- An
der Jahrtausendwende steht die Menschheit, die Bevölkerung unseres
Landes vor einer globalen ökologischen Bedrohung. Dies nicht zu
bemerken, tatenlos einzunehmen bedeutet, sich zum Aussterben zu
verdammen. Leider stehen viele noch zu sorglos, zu verantwortungslos
diesem Problem gegenüber.
- Das
Problem der ökologischen Sicherheit geht längst über den
nationalen und regionalen Rahmen hinaus, es wurde zu einem globalen
Problem der Menschheit. Die Natur und der Mensch wirken zusammen
nach bestimmten Gesetzen, deren Verletzung zu einer irreversiblen ökologischen
Katastrophe führt.
- Die
Erkenntnis dessen setzte reichlich spät ein, erst zu Beginn der
70er Jahre, als diese Frage in ersten westlichen Modellen einer
globalen Entwicklung deutlich gestellt wurde, was "wie eine
Bombe einschlug". Die Menschheit empfand real, steht, zu
welchem Er vor welcher Bedrohung sie Ergebnis die anthropogene
Einwirkung auf die Umwelt führte.
- Die
intensive Wirtschaftstätigkeit des Menschen ohne Berücksichtigung
der Mögli chkeiten der Natur und ihrer Entwicklungsgesetze führte,
wie in. eine, der Arbeiten des Club of Rome "Der Weg ins 21
Jahrhundert" erwähnt, zur Entstehung aller Kollisionen auf der
Erde: Bodenerosion, Entwaldung, Überfischung, saurer Regen,
Verunreinigung der Atmosphäre, Zerstörung der 0zonschicht usw.
Nach Einschätzung von Fachleuten wird im Jahr 2000 die Waldfläche
nur noch 1/6des Festlandes betragen, während sie in den 50er Jahren
noch ¼ der Fläche ausmachte. Das Wasser . des Ozeans wird
katastrophal verunreinigt, seine Produktivität nimmt stark ab. Die
beschleunigten Urbanisierungsprozesse führten dazu, daß die städtischen
Ballungsgebiete zu großen Verunreinigungsherden wurden, der Gehalt
an Schwefeldioxid und Stickwurden. Als Folge davon steigt in der
Welt die Zahl aller möglichen, Krankheiten, hervorgerufen durch die
Verschlechterung der Ökosphäre.
- Gegenwärtig
werden im Zusammenhang mit der Beschleunigung des
wissenschaftlich-technischen Fortschritts in der ganzen Welt immer
mehr Naturressourcen in den Wirtschaftskreislauf einbezogen. Dazu
erfordert auch das jährliche Bevölkerungswachstum in der Welt eine
höhere Produktion von Nahrungsmitteln, Treibstoff, Kleidung usw.
Das bedingt eine rasche Verringerung der Waldflächen, die Wüsten
breiten sich aus, der Boden wird zerstört, der in den oberen
Schichten der Atmosphäre vorhandene Ozonschild wird verbraucht, die
durchschnittliche Lufttemperatur der
- Erde
erhöht sich usw.
- Die
größte Gefahr für die menschliche Sphäre bildet das hemmungslose
Wettrüsten, die Herstellung, Lagerung und Erprobung atomarer,
chemischer und anderer Arten von Massenvernichtungswaffen.
- Heute,
an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, unter den Bedingungen des
ungestümen wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der Veränderung
der geopolitischen Struktur der Welt, erlangen die Probleme der
Regulierung der Einwirkung des Menschen auf die Biosphäre, der
Harmonisierung der Wechselwirkung zwischen dem gesellschaftlichen
Fortschritt und der Erhaltung einer günstigen natürlichen Umwelt,
der Erhaltung des Gleichgewichts, in den Wechselbeziehungen
"Mensch - Natur" eine immer größere Aktualität.
- Die
internationale Gemeinschaft hat längst anerkannt, daß die Rechte
des Menschen nicht nur auf Leben, sondern auch auf normale
Umweltbedingungen, die für eine vollwertige und gesunde Lebensweise
der Menschen notwendig sind, heilig und unantastbar sind.
- Die
ökologische Sicherheit gehört infolge ihrer Aktualität und
Bedeutung für die Menschheit zu den wichtigsten Problemen. Eine
konstruktive Lösung dieser Probleme ist geeignet, in vielem die
Lebensbedingungen und die Lebensqualität der gegenwärtigen und künftigen
Generationen zu bestimmen, eine ökologisch unbedenkliche
technologische Entwicklung der Produktionsbereiche der Wirtschaft zu
sichern. Bekanntlich verschlechtert sich der Zustand der Natur nicht
sofort und augenblicklich, dieser Prozeß wird in einem längeren
Zeitraum beobachtet, mit anderen Worten, die ökologische Situation
verschlechtert sich allmählich.
