- Nach
der Beendigung des kalten Krieges, der unter dem Vorzeichen des
Kampfes zweier ideologischer Systeme und mit dem Einfluß auf alle
Aspekte des internationalen Lebens ablief, wurde die uns umgebende
Welt nicht ruhiger und konfliktärmer, wie es viele erwarteten. Der
Prozeß der Bildung einer neuen Weltordnung wird von der Verschärfung
der alten, unbemerkt auf regionaler und subregionaler Ebene wieder
aufflammenden Konflikte, die unterschiedliche historische,
ethnische, politische, religiöse und andere Gründe haben,
begleitet. Diese wurden früher im Rahmen der globalen Konfrontation
der beiden Systeme und durch die Interessen des einen oder anderen
Machtbereichs unterdrückt. Vor allem besteht eine potentielle
Gefahr des Aufflackerns neuer regionaler Konflikte mit dem
Hintergrund der Einflußnahme unterschiedlicher äußerer Mächte im
Rahmen ihrer geostrategischen Zielsetzung.
- Für
uns alle wurde es in den letzten fünf Jahren zur Gewohnheit, die in
ihrer Bedeutung unheilvolle Wortkombination "regionaler
Konflikt" zu hören. Regionale Konflikte sind sowohl für
entwickelte als auch für sich noch entwickelnde Regionen der Welt
charakteristisch.
- Hinter
den trockenen Kommentaren der Fernsehreporter und den grellen
Schlagzeilen der Zeitungen über die häufigen Opfer der
kriegerischen Zusammenstöße verbergen sich Millionen menschlicher
Schicksale, ihre Schmerzen und Leiden. Die Daten der UN, nach denen
heutzutage 50 Millionen Menschen auf der Flucht sind, können sogar
jemanden gleichgültig lassen. 1996 wurden 13 Millionen Menschen
registriert, die in anderen Ländern Zuflucht fanden. Ca. 30
Millionen Flüchtlinge mußten wegen eines Bürgerkrieges ihre
Heimat verlassen. Was kann schrecklicher sein, als das Versinken der
Gesellschaft in Gewalt und blutige Tragödien ganzer Völker, gerade
wenn man weit von der eigenen Heimat entfernt ist? Eine Einstellung
der Bürger (entweder aus Unverständnis oder zur eigenen
Beruhigung), wie sie oben aufgeführt ist, birgt in sich eine nicht
minder große Gefahr als die Androhung offener Gewalt. Diese
Einstellung ist für die Bürger und die Führung unseres Landes
unannehmbar.
- Unabhängig
von unserem Willen und unserer Zielsetzung, ist Usbekistan nach dem
Zerfall der UdSSR praktisch zu einem Frontstaat geworden, an dessen
Grenzen zwei Krisenherde schwelen, nämlich Afghanistan und
Tadshikistan, welche in den letzten Jahren hunderttausende
Menschenleben kosteten.
- Wenn
man die Schärfe und Bedeutung der Krise in Afghanistan, wo nun
schon seit 18 Jahren ein Krieg tobt, und dessen Einfluß auf die
geopolitisehen Prozesse auf regionaler und globaler Ebene in
Betracht zieht, so kann diese Tragödie zu einer Reihe von bezogen
auf die moderne Welt weitaus größeren regionalen Konflikten führen.
Wenn man sich nicht in Gründe und Voraussetzungen und auch nicht in
die ursprünglichen Gründe der Krise im Nachbarland Tadshikistan
vertieft, so ist es doch nötig, festzustellen, soweit hier nicht
weiter die Rede davon ist, daß auch eine sichere stetige
Entwicklung Usbekistans, welche Glück und ein Aufblühen der Bürger
des Landes gewährleistet, kaum als möglich erscheint, wenn in der
Umgebung unserer Republik regelmäßig Spannungen auftreten, die zu
kriegerischen Handlungen führen und tägliche Friedensinitiativen häufig
auf das dumpfe Unverständnis der sich bekämpfenden Seiten stoßen.
- Die
ganze Tragödie besteht darin, daß ähnliche Situationen als
Resultat einer langjährigen eigenen Bewaffnung und des politischen
Widerstandes diese Länder an die Grenze zur Selbstvernichtung und
den Verlust des Staatsgefüges bringen kann.
