INTEGRATION
IN DIE WELTGEMEINSCHAFT
In
dem kurzen historischen Zeitraum der unabhängigen Entwicklung
Usbekistans wurde eine enorme Arbeit zur Entwicklung der Republik als
souveräner Staat geleistet. Heute ist Usbekistan von 165 Staaten
anerkannt. Mit mehr als 120 Ländern der Welt wurden offizielle
diplomatische Beziehungen aufgenommen. In Taschkent haben 35 Länder
ihre Botschaften eröffnet.
Heute
gehört Usbekistan auf gleichberechtigter Basis zu den angesehensten
und einflußreichsten internationalen Organisationen, unterhält
freundschaftliche Beziehungen mit Dutzenden von Ländern- auf allen
Kontinenten, arbeitet eng mit den größten Banken und Finanzorganen,
nichtstaatlihcen und regierungsunabhängigen Organisationen zusammen.
In der Republik sind 88 ausländische Vertretungen akkreditiert,
arbeiten 24 zwischenstaatliche und 13 nichtstaatliche Organisationen.
In den vergangenen Jahren hat Usbekistan sich vielen wichtigen
internationalen Konventionen angeschlossen. Bei der Aufnahme außenpolltischer
und außenwirtschaftlicher Kontakte hält sich Usbekistan an die
folgenden, noch in den ersten Jahren seiner Unabhängigkeit
entwickelten grundlegenden Prinzipien:
Erstens:
Priorität der nationalstaatlichen Interessen bei umfassender Berücksichtigung
der gegenseitigen Interessen.
Zweitens:
Gleichberechtigung und gegenseitiger Nutzen, Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten der anderen Staaten.
Drittens:
Offenheit für die Zusammenarbeit außerhalb der Abhängigkeit von
ideologischen Ansichten, Ergebenheit gegenüber den Werten der
gesamten Menschheit, Erhaltung des Friedens und der Sicherheit.
Viertens:
Priorität der Normen des internationalen Rechts vor den
innerstaatlichen.
Fünftens:
Entwicklung der Außenbeziehungen sowohl auf der Grundlage bilateraler
als auch multilateraler Vereinbarungen.
Die
erfolgreiche Entwicklung der Außenbeziehungen in verschiedenen
Richtungen internationaler Kontakte verstehen wir als Garantie für
Sicherheit und Stabilität. Usbekistan ist der Welt gegenüber offen.
Und wir fühlen, daß auch die Welt Usbekistan ein starkes Interesse
entgegenbringt. Und das wiederum ist die beste Garantie für eine
stabile Entwicklung Usbekistans. Darin sehen wir das Zeugnis dessen,
daß Usbekistan immer attraktiver wird, sowohl vom Aspekt der
Kapitalinvestitionen als auch der Gewährleistung der Stabilität in
der Region, als Bestandteil der allumfassenden globalen Sicherheit.
Bei
der Lösung der strategischen Aufgabe, dem Aufbau eines modernen
demokratischen Staates, der fest in die Weltgemeinschaft integriert
ist, verstehen wir ausgezeichnet, daß die Weltgemeinschaft selbst
heutzutage vielschichtig ist. Das Ende des XX. Jahrhunderts ist
charakterisiert durch geopolitisch einzigartige Bedeutungen und
riesige Veränderungen in der Welt. Diese Veränderungen sind ohne
Beispiel und erfordern nicht nur tiefergehende Auslegungen, sondern in
vielem auch eine Neubewertung der entstandenen Ansichten und
Mechanismen der Wechselbeziehungen zwischen den Ländern. Viele
Postulate, Prinzipien und Ideen, auf denen die internationalen
Beziehungen im Zeitraum des "kalten Krieges" basierten,
erfordern eine grundlegende Überarbeitung. Die ganze Welt wird zu
einem unteilbaren und voneinander abhängigen System, in dem Autarkie
und Selbstisolation keinen Platz haben. Dies bedingt die Notwendigkeit
der Erarbeitung eines prinzipiell neuen Herangehens bei der Gestaltung
moderner internationaler Beziehungen, der Wechselwirkung mit den
internationalen Strukturen und der Beteiligung an ihrer Tätigkeit.