- Das
ökologische Problem wurde zu einem der akuten globalen sozialen
Probleme der Gegenwart, seine Lösung berührt die Interessen aller
Völker, davon hängt in vielem die gegenwärtige und die künftige
Zivilisation ab.
- In
der gegenwärtigen Phase der Lösungsansätze einer Reihe von
Problemen kann die Wechselwirkung des Menschen mit der Natur nicht
auf ein Land beschränkt werden. Die Probleme müssen auf dem
gesamten Planeten gelöst werden. Es ist offensichtlich, daß viele
Probleme des Schutzes der natürlichen Umwelt vor dem schädlichen
Einfluß der Wirtschaftstätigkeit des Menschen globalen Charakter
tragen und deshalb nur durch internationale Zusammenarbeit geklärt
werden können.
- Das
ökologische Problem ist in allen Ländern und Regionen der Welt
aktuell, in allen Winkeln des Erdballs, unterschiedlich ist nur der
Dringlichkeitsgrad.
- Man
kann mit Bitterkeit sagen, daß in der mittelasiatischen Region eine
der gefährlichsten Zonen der ökologischen Katastrophe entstanden
ist. Die Kompliziertheit der Situation besteht nicht nur darin, daß
sie das akkumulierte Ergebnis der Ignoranz dieses Problems im
Verlaufe vieler Jahrzehnte ist, sondern auch darin, daß praktisch
alle Sphären der Lebenstätigkeit des Menschen in der Region dem ökologischen
Risiko ausgesetzt sind. Wir haben die bittere Erfahrung als Beweis
dafür, daß die Natur einen vulgären und anmaßenden Umgang mit
ihr nicht aushält. Das verzeiht sie nicht. Das falsche
sozialistische, ideologische Postulat, daß der Mensch der Herr über
die Natur ist, kehrte sich besonders in der mittelasiatischen Region
in eine Tragödie für das Leben vieler Menschen, ganzer Völker und
Nationen um, brachte sie an den Rand des Aussterbens, des
Verschwindens des genetischen Fonds.
- Leider
sind diese Prozesse auch an Usbekistan nicht vorbeigegangen, wo nach
Auffassung der Fachleute eine schwierige, man kann sagen gefährliche
Situation entstanden ist. Worin besteht sie?
-
- Erstens
erhöht sich ständig die Gefahr der Bodenknappheit und der
minderwertigen Qualität des Bodens. Unter den Bedingungen
Mittelasiens ist der Boden eine unschätzbare Gabe, er ernährt und
kleidet buchstäblich die Menschen, bildet die materielle Grundlage
für den Lebensstandard vieler Familien, nicht nur derer, die
unmittelbar mit der landwirtschaftlichen Produktion verbunden sind,
sondern auch der gesamten Bevölkerung der Republik, wo auf
irgendeine Weise alle Bereiche eng mit dem Boden verbunden sind und
seine Früchte freigebig genutzt werden. Gleichzeitig ist der Boden
nicht nur ein großer Reichtum, sondern auch der Faktor, von dem die
Zukunft des Landes abhängt. Besonders deutlich tritt das in
Usbekistan in Erscheinung, wo sich die wirtschaftliche und
demographische Belastung des Bodens von Jahr zu Jahr erhöhen.
-
- Die
Besonderheit der Republik besteht darin, daß von einer Gesamtfläche
von über 447 400 kM2 nur 10 Prozent Anbaufläche sind. Dabei ist
ein bedeutender Teil der Fläche Usbekistans Wüstenund Halbwüstenboden,
wie Karakum, Kysylkum, Ustjurt u.a. Bereits heute ist die
demographische Belastung der Bodenflächen äußerst hoch, besonders
durch die landwirtschaftliche Nutzung. Von den Ländern
Zentralasiens hat Usbekistan die höchste Bevölkerungsdichte, 51,4
Personen auf 1 kM2, während diese Zahl in Kasachstan 6,1, in
Kyrgysstan 22,7 und in Turkmenistan 9,4 beträgt. ln der Republik
entfallen pro Person 0,17 ha Anbaufläche, in Kasachstan sind es
1,54 ha, in Kyrgysstan 0,26 ha, in der Ukraine 0,59 ha und in Rußland
0,67 ha. Wenn man berücksichtigt, daß über die Hälfte der
gesamten Bevölkerung auf dem Lande lebt, kann man ohne weiteres
behaupten, daß wir auf dem Lande nicht nur einen relativen, sondern
auch einen absoluten Überfluß an menschlichen Ressourcen haben.