-
- Die
folgenden Generationen können den Zeitgenossen, die das Feuer des
Krieges anmachten die Gründe und Motive hierfür verzeihen.
Die Geschichte trennt, indem sie ihr Urteil fällt, immer die Spreu
vom Weizen. Sie kann jedoch nicht als Rechtfertigung für den
Ehrgeiz der Personen dienen, welche die Interessen des Volkes zu
Gunsten der eigenen gewinnsüchtigen Ziele verdrängen. Je
weiter die sich gegenüberstehenden Seiten sich in einen Konflikt
verstricken, wobei sie die Unvereinbarkeit ihrer Positionen bestärken,
desto offensichtlicher wird, daß er zu bedeutend mehr Verlusten führt,
als sein von seinen Teilnehmern erhoffter Nutzen ausmacht. Kein
Ziel kann gerechtfertigt werden, wenn das Schicksal von Millionen
von Menschen auf dem Spiel steht.
- Der
vernichtende Einfluß des Krieges auf den Zustand der Gesellschaft
und des Staates zeigt sich nicht nur in dem natürlichen Begleiter
des Krieges, dem wirtschaftlichen Zerfall, sondern auch auf anderen
für die Zukunft der Nation nicht minder wichtigen Gebieten. Nur
wenige wagen es zu behaupten, daß die Kultivierung des Hasses aus
irgendeinem Grund kein Motiv unter den Mitbürgern ist. So können
die Flüchtlingsströme derjenigen, die dazu gezwungen wurden, ihre
Häuser zu verlassen, die Kriminalisierung der Gesellschaft, die
Wandlung des Krieges zur einzigen Einkommensquelle, der Verlust der
Einheit der Nation, die Unmöglichkeit für die heranwachsende
Generation, auch nur eine grundlegende Ausbildung zu erwerben, die
Zukunft der Gesellschaft darstellen.
- Schon
jetzt kann man feststellen, wenn man auf Afghanistan und
Tadshikistan sieht, daß die dort ablaufenden Konflikte und ihre
Folgen diese Staaten in ihrer Entwicklung um mindestens einige
Jahrzehnte zurückgeworfen haben, wobei die Zivilisation, die an die
Schwelle des Jahres 2000 tritt, als Zielsetzung das 21. Jahrhundert
hat. Daher streben die Kriegstreiber danach, ihre Landsleute davon
zu überzeugen, daß die unumgänglichen Opfer, welche die Kriege
fordern, sie in eine blühende Zukunft führen.
- Worin
birgt sich also die Gefahr der regionalen Konflikte für das
Wohlergehen unserer Gesellschaft und den Fortschritt der Republik?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, daß alle an den Grenzen
Usbekistans ablaufenden Konflikte keine direkte Beziehung für die
Wahrung der politischen, ökonomischen und sozialen Stabilität
innerhalb der Grenzen unseres Staates hat. Nicht die geringste politische
und bürgerkiche Kurzsichtigkeit kann als Meinung angesehen werden,
daß beunruhigende Geschehnisse auch in Zukunft sich auf
geebneten Spuren entwickeln werden und so umgehen. Unsere
Stabilität wurde sich dann von selbst erhalten, und die Zukunft des
Landes würde automatisch gewährleistet.
- Ich
kann jedoch in diesem Zusammenhang nicht sagen, daß aller
Wahrscheinlichkeit nach nur wenige dieser "Optimisten"
erraten, welche kolossalen Anstrengungen es den Staat kostet, den
Frieden und die Ordnung aufrechtzuerhalten, eine Übertragung des
Konfliktes und die ihn begleitenden negativen Vorgänge auf unser
Land nicht zuzulassen. Hier ist es statthaft, an die allgemein
bekannte Tatsache zu erinner i, daß wenn man die dringenden
Probleme ignoriert, wozu die in unserer Umgebung
Existierenden gehören, dies in eine Krise führt. Eine in ihrer
Entwicklung unkontrollierte Krise kann ihrerseits zu einer
alles vernichtenden Katastro-Dhe anwachsen, die keine
Staatsgrenzen oder anjere politische, ökonomische, ethnische
und andere Gegebenheiten kennt.