.Das
21. Jahrhundert wird augenscheinlich das Jahrhundert der
Globallsierung in den internationalen Beziehungen. Unter diesen
Bedingungen muß der Prozeß der Integration, der Erweiterung
der Beteiligung souveräner Staaten an internationalen Institutionen
und Organisationen nicht nur als historische Unabdingbarkeit
betrachtet werden, sonderii auch als mächtiger Faktor der Zuverlässigkeit
und Stabilisierung sowohl der einzelnen Regionen als-auch
insgesamt, in der Größenordnung des ganzen Planeten.
,An
dieser Stelle steht bereits die Frage, ob man sich am internationalen
Integrationsprozeß beteiligen soll oder nicht. Eine entscheidende
Bedeutung für Usbekistan als neuen unabhängigen Staat hat vor allem
die strenge Einhaltung jener grundlegenden Prinzipien der Außenpolitik,
von denen weiter oben bereits die Rede war, die auf einer rationalen
Zweckmäßigkeit und den langfristigen Interessen unseres Staates,
unserer Gesellschaft und der Menschen basieren.
Für
uns ist die Unabhängigkeit nicht einfach das Begreifen der eigenen
Freiheit, sondern vor allem das Recht, nach dem eigenen Willen und den
nationalen Interessen sein Leben zu gestalten und eigenen Händen
seine Zukunft aufzubauen. Deshalb versteht es sich von selbst, daß
keine Integration von außen aufgedrängt werden kann, wenn sie die
Freiheit, die Unabhängigkeit und die terrltoriale Integrität unseres
Landes einengt oder von irgendwelchen ideologischen Verpflichtungen
diktiert wurde.
Sprechen
wir über Integration, so gehen wir davon aus, daß unterschiedliche
Mechanismen und Formen der Verknüpfung der Interessen und Typen der
Integration existieren. Dies ist bedingt durch die unterschiedlichen
Startbedingungen der Länder, die nach Partnerschaft und
Zusammenarbeit streben. Usbekistan hält sich nichtsdestotrotz bei
seiner gleichzeitigen Beteiligung an den Integrationsprozessen auf
verschiedenen Ebenen, auf globaler und regionaler Ebene, an ein
wichtiges Prinzip:
Die
Annäherung an einen Staat bedeutet nicht die Entfernubg von einem
anderen.
Wir
sind dagegen., daß die Festigung der Partnerschaft mit einem Subjekt
auf Kosten der Schwächung der partnerschaftlichen Beziehungen zu den
anderen geht. Deshalb ist die Integration Usbekistans in die
Weltgemeinschaft ein vielseitiger Prozeß.
Wir
gehen davon aus, daß man sich in die Weltgemeinschaft integrieren
kann, wenn man den modernen Begriffen des demokratischen Staates mit
einem ökonomisch entwickelten marktwirtschaftlichen System
entspricht. Gleichzeitig kann man ein Land modernisieren unter der
unabdingbaren Notwendigkeit seiner Integration in die
Weltgemeinschaft, das heißt, indem es seinen würdigen Platz bei der
internationalen Arbeitsteilung findet, aktiv an der Schaffung eines
Systems der regionalen und globalen Sicherheit teilnimmt.
Je
tiefer und weitreichender die Kontakte Usbekistans mit verschiedenen
Subjekten der internationalen Beziehungen werden, desto weniger
Ungevvißheit, Entfremdung, Probleme und ungelöste Fragen, Elemente
der Unwägbarkeit in den Beziehungen mit ihm wird es geben. Gerade das
ist auch eine unabdingbare Voraussetzung für die Beseitiguiig der
Bedrohung der Sicherheit und die Gewährleistung der Stabilität der
Entwicklung.
Um
so mehr sind wir der Meinung, daß der Grad der Sicherheit der Nation
und des Staates sich in direkter Abhängigkeit vom Grad ihrer
Teilnahme an den Integrationsprozessen befindet. Die Formel ist hier
überaus einfach: Die Bedrohung der Sicherheit verhält sich umgekehrt
proportional zum Niveau der Integriertheit des Landes.