- Und
wenn man das relativ starke Anwachsen der Bevölkerung berücksichtigt,
die beschleunigten Prozesse der Urbanisierung und der Verwendung
fruchtbaren Bodens für die Entwicklung der Städte, den
Wohnungsbau, die Errichtung neuer Betriebe, ingenieurtechnischer
Netze und Verkehrsverbindungen, dann kann sich in den nächsten
Jahren, bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts, das Problem des
Versorgungsgrades mit Bodenressourcen noch mehr verschärfen.
- Das
Problem wird auch dadurch verschärft, daß neben dem hohen Grad der
Naturverwüstung besonders am Ende des 20. Jahrhunderts der Prozeß
der anthropogenen Verwüstung abläuft, das heißt der durch die Tätigkeit
des Menschen hervorgerufene Prozeß. Die Verschlechterung der natürlichen
Umwelt wird in diesem Falle begleitet von der Bodenerosion, der
Versalzung der Böden, der Verringerung der Wasserführung der
Oberflächen- und Grundwässer und anderen Erscheinungen.
- Die
Wind- und Wassererosion wirkt sich wegen der selten durchgeführten
Erosionsschutzmaßnahmen auch negativ auf die Produktivität der Böden
aus. Sie wurden nur in sehr geringem Tempo und in geringer Qualität
ausgeführt und gegen Ende der 80er Jahre praktisch eingestellt. In
der Republik sind über 2 Mio. ha oder fast die Hälfte aller bewässerten
Böden von Deflation bedroht.
- Zu
einem großen ökologischen Problem Usbekistans wurde der hohe
Versalzungsgrad des Bodens. Die massenhafte Nutzbarmachung des
Bodens führte dazu, als selbst versalzte und zur Melioration
ungeeignete Böden in großen, geschlossenen Massiven der Nutzung
zugeführt wurden. In den letzten 50 Jahren stieg die bewässerte
Bodenfläche von 2,46 Mio. ha auf 4,28 Mio ha. Allein in den Jahren
1975-1985 wurde etwa 1 Mio. ha neuer Bodenmassive urbar gemacht.
Etwa 1990 erhöhte sich die bewässerte Bodenfläche im Vergleich zu
1985 um den Faktor 1,5.
- Bis
in die letzte Zeit (bis 1990) nahm der Baumwollanbau fast 75 Prozent
in der Struktur der Anbauflächen ein. In keinem Land der Welt gab
es einen so hohen Monopolisierungsgrad der Baumwolle, was zur Erschöpfung
der Böden, zur Verringerung der Bodenfruchtbarkeit, zur
Verschlechterung der wasserphysikalischen Eigenschaften der Böden,
zur Verstärkung der Deflations- und Erosionsprozesse der Böden führte.
- Der
Verwendungsgrad anorganischer Mineraldünger, Herbizide und
Pestizide in Usbekistan überschritt die zulässigen Normen um das
Zehnfache. Die Böden, Flüsse, Seen, Grundwasser und Trinkwasser
wurden verunreinigt. Außerdem wurden bei der Nutzung neuer Böden
nicht die erforderlichen Technologien eingehalten, allgemein wurde
eine unkontrollierte Bewässerung der Baumwollstauden, eine übermäßige
Durchfeuchtung der Böden beobachtet, was von sekundärer Versalzung
begleitet wurde.
- Zu
einer realen Bedrohung wurde die intensive Bodenverunreinigung durch
verschiedene Arten von Industrie- und Haushaltsabfällen. Die grobe
Verletzung der Regeln für die Lagerung, Nutzung, den Transport und
die Verwendung verschiedener chemischer Präparate, Schadstoffe und
Mineraldünger, Industrie- und Baustoffe führt zur Verunreinigung
des Bodens, schränkt die Möglichkeit seiner produktiven Nutzung
ein.
- Der
intensive Abbau von Bodenschätzen, häufig unter unvollkommenen
Verarbeitungsverfahren, geht einher mit der Ansammlung großer
Mengen von Rückständen, Asche, Schlacke und anderen Stoffen, die
nicht nur landwirtschaftliche Nutzfläche einnehmen, sondern auch
die Quellen für die Verschmutzung des Bodens, der Oberflächen- und
Grundwasser und der Atmosphäre bilden. Eine Industrie für die
Nutzung giftiger Abfälle wurde bisher in der Republik nicht
geschaffen.
- Auf
dem Territorium Usbekistans gibt es über 230 städtische und ländliche
Deponien für feste Haushaltsabfälle, in denen etwa 30 Mio.