- Die
Gefährdung der Sicherheit Usbekistans erscheint unter den
Bedingungen der bestehenden regionalen Krisen als nicht
hypothetisch, sondern als greifbar. Dies wird deutlich, wenn man den
regionalen Konflikt nicht nur als bewaffnete Konfrontation der
Seiten in einem fest umrissenen Rahmen betrachtet, wobei er mit
vielzähligen Opfern unter den friedlichen Bürgern der Bevölkerung
zusammenfällt, sondern auch vom Gesichtspunkt des Einflusses her,
den dieser Konflikt auf alle Lebensbereiche der konkreten
Gesellschaft und der benachbarten Staaten hat.
- Die
Geschichte der menschlichen Zivilisationen, insbesondere unter den
Bedingungen der modernen Welt, zeugt gleichbedeutend davon, daß
ein beliebiger Konflikt in einem einzelnen Staat nicht
langfristig innerhalb der nationalen Grenzen werden kann. Aus
einer Reihe von Gründen weist ein solcher Konflikt die Tendenz auf,
sich aufzusplitten, was früher oder später zu einem ganzen
Problemkomplex führt, dem sich die Nachbarstaaten mit allen seinen
Folgen, wie der Destabilisierung der Situation in der Region,
konfrontiert sehen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, verstärkt
die Krise die verborgene und offene Internationalisierung des
Konfliktes, weil es immer äußere Kräfte gibt, die verschiedene
Ziele verfolgen und danach streben, ihre eigenen Interessen im
Krisengebiet zu verfolgen.
- Daher
erscheint es falsch, einen inneren Konflikt in einem einzelnen Staat
und die Wechselwirkung zwischen ihm und den benachbarten Ländern
als voneinander unabhängige Erscheinungen zu betrachten. Die militärisch-politische
Krise in Afghanistan und die Instabilität in Tadshikistan können
jedoch keine negative Auswirkung auf die Stabilität in Zentralasien
im allgemeinen und auf die nationale Sicherheit in Usbekistan im
besonderen haben.
- Ich
denke, daß es keine Notwendigkeit dafür gibt, tiefgründig zu
theoretisieren und sich auf die Geschichte der anderen regionalen
Konflikte zu beziehen, um eine Bestätigung für diese Folgerung
unter unseren Bedingungen zu erhalten. Ich bin zutiefst davon überzeugt,
daß die letzte schlimme Zuspitzung des Konflikts in Afghanistan im
Verlaufe des Septembers und Oktobers 1996 die Aktualität und Schärfe
dieses vielschichtigen Problems deutlich gemacht hat, dessen
Widerhall sprichwörtlich ist, und jeden den Atem des Krieges hat spüren
lassen, sowie uns dazu angeregt hat, über den Wert des Friedens in
der Republik und über das Wohlbefinden des Volkes nachzudenken. In
diesem Zusammenhang wäre es logisch, den Gedanken darüber
weiterzuführen, daß, so lange die regionalen Konflikte nicht
beigelegt sind, keiner der Staaten Zentralasiens sich sicher fühlen
kann und vor allem nicht überzeugt davon sein kann, daß er zukünftig
Fortschritte machen wird.
- Das
Register der Gefahren, welche schon auftraten, und das Register der
potentiellen Gefahren ist hinreichend lang.
- Erstens:
Das Modell für die Entwicklung der Situation, wie die freiwillige
oder erzwungene Übernahme der bewaffneten oder anderer allgemein
schädlicher Handlungen auf dem Territorium der Staaten, mit denen
wir eine gemeinsame Grenze haben, wobei der afghanische und, in dem
bekannten Umfang, der tadshikische Konflikt in eine Phase getreten
sind, in der er praktisch nicht mehr zu kontrollierende Formen
angenommen hat, erfordert unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Unter
diesen Bedingungen muß man die Besonderheit der Ansiedlung der
wichtigsten ethnischen Gruppen der Region berücksichtigen, die in
verschiedener Anzahl in allen zentralasiatischen Staaten leben und
auf eine historische Art und Weise die sich herausbildende, für
Jahrhunderte andauernde gegenseitige Verbindung auf den
verschiedenen Ebenen (dazu gehören auch zahlreiche
verwandtschaftliche Beziehungen) zeigen.