Wenn
wir über die Intergration in die Weltgemeinschaft sprechen, so
verstehen wir darunter vor allem unser Beteiligung an der Tätigkeit
der Veireinten Nationen. Am 2. März 1997 war es fünf Jahre her,
daß Usbekistan in die UNO eingetreten ist. Unsere Beteiligung an der
Arbeit einer solchen angesehenen internationalen Organisation
betrachten wir als Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Wolltöffentlichkeit
auf die ernsten Probleme der Sicherstellung der Sicherheit, des
Friedens und der Übereinkunft in der zentralasiatischen Region zu
lenken. Heute verfügt, bei all der Vielfalt der internationalen
Organisationen, die eine Beziehung zum Problem der allumfassenden
Sicherheit haben, allein die UNO über das vollständige Arsenal zu
deren Unterstützung und Sicherung, von der präventiven Diplomatie
bis hin zur Beteiligung an friedensschaffenden Operationen zur
Festigung des Friedens.
Auf
Initiative Usbekistans und unter der Schirmherrschaft der UNO wurde
1995 in Taschkent, erfolgreich ein internationales Seminar zu
Problemen der regionalen Sicherheit in Zentralasien dürchgeführt, an
dem diplomatische und Regierungsvertreter von 20 internationalen
Organisationen und aus mehr als 30 Ländern der Welt, darunter aus den
USA, der BRD, Frankreich, Großbritannien, Rußland, Japan, China,
Indien, Pakistan, Iran u.a., teilgenommen haben.
Unsere
Beziehungen zur UNO sind nicht so sehr von dem Wunsch diktiert, Hilfe
und Unterstützung seitens der internationalen Öffentlichkeit zu
erhalten, obwohl heute auch dies eine gewaltige Bedeutung hat, als von
dem Bestreben, auf nur jede erdenkliche Weise die erfolgreiche Durchführung
der Aktionen der UNO zu unterstützen und ihre Tätigkeit mit neuem
Inhalt zu füllen. Die Veränderung der geopolltischen Situation in
der Welt erfordert auch die Vervollkommnung der Organisation und die Tätigkeit
der UNO im neuen Jahrtausend. Es ist in der Welt eine Reihe von
Staaten entstanden, die kraft ihrer wachsenden Stärke und ihres
Einflusses im Maßstab der Weltpolitik ständige Mitglieder des
Sicherheitsrates werden könnten. Gleichzeitig haben nicht nur die
Struktur, sondern auch das Funktionieren der UNO selbst, ihre
Prozeduren und die Durchführung ihrer Aktionen noch nicht den Stempel
des früheren Kampfes der Großmächte um Einflußsphären abgelegt.
Zum Teil kann gerade damit die Tatsache erklärt werden, daß die von
der UNO unternommenen friederisschaffenden Operationen zur Regulierung
regionaler Konflikte sich nicht immer als erfolgreich erweisen.
Deshalb
wird Usbekistan auch künftig aktiv für die Vervollkommnung der
Struktur und der Tätigkeit dieser ihrem Charakter nach
weltumspannenden und universellen Organisation eintreten.
Es
ist anzumerken, daß die UNO über ein großes integrierendes
Potential verfügt, und als Komponenten dieses Potentials dienen ihre
spezialisierten Organisationen, mit denen Usbekistan bereits heute
eine fruchtbare Zusammenarbeit unterhält. Die Integration in die
Weltgemeinschaft im Rahmen der UNO verstehen wir gerade im Sinne einer
weitreichenden Zusammenarbeit mit den Spezialeinrichtungen der UNO,
wie der UNESCO, der Weltgesundheitsorganisation, der Internationalen
Organisation der Arbeit, UNCTAD, UNICEF und anderen.
Bei
der Durchführung ökonomischer Reformen, bei der Gewährleistun
der Integration Usbekistans in die Weltgemeinschaft leisten auch die
internationalen Finanz- und Wirtschaftsorganisationen große Unterstützung,
so der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, die Europäische
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und andere. Eine große
Bedeutung messen wir der Beteiligung unseres Landes an der Arbeit des
Weltwirtschaftsforums bei, das alljährlich in Davos durchgeführt
wird. Die Teilnahme an dem Forum hat eine wichtige Bedeutung für die
Präsentation des Potentials Usbekistans und die Akquisition ausländischen
Kapitals.