Kubikmeter Müll gesammelt werden. Sie sind hauptsächlich spontan
organisiert, ohne die komplexe Untersuchung der geographischen,
geologisch-hydrogeologischen und anderen Bedingungen. Die Unschädlichmachung
und Lagerung der festen Haushaltsabfälle in ihnen ist primitiv.
Eine komplizierte Lage hinsichtlich Nutzung und Unschädlichmachung
der Haushaltsabfälle entstand in den Großstädten der Republik. In
der Republik ist auch die Frage der industriellen Verarbeitung der
Haushaltsabfälle noch nicht geklärt. Das in der Republik einzige
experimentelle Werk zur Verarbeitung von Haushaltsabfällen in
Taschkent nahm 1991 die Arbeit auf.
- Eine
besondere Gefährdung stellt die radioaktive
Verunreinigung dar. Entlang der Ufer des Flusses Majluu-Suu
(Kyrgysstan) wurden im Zeitraum von 1944 bis 1967 Abfälle der
Uranerzverarbeitung vergraben, und es gibt bis zur heutigen Zeit 23
Lager, die der Befestigung der Murschutzdämme und Arbeiten zur
Stabilisierung der Hänge an erdrutschgefährdeten Abschnitten bedürfen.
- Ökologische
Gefahrenherde sind auch die Lager im Gebiet Nawoj, wo radioaktiver
Sand mit der realen Gefahr der Windaustragung lagert.
- Daher
ist eine der wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes in Usbekistan
die Bodenpflege, die Verwirklichung eines breiten Komplexes von Maßnahmen
zur Verminderung der Bodenverunreinigung. Die Rede ist vor allem von
einer grundlegend besseren Nutzung der Naturressourcen.
-
- Zweitens
ruft der akute Mangel und die Verschmutzung der
Wasserressourcen, darunter der Oberflächen- und Grundwasser, im
Hinblick auf die ökologische Sicherheit Usbekistans große
Besorgnis hervor. Die Flüsse, Kanäle, Stauseen der
- Republik
und selbst das Grundwasser haben vielgestaltige anthropogene
Einwirkungen erfahren.
- Das
Wasser ist in der ariden Zone eine unschätzbare Naturgabe. Das
ganze Leben ist mit dem Wasser verbunden. Wo das Wasser zu Ende ist,
hört das Leben auf. Die Wasserressourcen in Zentralasien sind
jedoch äußerst begrenzt. Die Hauptwasserarterien sind die Flüsse
Amudarja mit einer Wasserführung von 78 kmA im Jahr und Syrdarja
mit 36 kM3.
- Gegenwärtig
werden alle Wasserressourcen des Aralseegebietes in der
Volkswirtschaft genutzt.
- Im
Zusammenhang damit, daß die Flußwasserführung im Gebirge
Kasachstans und Tadshikistans entsteht und ein großer Teil der
Wasserressourcen für die Bewässerung der Böden in allen
mittelasiatischen Republiken benutzt wird, existiert das Problem
einer gemeinsamen, abgestimmten Verwaltung der begrenzten
Wasserressourcen des Aralseegebletes im Interesse aller Staaten der
Region, das eine konstruktive Lösung erfordert. Dabei müssen die
ökologischen Forderungen berücksichtigt werden, der Wasserdurchfluß
in das Flußdelta und in den Aralsee muß gewährleistet sein, um
dort annehmbare Lebensbedingungen zu schaffen.
- Ein
anderes wichtiges Problem der Region ist mit der notwendigen
Verwirklichung eines Kornplexes von Wasserschutz- und Wassersparmaßnahmen
verbunden, der eine enge Koordinierung des Betriebs und der
Parameter des Bewässerungsnetzes mit der Beregnungstechnik zur
Minimierung der Wasserverluste umfaßt. Des weiteren ist eine
Regelung der Ableitung des Wassers der Drainagesammelleitung und die
völlige Einstellung der Einleitung von Abwasser in die Stauseen
erforderlich.
- Eines
der wichtigsten Probleme ist der qualitative Zustand der
Wasserressourcen. Seit den 60er Jahren begann sich die Wasserqualität
in den Stromgebieten progressiv zu verschlechtern, im Zusammenhang
mit der Erschließung neuer Bodenflächen in großem Maßstab, mit
der extensiven Entwicklung der Industrie, der Tierzuchtkomplexe, der
Urbanisierung, dem Bau von Drainagesammelsystemen in Zentralasien
und mit der Entnahme von Flußwasser zur Bewässerung in ständig
steigendem Umfang. Die Verunreinigung des Flußwassers
verschlechtert die ökologisch-hygienische und sanitär-epidemlologische
Lage, insbesondere an den Unterläufen der Flüsse. Andererseits
verstärkt der Salzgehalt im Flußwasser die Versalzung der Böden
in den Deltaregionen des Amudarja, Syrdarja, Sarafschan und anderer
Flüsse, was sich auf zusätzliche Meliorationsarbeiten, das
Auswaschen und die Errichtung von Drainagesystemen auswirkt.