- Wegen
der bekannten "ethnischen Farbenpracht" in jedem Staat der
Region, kann eine beliebige Verschärfung der Krisen die Eintracht
unter den Bürgern und die Stabilität in den Nachbarstaaten nicht
untergraben. Die Bestrebungen bestimmter gemeingefährlicher Kräfte,
den Krisenherd noch weiter anzufachen und ihn auf die Nachbarländer
auszudehnen, wobei mit den nationalen Gefühlen der ethnischen
Minderheiten, die in den angrenzenden Gebieten leben, gespielt wird,
kann keine Unruhen hervorrufen.
- Die
neueste Geschichte ist ein anschauliches Zeugnis dafür, daß die Kräfte,
welche die "nationalistische Karte" mit den eigenen
politischen und anderen Zielen ausspielen wollen, vor allem mit den.
in hohem Maße aufkommenden Emotionen der Leute rechnen und mit der
darauf folgenden Kurssetzung auf kriegerische Aggressionen, unter
Ausschluß jeglicher Elemente der politischen Weisheit und eines
vernünftigen Denkens.
-
- Zweitens:
In den letzten Jahren nahmen die Geschehnisse eine dramatische
Wendung, und dies deswegen, weil in den afghanischen Konflikt, neben
den bekannten ethnischen Aspekten, nun auch religiöse Aspekte
eingebracht wurden. Es findet eine starke Politisierung des Islams
statt, die äußerst radikale Formen annimmt, wie offener
Machtanspruch und die Bereitschaft, sie mit Waffengewalt zu
erlangen, mit dem Aufruf an alle Glaubensbrüder zur Unterstützung.
Dieser Vorgang, welcher keine Beziehung zu den humanistischen
Idealen und den Wurzeln unserer Religion hat, zeigt, direkt ausgedrückt,
einen negativen Einfluß auf die gesellschaftlich-polltische
Situation im gesamten ausgedehnten Gebiet von Gornij Badakshan bis
in die kaspische Region. Daher müssen wir berücksichtigen, daß in
den Staatsgebieten extremistisch eingestellte Elemente zu finden
waren und leider immer noch vorhanden sind, welche dazu bereit sind,
die afghanische Szenerie ihrem Volk aufzuzwingen, unabhängig davon,
ob die Geschehnisse in Afghanistan zu den Folgen führen, deren
tragische Trag weite wir und unsere Nachkommen in vollem Maße zu spüren
bekommen werden.
-
- Drittens:
Das Fluchtpotential, welches der afghanische Konflikt aufweist,
dessen Ursprung die ethno-konfessionellen Machtansprüche der
verschiedenen Gruppierungen bilden, hat weiterhin einen negativen
Einfluß auf die gesamte Region und nimmt belastende Formen an. Es
ist augenscheinlich, daß sich dies in den bewaffneten Provokationen
an der tadshikisch-afghanischen Grenze äußert, welche, in der
Gesamtheit mit anderen Erscheinungen schädlicher Handlungen, von
dem Territorium der islamischen Republik Afghanistan aus die Lage in
Tadshikistan und entsprechend in der Region besonders gefährdet.
Unter diesen Umständen benutzen die "Kämpfer des
Glaubens" verschiedenen Ursprungs für die Rechtfertigung ihrer
Handlungen und Absichten religiöse Losungen und sind bestrebt,
unseren Völkern und ihrer geistigen Welt fremde Ideale und
Wertvorstellungen aufzuzwingen, Unruhen und mittelalterlichen
Reaktionismus zu schüren und uns den anerkannten Platz in der
Architektur der menschlichen Zivilisation zu rauben.
-
- Abschließend
noch eine potentielle Gefahr.,-die besondere Aufmerksamkeit
erfordert. Die Fortsetzung der Konflikte gibt irgendjemandem die
Moglichkeit, die Probleme der "geteilten Völker" aufzuschäumen.