Ein
Bestandteil der Integration in die Weltgemeiiischaft ist die
Entwicklung von Kontakten zu verschiedenen regionalen Vereinigungen
von Staaten. Usbekistan arbeitet fruchtbringend mit solchen regionalen
internationalen Organisationen zusammen., wie die Europäische Union,
OSZE, NATO, EKO, OIK, Bewegung der Nichtpaktgebundenen und anderen.
Einen
besonderen Platz in dieser Reihe nimmt die Europäische Union
ein. Das Jahr 1996 zeichnete sich aus durch einige wichtige Ereignisse
in der Entwicklung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union
und Usbekistan.
Im
Februar hat der Rat der Europäischen Union auf der Ebene der Außenminister
den Beschluß angenommen, Verhandlungen mit Usbekistan über den
Abschluß einer Vereinbarung über Partnerschaft und Zusammenarbeit
aufzunehmen, und im Juli., in Florenz, wurde diese bereits
unterzeichnet. Usbekistan wurde nach Rußland der zweite Staat im
postsowjetischen Raum, der auf einer solchen Ebene mit der Europäischen
Gemeinschaft eine Vereinbarung über Partnerschaft und Zusammenarbeit
unterzeichnet hat.
Die
europäische Richtung in der Außenpolitik Usbekistan hat sich
bedeutend erweitert, sie schließt sowohl die Zusammenarbeit mit den
einzelnen europäischen Ländern als auch des europäischen Kontinents
als Ganzes ein, durch die es seine regionale, europäische
Integaration erfolgreich vewirklicht.
Die
Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der Europäischen Union verstehen
wir als einen weiteren Beitrag zur Gewährleistung der Sicherheit und
der Entwicklung Usbekistans, da sich ja diese Partnerschaft neben der
wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Sphäre auch als
eine politisehe Partnerschaft versteht.
Dieses
Dokument eröffnet eine prinzipiell neue Etappe der Zusammenarbeit,
schafft die Rechtsgrundlage der Wechselbeziehungen zwischen
Usbekistan, der Europäischen Union und den Mitgliedsländern der EU,
eröffnet weitreichende Möglichkeiten für wirtschaftliche,
wissenschaftlichtechnische und kulturelle Beziehungen, legt die
institutionelle Grundlage für einen regulären politischen Dialog.
Die
unterzeichnete Vereinbarung zeugt nicht mir von dem beiderseitigen
Streben, eine Basis für eine aktive Partnerschaft zu schaffen. Sie
bestätigt eindrucksvoll die Tatsache, daß in Usbekistan erfolgreich
am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft gearbeitet wird, daß
unsere Völker durch solche allgemeinen Werte wie die Achtung der
Menschenrechte, die bürgerlichen Freiheiten und den Rechtsstaat
miteinander verbunden sind.
Ich
möchte insbesondere die fruchtbare Zusammeriarbeit mit der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) hervorheben. Da,; Niveau dieser Zusammenarbeit kommt
anschaulich in den gemeinsam mit der OSZE durchgefiihrten
Veranstaltungen, Visiten offizieller Persönlichkeiten dieser
Organisation in Usbekistan und in der erfolgreichen Tätigkeit des in
Taschkent eröl'i'fneten regionalen (für Zentralasien) Büros der
OSZE zum Ausdruck.
Ein
bedeutendes Ereignis in der Entwicklung der Beziehungen Usbekistans
zur OSZE war unsere Teilnahme am Lissabonner Gipfel im Dezember 1996.
Im Rahmen dieses Forums erhielt Usbekistail das Recht und die
Gelegenheit, seine Sicht der Probleme der Sicherheit abzugeben. Unser
Aufruf zur Aktivierung der Tätigkeit der OSZE in Zentralasien wurde
mit Verständnis aufgenommen und dokumentarisch in der Lissabonner
Deklaration festgehalten. Dies war im wesentlichen der erste An'Iaß,
bei dem die OSZE in ihren Dokumenten die Absicht zum Ausdruck gebracht
hat, die Stabilität zu unterstützen und Konflikte in dieser Region
abzuwenden. Heute ruft die Tatsache, daß Sicherheit darunter auch die
europäische, keine Grenzen hat, bei keinem mehr Zweifel hervor.