- Für
die Bedingungen Usbekistans und der benachbarten Regionen erlangt
die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem
Trinkwasser eine besondere Bedeutung. Ungeachtet dessen, daß die
Belieferung der Ortschaften mit standardmäßigem Leitungswasser
erst in den letzten fünf Jahren in der Republik um etwa das
1,5fache stieg, bleibt dieses Problem dennoch aktuell. Besonders
wenn man berücksichtigt, daß die Verunreinigung der
Trinkwasserquellen den Grund für die hohe Erkrankungshäufigkeit in
der Republik bildet, der höchsten im Aralgebiet.
-
- Drittens
wurde das Problem des Verschwindens des Aralsees zum größten
ökologischen Problem, man kann sagen, zu einer nationalen
Katastrophe. Das Problem des Aralsees hat seine Wurzeln in ferner
Vergangenheit. Aber bedrohliche Maßstäbe nahm es erst im letzten
Jahrzehnt an. Der intensive Bau von Bewässerungssystemen auf dem
gesamten Territorium Zentralasiens brachte zwar Wasser für die
Ortschaften und Industriebetriebe, war jedoch außerdem der Grund für
eine globale Katastrophe - das Verschwinden des Aralsees.
- Es
ist noch nicht lange her, daß die Siegesfanfaren anläßlich der
der Wüste und Steppe abgerungenen neuen bewässerten Böden
erklangen, wobei vergessen wurde, daß dieses Wasser dem Aralsee
weggenommen wurde, ihn "ausblutete". Heute ist das
Aralgebiet ein ökologischen Katastrophengebiet.
- Die
Aralkrise ist eine der größten ökologischen und menschlichen
Katastrophen in der Menschheitsgeschichte, unter ihrem Einfluß
stehen etwa 35 Mio. Menschen, die im Aralseegeblet leben.
- Innerhalb
von 20 bis 25 Jahren waren wir Zeugen des Verschwindens eines der größten
geschlossenen Wassergebiete in der Welt. Das gab es noch nie, daß
vor den Augen einer Generation ein ganzes Meer zugrunde ging.
- Der
Pegel des Aralsees befand sich in den Jahren 1911-1962 auf der
absoluten Marke 53,4 in, das Wasservolumen in ihm betrug 1064 kM3
bei einer Wasserfläche von 66 000 kM2 und einer Mineralisierung des
Wassers von 1 0-1 1 gll. Der See hatte eine große Bedeutung für
das Transportwesen, die Fischwirtschaft und das Klima. Er erhielt
aus den Abflüssen des Syrdarja und Amudarja jährlich etwa 56 km 3
Wasser. Etwa 1994 sank der Wasserpegel im Aralsee auf die Marke 32,5
in, das Volumen unter 400 km3 und der Wasserspiegel auf 32 500 kM2 ,
die Mineralisierung des Wassers verdoppelte sich.
- Durch
die Senkung des Pegels des Aralsees um 20 Meter handelt es sich
schon nicht mehr um ein einheitliches Meer, sondern um zwei
Restseen. Seine Ufer traten um 60-80 km zurück. Die Delten des
Amudarja und Syrdarja werden verstärkt degradiert. Ausgetrockneter
Boden wurde auf einer Fläche von über 4 Mio. ha festgestellt. Dafür
erhielt man noch eine selbstgemachte Sand- und Salzwüste. Vom
ausgetrockneten Boden des Aralsees hebt der Wind Salz und Staub auf
und trägt sie über Hunderte von Kilometern.
- Staubstürme
auf dem ausgetrockneten Boden des Aralsees wurden erstmalig durch
kosmische Untersuchungen noch im Jahre 1975 entdeckt. Seit Beginn
der 80er Jahre werden solche Stürme hier an 90 Tagen im Jahr
beobachtet. Die Staubschleifen erreichen 400 km Länge und 40 km
Breite, und der Wirkungsradius der Stürme beträgt bis zu 300 km.
Nach Einschätzung von Spezialisten werden hier jährlich 15 bis 75
Mio. Tonnen Staub in die Atmosphäre abgelassen.
