzen, wobei man sich nur auf die Positionen entweder der Anerkennung der alleinigen Daseinsberechtigung des Islams, oder der Ablehnung anderer Religionen, oder der Nutzung des Islams als Plattform für die Verteidigung engstirniger nationaler Interessen bezieht.
Die Bestrebung, die neuen unabhängigen Staaten Zentralasiens in die Reihe ihrer Gesinnungsgenossen und Verbündeten einzubeziehen und auf sie ihren Einfluß auszuüben, ist nicht nur für die ideologischen Zielsetzungen dieser Kräfte charakteristisch, sondern nimmt auch schon konkrete Verhaltensformen an.
Die vielzähligen grundsätzlichen Gründe für die Stärkung des islamischen Faktors sind im vollen Umfang charakteristisch auch für das Verständnis der Vorgänge der Intensivierung des religiösen Lebens in Usbekistan.
Heute sind in der Republik 15 Konfessionen tätig, wobei ein Teil von ihnen für Usbekistan keine traditionellen Religionen darstellen. In den gegenseitigen Beziehungen zu ihnen zeigt sich der Staat weltoffen, indem er sich an die folgenden Prinzipien hält:
- Achtung der, religiösen Gefühle der Gläubigen,
- Anerkennung der religiösen Überzeugungen als persönliche Angelegenheit der Bürger oder ihrerVereinigungen,
- Garantie gleicher Rechte und das Nichtzulassen der Verfolgung sowohl der Bürger, die sich zu religiösen Ansichten bekennen, als auch derer, die sich nicht zu ihnen bekennen,
- Unabdingbarkeit des Suchens nach dem Dialog mit den verschiedenen religiösen Vereinigungen zur Ausnutzung ihrer Möglichkeiten im Sinne des geistlichen Wiederaufbaus und der Stärkung der moralischen Werte der Gesellschaft,
- Anerkennung des Nichtzulassens des Miß-
brauchs der Religionen für destruktive Ziele.
Der letzte Punkt entspricht dem § 18 des internationalen Abkommens über Bürgerrechte und politische Rechte, in welchem nicht nur das Recht eines jeden Menschen auf freie Gedanken und Überzeugungen bekräftigt wird, sondern auch folgendes festgestellt wird: "Die Freiheit, sich zu einer Religion oder Überzeugung zu bekennen unterliegt keinen Einschränkungen, die durch Gesetze gemacht werden und ist eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Sicherheit der Gesellschaft, Ordnung, Gesundheit und Moral, ebenso wie für die Grundrechte und Freiheiten der anderen Individuen"
Wir treten dafür ein, daß die Religionen weiterhin der Bevölkerung die höchsten geistigen, moralischen und sittlichen Werte und das historische und kulturelle Erbe näherbringen. Wir werden es jedoch nie zulassen, daß religiöse Schlagwörter zu Zeichen des Kampfes um die Macht und ein Weg für die Einmischung in die Politik, Wirtschaft und Jurisprudenz werden, weil wir hierin ein bedeutendes Potential für die Gefährdung der Sicherheit und Stabilität unseres Staates sehen.
Worin besteht die Gefahr des islamischen Fundamentalismus in Hinsicht auf Usbekistan?
 
Erstens: in dem Versuch, durch seine Verbreitung das Vertrauen der gläubigen Moslems in die Reform des Staates zu unterwandern und die Stabilität sowie das nationale, bürgerliche und internationale Verstehen, als prioritäre Bedingung für die Änderung zum Besseren, zu zerstören. Die Islamisten haben die Diskreditierung der Demokratie, des weltoffenen Staates und der multinationalen, multireligiösen Gesellschaft zum Ziel.
 
Zweitens: Man muß sich unbedingt vergegenwärtigen, und dies gilt vor allem für unsere Jugend, daß diejenigen, welche den populistischen, verführerischen, insgesamt jedoch grellen und haltlosen Schlagwörtern der Fundamentalisten über die einzige Wahrheit folgen, sich zu Geiseln eines fremden Willens machen, der schlußendlich nicht nur ihre Gedanken leitet, sondern auch ihre Schicksale. Der Ausweg aus der Unterwerfung unter solche Autoritäten kann sich in eine persönliche Tragödie umkehren. Zu den schwersten Folgen gehören das In-Ketten-Legen und die Versklavung der Persönlichkeit und die vollständige Einschränkung der Gedankenfreiheit, des eigenständigen Handelns und der Initiative, ohne die unsere Bewegung zum Fortschritt undenkbar wäre.
 
Drittens: im Provozieren des Widerstandes der Bevölkerung einiger Regionen des Landes und einiger sozialer Schichten unter dem Zeichen der "wahrhaftigen" und "unwahren" Religiosität, die schon in Algerien und Afghanistan zum Auseinanderbrechen der Nation führte.
 
Viertens: im Andauern des Zustandes eines nicht verstummenden Bürgerkrieges an unseren südlichen Grenzen und in den angrenzenden Ländern, der neue Generationen von Terroristen und Kämpfer hervorbringt, die sich echte Muslime, Kämpfer für den Glauben, nennen und danach dürsten, ihre unmenschlichen Vorstellungen unserem Volk aufzuzwingen.
 