Im
Verlaufe der Diskussionen in Lissabon bezüglich des Modells einer
allgemeinen Sicherheit an der Schwelle zum 21. Jahrhundert haben wir
erneut unsere volle Unterstützung für das grundlegende Prinzip über
die Unteilbarkeit der Sicherheit zum Ausdruck gebracht. Es ist
erfreulich, zu bemerken, daß unser Vorschlag zur Einstellung der
illegalen Waffenlieferungen in Konfliktzonen im Schlußdokument des
Lissabonner Treffens zum Ausdruck gebracht wurde. Wir hoffen, daß
dies im Endergebnis ein Bestandteil des Modells der allgemeinen und
allumfassenden Sicherheit für das 21. Jahrhundert wird.
Daneben
wurde in der letzten Zeit in Taschkent auf Initiative Usbekistans eine
Reihe großer Foren des OSZE durchgeführt. Das internationale Seminar
des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte der
OSZE "Nationale Institutionen für Menschenrechte" bot die Möglichkeit
für einen breiten Dialog unter Beteiligung von Experten aus 21 Ländern
Zentralasiens, Europas, Amerikas sowie Vertretern von 29
internationalen und nichtstaatlichen Organisationen, die Fragen der
Entwicklung der Tätigkeit des Instituts von Ombudsmen in Mittel- und
Osteuropa, der nationalen Institutionen für Menschenrechte, der
Vervollkomnung der gesetzgebenden Systeme sowie die Rolle der
Volksbildung und der Massenmedien auf dem Gebiet der Menschenrechte erörterten.
.Auf
Initiative des Büros für demokratische Institutionen und
Menschenrechte wurde auch ein Seminar zum Thema "Die Massenmedien
unter den Bedingungen der Demokratisierung" durchgefuehrt. Es
fand auch ein internationales Seminar der OSZE statt, das vom
Schlichtungs- und Arbitragegericht der OSZE organisiert wurde. All
dies zeugt von der Herstellung enger und fruchtbarer Bez'lehungen mit
dieser so angesehenen, friedensstiftenden und rechtsschützenden
Organisation.
Heute
kann man vom gegenseitigem Verständnis und von der Zusammenarbeit
zwischen unserem Land und einer solchen Organisation wie der NATO
sprechen.
'Wir
sind der Meinung, daß die NATO, die in sich demokratische
Staaten vereint, eine stabilisieren(le Kraft nicht nur auf dem europäischen
Kontinent, sondern durch die Festigung ihres politischen Überbaus und
des Programms "Partnerschaft für den Frieden" auch in der
gesamten Region Eurasiens werden kann. Unsere Teilnahme am Programm
"Partnerschaft für den Frieden" betrachten wir unter dem
Aspekt der Festigung der eigenen Unabhängigkeit und Souveränität,
des Anschlusses an die modernen militärtechnischen Errungenschaften
und der Erweiterung der Möglichkeiten bei der Ausbildung von Militärkadern.
Die
Besuche des Generalsekretärs der NATO, ('h. Solana, in Usbekistan und
des Ständigen Vertreters der USA in der NATO, R. Hunter,
demonstrierten noch einmal die Übereinstimmung unserer Positionen zu
den Problemen der globalen und regioiialen Sicherheit. Im Verlauf der
Verhandlungen fanden wir das volle Verständnis und die Unterstuetzung
unserer Initiativen, die gerichtet sind auf die Erhaltung des Friedens
in der Region, die Beilegung des Konflikts in Afghanistan mit
politischen Mitteln, die Proklamation der zentralasiatischen F',egion
zur kernwaffenfreien Zone. Wir teilen voll und ganz den Standpunkt,
von dem aus das Potential Usbekistans als stabilisierender Faktor in
der F',egion betrachtet wird.
Die
europäische Komponente der Integration ttsl)ekistans in die
Weltgemeinschaft ist außerordentlich wichtig vom Standpunkt unserer
nationalen Interessen. Europa und der ganze Westen insgesamt sind die
Quelle hoher Technologien und Investitionen, das Symbol der modernen
Demokratie und der Menschenrechte. All dies ist lebenswichtig für den
jungen Staat Usbekistan, der sich die strategische Aufgabe der
Erneuerung und des Fortschritts gestellt hat, um als hochentwickelter
und moderner demokratischer Staat mit garantierter Sicherheit und
stabiler Entwicklung in das 21. Jahrhundert einzutreten.