- All
das bringt eine Änderung des Klimas im Aralgebiet mit sich. Seit
1983 hörte der Aralsee als Fischfanggebiet auf zu existieren. Weit
von der gegenwärtigen Uferlinie entfernt kann man die rostigen Überbleibsel
der einstmals mächtigen Fischfangflotte und die verwüsteten
Siedlungen der Fischer antreffen. Es verschwanden die Buchten
Boskol, Altynkol, Karatma; die Akpetkinsker Inselgruppe ist mit dem
Festland verschmolzen. Es verschwinden die Weiden und Grasflächen,
Territorien versumpfen. Das wachsende Wasserdefizit und die
schlechter werdende Wasserqualität brachten die Degeneration der Böden
und der Pflanzendecke, Veränderungen in Flora und Fauna sowie eine
Senkung der Effektivität des bewässerten Ackerbaus mit sich.
- Die
Austrocknung des Aralsees und die durch diesen Prozeß
hervorgerufene Degradation der natürlichen Umwelt in der Aralregion
wächst sich zur ökologischen Katastrophe aus. Die Entstehung von
Staub- und Salzstürmen, die Verwüstung des Bodens weiter
Territorien nicht nur im Aralgebiet, sondern auch in weit vom See
entfernten Gebieten, die Veränderung des Klimas und der Landschaft,
das ist längst keine vollständige Liste der Folgen
- der
Katastrophe.
- Die
Aralkatastrophe hätte man noch zu Beginn der 70er Jahre, im ungünstigsten
Fall unmittelbar zu Beginn der 80er Jahre steuern können, als sich
der Meerespegel unbedeutend verringerte. Gegenwärtig ist eine
Steuerung außerordentlich schwierig geworden, und in der Folge wird
dieser Prozeß noch komplizierter oder er wird überhaupt nicht
steuerbar. Im Aralgeblet entstand mit der Austrocknung des Aralsees
ein komplizierter Komplex ökologischer, sozialökonomischer und
demographischer Probleme, die ihrer Entstehung und ihren Folgen nach
von internationalem, globalem Charakter sind.
- Die
ökologische Katastrophe, die mit der Austrocknung des Aralsees und
der Verwüstung der Region verbunden sind, betrifft alle Völker,
die im Einzugsgebiet leben.
- Die
Maßstäbe und die Kompliziertheit der Probleme, die mit den
Wasserressourcen verbunden sind, erfordern ein komplexes und
bereichsübergreifendes Herangehen und die Entwicklung der
Zusammenarbeit der Staaten in der Region mit der internationalen
Gemeinschaft.
- Als
Anstoß zur Lösung dieser Probleme diente ein Treffen der
Staatschefs der Staaten Zentralasiens in der Stadt Kysyl-Orda im März
1993, auf dem eine Vereinbarung über gemeinsames Handeln zur Lösung
der Krise des Aralsees unterzeichnet wurde. Ein zwischenstaatlicher
Rat zu den Problemen des Aralsees, sein Arbeitsorgan - das
Exekutivkomitee - sowie ein internationaler Fonds zur Rettung des
Aralsees wurden gegründet. Auf dem zweiten Treffen der Staatschefs
der Republiken Zentralasiens, das im Januar 1994 in der Stadt Nukus
stattfand, wurde das "Programm konkreter Maßnahmen zur
Verbesserung der ökologischen Situation im Einzugsgebiet des
Aralsees in den nächsten drei bis fünf Jahren unter Berücksichtigung
der sozialökonomischen Entwicklung der Region" bestätigt. Und
auf dem dritten Treffen im März 1994 in Daschchowus wurde der
Bericht des zwischenstaatlichen Rates zur Erfüllung dieses
Programms gehört.
- Im
Februar 1997 wurde auf dem Treffen der Chefs der fünf
mittelasiatischen Staaten unter Teilnahme von Vertretern der UNO,
der Weltbank und anderer internationaler Organisationen in Almaty
ein Beschluß über die Vervollkommnung der Organisationsstruktur
zur Lösung der Aralprobleme angenommen-, es wurde eine wirksamere
Zusammensetzung des internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees
und auf seiner Basis ein mobiles Exekutivkomitee gebildet.
Angesichts der Schärfe des Aralproblems, der Notwendigkeit,
unaufschiebbare Maßnahmen zu seiner Rettung zu ergreifen, haben die
Regierungen der Republiken Zentralasiens, Fachleute und die
wissenschaftliche Öffentlichkeit der Region sowie internationale
Organisationen am 20. September 1995 in der Stadt Nukus die Deklaration
der Staaten Zentralasiens und internationaler Organisationen zu den
Problemen einer stabilen Entwicklung des Einzugsgebietes des
Aralsees angenommen. Sie sieht die strenge Einhaltung der
Prinzipien einer stabilen Entwicklung vor und konzentrierte die
Aufmerksamkeit auf die Lösung solcher wichtigen Probleme, wie:
- -
Vervollkommnung des Systems der komplexen Verwaltung der
Naturressourcen der Region.