Fünftens: in der Schaffung eines abstoßenden Bildes von Usbekistan, sowohl unter den muslimischen als auch unter den nicht muslimischen Ländern und ihrer Gesellschaften, mit dem sie uns als Ungläubige, Atheisten und versteckte Anhänger einer staatlichen Islamisierung darstellen wollen.
 
Sechstens: in der Schaffung einer globalen Konfrontation zwischen der islamischen und nicht islamischen Welt, die äußerst negative Auswirkungen auf die Vorgänge der Integration der neuen unabhängigen Staaten in die Weltgemeinschaft hat und deren Fernbleiben von ihr konserviert. Und dies stärkt, was besonders schwer wiegt, bei den Leuten die Erwartung eines "Zusammenstoßens der Zivilisationen" auf Grund von religiösen Merkmalen.
 
Siebtens: in der Überzeugung der Massen darüber, daß die Ausübung der Religionen das universelle Mittel für die Lösung aller ökonomischen, politischen und internationalen Probleme und Widersprüche ist.
In der letzten Zeit tauchten in der ausländischen Presse Berichte auf, wonach die usbekische Führung selber nicht an eine Gefährdung durch den Fundamentalismus glaubt, sondern, womit derWesten beunruhigt wird, durchaus konkrete Ziele
verfolgt.
Zudem ist bekannt, daß es unter den Analytikern und islamischen Geisteswissenschaftlern im Westen populär wurde, den Fundamentalismus als keinerlei Gefahr für die Weltgemeinschaft anzusehen, welche sich überwiegend gegen die "eigenen" Staaten richtet. Angeblich sind die Islamisten, welche diese Staaten überwinden und nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalten wollen, bestens zu einem Dialog mit der Weltgemeinschaft bereit. Besonderes Entzücken ruft bei diesen Spezialisten hervor, daß ein nicht geringer Teil der Fundamentalisten eine technische oder medizinische Hochschulausbildung an europäischen und amerikanischen Universitäten erhielt. Haben diese Leute denn ein tiefes Verständnis für die wahre Lage des muslimischen Ostens, der sich nicht nur einmal einem Zerfall, der Zwietracht und Demütigungen ausgesetzt sah?
Ich halte es für unbedingt notwendig, ohne diese Positionen zu unterteilen, die Aufmerksamkeit auf eine andere Kategorie von Problemen zu lenken.
Indem wir die Gefahren des islamischen Fundamentalismus reflektieren, sind wir ständig dazu gezwungen, uns nicht nur seinen innerislamischen Gründen zuzuwenden, sondern auch denen, die sie provozieren und anregen. Die Gründe sind wohlbekannt. Diese sind der Kolonialismus und Neokolonialismus, der Chauvinismus der Großmächte, das antimuslimische Diktat in den internationalen Beziehungen sowie die Politik des "Aufteilens und Beherrschens". Hierzu muß man noch die ökonomische Diskriminierung, den Hochmut und die Ablehnung der zweifellosen Verdienste einer anderen Kultur und Zivilisation, die im vorliegenden Fall schon mehrere Jahrhunderte lang in der islamisehen Welt verwurzelt ist und ein Teil der Philosophie des Ostens ist, zählen.
Die Versuche der Ausnutzung der Idee für die Konsolidierung der islamischen Welt und des Ausschlusses sowie der Blockade im Gegengewicht zu den USA und Westeuropa zusammen mit anderen Machtzentren, erscheinen jedoch perspektivlos. Eine solche Variation wurde zwischen den 50er und 80er Jahren des auslaufenden Jahrhunderts ausprobiert. Sollte man sie mit in das 21. Jahrhundert übernehmen?
Statt dessen sollten die Stellvertreter der entwickelten Länder die Schmerzlichkeit des Bruchs der gewöhnlichen gesellschaftlichen Beziehungen, der Lebensanschauung und des Weltbildes so verstehen, wie sie durch die Muslime bewertet werden. Falls jemand den Islam oder Staaten des islamischen Kulturkreises als neues "lmperium des Bösen", und eine allgemeine Gefahrenzone darstellt, so wird dies zum tragischen Fehler für die gesamte zukünftige Geschichte des 21. Jahrhunderts.
Es ist beeindruckend, wenn man hört, daß fortschrittliche Leute im Westen dem Islam für das Aufblühen der eigenen und der globalen Zivilisation eine hohe Bedeutung beimessen und der Meinung sind, daß es Zeit wird, die Schulden zurückzuzahlen und Hilfe für den Fortschritt in der geistigen Gemeinschaft zu geben, in der nahezu eine Milliarden Menschen leben.
Einflußreiche und machthabende Kräfte in der Welt, die gegen den religiösen Fundamentalismus beliebiger Form eintreten, begreifen die Rolle und Bedeutung Usbekistans für den Kampf für die normalen, friedlichen und gegenseitig nutzbringendem Bedingungen für das Besteben der verschiedenen Kulturen und Zivilisationen. Sie verstehen und unterstützen unser Land auf seinem eigenen Weg derReformen.
Auch unsere Bürger und unsere Jugend müssen dies verstehen und wertschätzen. Ebenso wie sie ihre Verantwortung gegenüber unserem Land und gegenüber der Weltgemeinschaft im gesamten verstehen und sich ihr bewußt sein müssen.

 

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