Daher wirkt das Aufgreifen von Argumenten, um sie z.B. für die
Vereinigung der Tadshiken oder Usbeken auf beiden Seiten der Grenze
mit Afghanistan oder den puschtunischen Rassen zu benutzen,
besonders künstlich. Man kann sich nur schwer vorstellen, wohin der
Versuch führt, eine Änderung der bestehenden Grenzen auf
ethnischer Grundlage durchzuführen. Die Verschiebung der Grenzen in
unserer Region kann für die gesamte Weltgemeinschaft eine so fürchterliche
Wirkung haben, daß vor diesem Hintergrund der Konflikt in Bosnien
und in der Herzegowina sich nur als Vorspiel zu einem Alptraum
erweist.
- Insgesamt
erscheinen die sich hinziehenden regionalen Konflikte nicht nur
gegenwärtig als Träger eines weiten Spektrums von Problemen für
die angrenzenden Staaten (hier bildet Usbekistan natürlich keine
Ausnahme). Im weiteren können sie die Wirkung von "Minen mit
verzögerter Auslösung" auf dem Gebiet der Politik, Ideologie,
den internationalen Beziehungen und auf anderen Gebieten haben.
- Die
Folgen der regionalen Konflikte haben große belastende
Konsequenzen, die sich auf die nationale Ökonomie und die
wirtschaftlichen Beziehungen der Staaten auswirken. Das sind nicht
mehr abstrakte Kategorien, sondern die Interessen eines 'eden Bürgers
und Mitgliedes der Gesellschaft, die sich von konkreten Einschätzungen
beeinflussen lassen.
- 1.
Der Krieg in Afghanistan zerstörte z.B. nahezu vollständig die
nicht sehr gut entwickelte Wirtschaft des Landes und ist heute der
Haupthinderungsgrund für die Schaffung neuer Transportverbindungen,
welche es den zentralasiatischen Staaten erlauben würden, die Häfen
der "warmen Meere" zu erreichen und sich so in das System
der weltweiten wirtschaftlichen Verbindungen einzureihen. Dies
bremst seinerseits die Entwicklung der nationalen Wirtschaften,
weil, wie allseits bekannt ist, kürzeste und stabile
Verkehrsverbindungen für einen effektiven Warenaustausch notwendig
sind.
- 2.
Das Problem der Flüchtlinge, die im Falle einer Verschärfung des
bewaffneten Konfliktes keine Grenzen kennen, die bereit sind, sich
in Richtung des Territoriums der angrenzenden Staaten zu bewegen.
Mit diesem Strom gelangen auch diejenigen über die Grenze, die
nicht nur Brot und Obdach suchen, sondern auch diejenigen, die
Unruhe unter die Leute bringen wollen. Für die aufnehmende Seite
hat diese Frage, zusammen mit dem humanitären Aspekt auch einen ökonomischen,
da es unumgänglich ist, ausreichende Mittel für die Unterbringung
der Flüchtlinge und die Lösung ihrer vielzähligen und
unaufschiebbaren Probleme im eigenen Budget zu finden.
- 3.
Was die betreffenden negativen Faktoren angeht, welche die
andauernden regionalen Konflikte in Afghanistan und Tadshikistan
begleiten und eine nicht unerhebliche Gefahr für die angrenzenden
Staaten in sich bergen, so darf man nicht bei den Problemen
stehenbleiben, wie dem illegalen Drogenhandel, dem internationalen
Terrorismus und dem Waffenschmuggel. Es ist bekannt, daß unter den
Bedingungen des Zerfalls und des politischen Chaos, wenn
Kampfhandlungen für die einfache ]Bevölkerung nicht nur zur
einzigen Erwerbsmöglichkeit werden, sondern faktisch als einziges
Überlebensmittel dienen, die Konfliktparteien, besonders in
Afghanistan, die Produktion und den Vertrieb narkotischer Mittel als
ein optimales Werkzeug betrachten, Geldquellen für den Kauf von
Waffen und die persönliche Bereicherung zu erschließen. Nach
verschiedenen internationalen Gutachten, darunter auch solche der
UN, wurde aus Afghanistan nicht nur einer der weltweit fühi-enden
Hersteller von Rohstoffen für Opium, sondern auch eine riesige
Umschlagsbasis, über die Rauschgifte in immer größerem Umfang
nach Asien und weiter nach Europa gelangen. Natürlich bleibt ein
Teil dessen auch in unserer Region "hängen", was zu einem
Anstieg der kriminellen Erscheinungen, einer Verführung der Jugend,
zu einem Zerfall der Gesellschaft usw. führt.