- Im
Endeffekt muß eine langfristige Strategie und ein Programm zur Lösung
der Aralkrise ausgearbeitet und verwirklicht werden, die eine
stabile Entwicklung garantieren, das Absinken des Lebensstandards
der Menschen, die in dieser Region wohnen, nicht zulassen und künftigen
Generationen ein würdiges Leben ermöglichen.
-
- Viertens
ist auch die Verschmutzung des Luftraumes eine Bedrohung der ökologischen
Sicherheit in der Republik. Laut Angaben von Spezialisten gelangen jährlich
etwa 4 Mio. Tonnen Schadstoffe in die Atmosphäre der Republik.
Davon entfallen die Hälfte auf Kohlenmonoxid, 15 Prozent machen
Kohlenwasserstoffe aus, 14 Prozent sind Schwefeldioxid, 9 Prozent
Stickoxide, 8 Prozent feste Stoffe, und etwa 4 Prozent entfallen auf
spezifische, hochtoxische Schadstoffe.
- Die
Erhöhung der Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre führt zur
Erhöhung der mittleren Lufttemperatur der Erde durch die Entstehung
eines eigenartigen globalen Treibhauseffekts.
- Für
die Republik Usbekistan, die in der ariden Zone liegt, sind solche
großen natürlichen Luftver schmutzungsquellen wie die Wüsten
Karakum und Kysylkum mit häufigen Sandstürmen charakteristisch. Im
letzten Jahrzehnt entstand mit der Austrocknung des Aralsees noch
eine natürliche Quelle des Staub- und Salztransports.
- Eine
ökologische Krisensituation entstand in vielen Regionen des
Gebietes Surchandarja in Usbekistan zu Beginn der 80er Jahre durch
die Inbetriebnahme eines Aluminiumwerkes im benachbarten
Tadshikistan, das in großen Mengen Fluorwasserstoff, Kohlenmonoxid,
Schwefelgas und Stickoxide in die Atmosphäre entläßt. Die Abgase
des Werkes, das an der Grenze zwischen Tadshikistan und Usbekistan höher
über dem Tal gelegen ist, werden mit den Berg- und Talwinden weit
über seine Grenzen hinaus verteilt, hauptsächlich auf das
Territorium der angrenzenden Rayons der Republik, nämlich in die
Rayons Saryassija, Usun, Denau und Altynsai des Gebietes
Surchandarja.
- Unter
der Berücksichtigung, wie groß die Bedrohung der ökologischen
Sicherheit für Usbeklstan, 'a, für die gesamte mittelasiatische
Region insgesamt ist, widmen Regierung und Staat große
Aufmerksamkeit den Fragen des Umweltschutzes und der rationellen
Nutzung der Naturressourcen. Es wurden Gesetze zum Schutze der natürlichen
Umwelt angenommen. Nationale Maßnahmen zum Umweltschutz in der
Republik Usbekistan werden verbunden mit breiter und vielseitiger
Zusammenarbeit mit anderen Staaten und internationalen
Organisationen. Es wurde eine bedeutende Zahl internationaler Verträge
und Vereinbarungen abgeschlossen, die die verschiedenen Aspekte des
Umweltschutzes und der rationellen Nutzung der Naturressourcen
regulieren sollen.
- Usbekistan
ist vollberechtigtes Mitglied im zwischenstaatlichen ökologischen
Rat der Länder der GUS, der auf Grund einer Vereinbarung geschaffen
wurde, die von den Staatschefs der GUS am 8. Februar 1992
unterzeichnet wurde. Die Zusammenarbeit der GUS - Länder im Rahmen
dieses ökologischen Rates verfolgt das Ziel, abgestimmte,
koordinierte Maßnahmen der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet des
Umweltschutzes zu unternehmen.
- Gegenwärtig
wird in der Republik ein staatliches Programm zum Umweltschutz und
zur rationellen Nutzung der Naturressourcen für die Perspektive bis
zum Jahr 2005 ausgearbeitet. Auf seiner Grundlage wird die gesamte Tätigkeit
auf dem Gebiet der rationellen Nutzung der Naturressourcen und des
Umweltschutzes organisiert. Im Programm sind die Wege zur Gesundung
der ökologischen Situation in der Republik, zur Überwindung der
angespannten ökologischen Lage in den Großstädten und städtischen
Ballungsgebieten usw. aufgezeichnet.
- Die
Grundrichtungen der Stärkung der ökologischen Sicherheit in der
Gegenwart sind folgende:
- 1.