Dabei
gehen wir vom Prinzip der gegenseitigem Bedingtheit der Sicherheit und
der Entwicklung aus. Einerseits setzt dies die Schaffung einer
stabilen und sicheren Atmosphäre für Investitionen in die
'Wirtschaft voraus, und andererseits ist nur ein Land, welches
weitreichende Reformen in allen Sph"ären des Lebens
verwirklicht, in der Lage, eine solche Atmosphäre der Sicherheit zu
garantieren.
Die
stabile Entwicklung unserer Gesellschaft auf dem Weg der
Vertiefung der demokratischen UM2estaltungen wird gefördert
durch die enge Zusammenarbeit mit den anderen internationalen
Organisationen und vor allem denen der asiatischen Region.
Besonders erwähnen möchte ich die Ent wicklung und die Vertiefung
der Beziehungen zwischen den Staaten mit Turksprachen. Die Tatsache,
daß im Rahmen der zu einer Tradition gewordenen Gipfeltreffen dieser
Länder der für die Anfangsetappe charakteristische destruktive Prozeß
der Politisierung überwunden ist, ruft Befriedigung hervor. Heute
konzentrieren sich die Teilnehmer immer mehr auf die Lösung der
dringenden wirtschaftlichen und humanitären Probleme im Interesse des
Aufschwungs ihrer Länder.
Zeugnis
dessen wurde das 4. Treffen der Staatsoberhäupter der
turksprachlichen Staaten, das im Oktober 1996 in Taschkent stattfand
und noch einmal bestätigte, daß die Grundlage für die
Beziehu,ngen der turksprachlichen Staaten in der historisclie',a,
ethnokulturellen und geistigen Nähe ihrer Volker liegt. Dies schafft
starke Garantien für Frieden und Sicherheit in dieser schwierigen
Region.
Im
Verlauf des Treffens wurde der weiteren Entwicklung der bilateralen
und multilateralen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft,
Kulltur, Bildung, Wirtschaft und Verkehrsverbindtingen besondere
Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist beabsichtigt, gemeinsam ein Programm
zur "Wiederherstellung der Seidenstraße: Entwicklung des
Bildungstourismus, Wiederbelebung, Bewahrung und beständige
Entwicklung des kulturellen Erbes der turksprachlichen Staaten"
zu erarbeiten, dessen Ziel es sein wird, das Netz touristischer Routen
und die entsprechende Infrastruktur für den Tourismus zu erweitern.
Wie
bereits erwähnt, ist Usbekistan ein treuer Aillhänger der
Auffassung, seine Außenbeziehungen sowohl auf multilateraler als auch
auf bilateraler Grundlage auszubauen. Die Ausdehnung der bilateralen
Kontakte erlaubt es, die gegenseitigem Interessen konkreter zu berücksichtigen,
einander näher kennenzulernen, feste Grundlagen für eine
langandauernde Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen zu legen und
damit eine feste Basis für Stabilität und Sicherheit zu schaffen. Es
freut mich, daß U-sbekistan an verschiedenen Enden des Planeten
zuverlässige und engagierte Partner hat und daß sich deren Kreis ständig
erweitert.
Konsequent
und stabil entwickeln sich in den wichtigsten Richtungen der
zwischenstaatlichen Kontakte unsere bilateralen Beziehungen mit
den Vereinigten Staaten von Amerika. Unterstützt wurde
dies durch den Besuch einer offiziellen Delegation Usbekistans im
Sommer 1996 in den USA, in dessen Verlauf Treffen mit dem Präsidenten
der USA, B. Clinton, und anderen hochrangigen Persönlichkeiten
stattfanden, aber auch die usbekischamerikanischen politischen
Konsultationen.