- 4.
Die ausstehende Lösung der Konflikte in Afghanistan und
Tadshikistan schuf für die Staaten der Region, einschließlich
Usbekistans, neue, nicht minder gefährliche Probleme, die in
Verbindung mit der Verbreitung solcher Erscheinungen, wie dem
Terrorismus und dem Waffenschmuggel auf dem angrenzenden
Territorium, stehen. Von der Lösung solcher ebenfalls wichtiger
Punkte hängt das Maß der ewährleistung der nationalen Sicherheit
und der inneren Stabilität ab. Die Analogien der Krisen im Nahen
Osten und anderer Krisen in verschiedenen Gegenden des Planeten
sowie die bekannten Geschehnisse auf dem Territorium der GUS
(Tschetschenien, Nagornij Karabach, Abchasien usw.) erlauben es,
eine potentielle Möglichkeit für die Übertragung terroristischer
Aktivitäten über die nationalen Grenzen Afghanistans und
Tadshikistans hinweg zu entwerfen. Und dies um so mehr, als es
durchlässige Grenzen zwischen den zentralasiatischen Staaten gibt,
wobei gleichzeitig das Gebiet Afghanistan und seine Grenze zu
unkontrollierbaren Waffenarsenalen wurden. So kann die Möglichkeit
dafür kaum verleugnet werden, daß bewaffnete Kämpfer, welche die
Erfahrung und die Schule des Partisanenkrieges in Afghanistan
durchliefen, an den bewaffneten Konflikten in vielen Staaten der
Welt (z.B. im Kaukasus, Tschetschenlen und Tadshikistan) teilnehmen.
- Die
regionalen Konflikte in Afghanistan und Tadshikistan, welche reale
äußere Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit darstellen,
tragen nicht zur Festigung der Stabilität in Zentralasien und auf
globaler Ebene bei. In ihnen liegt ein bedeutendes negatives
Potential verborgen, welches zu katastrophalen Folgen weltweiten
Ausmaßes führen kann.
- Jeder
vernünftig denkende Mensch, nicht nur in der zentralasiatischen
Region, sondern auch außerhalb dieses Bereiches, kann sich
ausrechnen, daß eine weitere Eskalation der regionalen Konflikte
sich nicht in der Wahl der Staaten dieser Region niederschlägt und
auch keinen Einfluß darauf hat, wie und auf welchem Wege ihre
gesellschaftlichpolitische Entwicklung vonstatten geht und welche
Perspektiven die demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen
aufweisen, die das Schicksal von Millionen Menschen im Vorfeld des
21. Jahrhunderts bestimmen.
-
- Das
wichtigste Ergebnis der Beendigung des "Kalten
Krieges" war, daß es der Menschheit gelang, den dritten
Weltkrieg zu vermeiden. Reicht heute unsere Weisheit,
Erfahrung und Beharrlichkeit aus, um die globalen Folgen der
regionalen Konflikte, in deren Reihe sich der Konflikt in
Afghanistan und die Spannungen in Tadshikistan befinden, zu
lokalisieren und zu neutralisieren?
- Usbekistan
nutzt zielgerichtet alle bestehenden Möglichkeiten im Rahmen
seinerstaatlichen Politik unter Einbeziehung der internationalen
Institutionen. Dabei werden alle Bestrebungen und praktischen Maßnahmen
unterstützt. Ebenso wird eine Zusammenarbeit angestrebt, wo eine
friedliche Regelung und eine Vermeidung militärisch-politischer
Konflikte zu den an unsere Republik angrenzenden Ländern unterstützt
werden kann. Hierin besteht der Sinn und der Kern einer der
Hauptrichtungen unserer gesamten nationalen Strategie.