Beendigung der Luft- und Wasserverschmutzung mit schädlichen oder für
die Lebenstätigkeit des Menschen unangenehmen Stoffen durch die
Entwicklung und Einführung entsprechender Technologien und die
strenge Kontrolle ihrer Verwendung in allen giftigen Chemikalien und
in anderen Stoffen, die in der Land- und Forstwirtschaft und in
anderen Wirtschaftszweigen eingesetzt werden und die eine
tiefgreifende Störung der natürlichen Prozesse hervorrufen.
- Große
Bedeutung wird die breite Einführung von wassersparenden
Technologien zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen und
vor allem der Baumwollstauden haben. Die Einleitung des Wassers der
Drainagesammelleitungen muß geregelt werden, und die Einleitung von
Abwässern in die Flüsse und Stauseen muß völlig eingestellt
werden.
- In
den Industriebetrieben muß die Verantwortung für die Einleitung
der Schmutz- und Schadstoffe in die Atmosphäre, die Wasserläufe
und den Boden erhöht werden, indem eine spezielle Steuer breit
angewendet wird, ein System moderner und effektiver
Reinigungsanlagen ist einzuführen, neue, moderne, ökologisch
effektive Ausrüstungen der komplexen Nutzung der Rohstoffe bis hin
zur Endproduktion sind zu errichten.
- 2.
Rationelle Nutzung aller Arten von Naturressourcen mit Gewährleistung
der natürlichen Reproduktion der erneuerbaren Rohstoffe und streng
berechneter Einsatz der nichterneuerbaren Rohstoffe.
- Zu
den aktuellen Problemen gehört die rationelle Nutzung der Bodenschätze
der Republik, was einer der Hauptfaktoren des Umweltschutzes ist.
Beim Abbau und der Verarbeitung der Bodenschätze werden hohe
Verluste zugelassen, charakteristisch ist auch die unvollständige
Ausnutzung des Ausgangsstoffes. Es besteht die Aufgabe des vollständigeren
und rationellen industriellen Abbaus der Bodenschatzlagerstätten
durch Ersatz der veralteten Ausrüstung, Einführung neuer
Technologien, Rekonstruktion einzelner Betriebsteile, Abschnitte und
ganzer Werke. Aus der Sicht des Umweltschutzes wird auch die
erweiterte Verwertung der Abfälle der Bergbauindustrie sowie die
Rekultivierung der durch sie zerstörten Bodenflächen große
Bedeutung haben.
- 3.
Zielgerichtete, wissenschaftlich begründete Umgestaltung der natürlichen
Bedingungen in großen Territorien (Regulierung der Wasserführung
der Flüsse und Umleitung von Wasser aus einem Flußbecken in ein
anderes, Trockenlegungs- und Bewässerungsmaßnahmen usw.), wodurch
die effektive und komplexe Nutzung der natürlichen Ressourcen gewährleistet
wird.
- 4.
Erhaltung des gesamten natürlichen genetischen Fonds der lebenden
Natur als Ausgangsbasis für die Züchtung neuer Arten von
Kulturpflanzen und Tieren.
- 5.
Schaffung günstiger Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Städten
und anderen Siedlungen durch die Einführung eines Systems des
wissenschaftlich begründeten Städtebaus und der rayonweiten
Planung, wodurch alle negativen Folgen der gegenwärtigen
Urbanisierung beseitigt werden.
- 6.
Hinlenkung der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die ökologischen
Probleme der Region auf Grund dessen, daß die ökologischen
Katastrophen keine Grenzen kennen. Das Aralproblem wurde heute zu
einem wahrlich globalen, den Planeten umfassenden Problem, das
bereits heute die Störung des biologischen Gleichgewichts bewirkt
und sich tödlich auf den genetischen Fonds der Bevölkerung in
weiten Territorien auswirkt.
- Ressourcen,
Möglichkeiten - und Investitionen internationaler Strukturen zur Lösung
dieser Probleme hinzuzuziehen, ist eine erstrangige Aufgabe.
- Die
Verwirklichung dieser und anderer wirksamer Maßnahmen zum Schutz
der Umwelt wird es schon in naher Zukunft gestatten, viele Fehler
und Versäumnisse auf dem Gebiet der Ökologie auszumerzen, die der
jungen Republik vom vorangegangenen System hinterlassen wurden. Es
wird möglich sein, die drohende, ihrem Maßstab nach globale ökologische
Krise abzuwenden, die notwendigen Bedingungen für eine ökologisch
saubere Wohnumwelt für die Bevölkerung der Republik, für die
Geburt und Entwicklung einer physisch gesunden heranwachsenden
Generation zu schaffen.