-Die
Entwicklung und Vertiefung der vielseitigen Beziehungen zu den USA als
führende Weltmacht, mit ihrem enormen politischen, ökonomischen,
militärtechnischen und intellektuellen Potential hat heute für uns
eine vorrangige Bedeutung,. Die Vereinigten Staaten leisten einen großen
Beitrag zur Erneuerung, Reformierung und Demokratisierung unserer
Gesellschaft, zur Festigung der staatlichen Unabhängigkeit und Souveränität
der Republik. Wir messen der Realisierung der gemeii-.isamen
Investitionspr 'ekte mit amerikanischen Gesellschaften und Firmen, der
Aufnahme langfristiger partnerschaftlicher Kontakte zum gegenseitigen
Nutzen und der Erweiterung der
Anwesenheit
amerikanischen Kapitals auf unseren Märkten eine große Bedeutung
bei.
In
den vergangenen Jahren wurden die direkten bilateralen Kontakte
mit vielen europäischen Ländei-n wie Deutschland, Großbritannien,
Frankreich, Belgien, Portugal, Österreich, Griechenland,
Tschechien, der Slowakei, Rumänien und einer Reihe andere Länder
bedeutend erweitert und gefestigt.
Mit
Genugtuung ist festzustellen, daß unsere Treffen und aufrichtigen
Gespräche mit den Staatsund Regierungschefs dieser Länder noch
einmal die Übereinstimmung unserer Ansichten zu den wichtigsten
politischen Problemen bestätigt haben, wodurch große Perspektiven für
unsere enge, langfriftige Zusammenarbeit, die Erweiterung der Handels-
und Wirtschaftsbezichungen, die aktive Nutzung der Möglichkeiten, die
bei jeder Seite vorhanden sind, eröffnet werden.
Mit
besonderem Vergnügen möchte ich die Festigung unserer Kontakte zu
den Ländern Ost und Südostasiens, Japan, Südkorea, China, Vietnam,
Malaysia, Indien, Indonesien und anderen, konstatieren.
In
letzter Zeit erwies sich Japan als aktiver und interessierter
Teilnehmer bei der Lösung der komplizierten Probleme unserer Region,
der Erzielung eines sicheren und stabilen Friedens, der Fragen des
Umweltschutzes.
Einen
besonderen Platz bei der Lösung der Fragen der regionalen
Stabilisierung und der Entwicklung der Integrationsprozesse auf
regionaler Ebene nehimen die Beziehungen zwischen den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion ein. Es sind jetzt fünf Jahre
vergangen, seitdem im Dezember 1991 die Gemeiiischaft Unabhängiger
Staaten gegründet wurde.
Diese
Jahre haben bestätigt, daß breite Möglichkeiten für eine
Zusammenarbeit der GUS-Länder zum gegenseitigem Nutzen auf der
Grundlage einer gleichberechtigten Partnerschaft im Rahmen bilateraler
und multilateraler vertraglicher Beziehungen vorhanden sind. Einer
solchen Zusammenarbeit liegt nicht nur die territoriale Nähe und die
wirtschaftliche Verquickung der GUS-Länder zugruiide, sondern auch
die tiefen historischen Wurzeln, die kulturellen und geistigen
Verbindungen, das gemeinsame Schicksal der Völker über einen langen
historischen Zeitraum hinweg.
Die
Annäherung der Völker unserer Länder ist ein natürlicher
historischer Prozeß. Er hat überall stattgefunden, sogar unabhängig
von der Existenz der Sowjetunion. Dies ist die natürliche, das heißt
ursprüngliche Integration, im Unterschied zur künstlich eingeführten
politischen Integration. Hier soll angemerkt werden, daß keiner der
postsowjetischen Staaten gegen die Integration auftritt.
Glel'Ichzeitig hat jedoch auch keiner von ihnen die Absicht, auf die
eigene Unabhängigkeit zu verzichteil.
Für
uns besteht die Frage nicht darin, zwischen der Unabhängigkeit und
der Integration zu wählen, sondern diese zwei Richtungen zu
harmonisieren. Wir würden gern in der GUS die Integration wirklich
unabhängiger, souveräner Staaten sehen.
Ein
solches Herangehen hat mit einigen politischen Ideen über eine
sogenannte "vertiefte Integration der GUS-Länder" nichts
gemeinsam. Es ist bereits genügend Zeit nach der Unterzeichnung des
Vertrags der Vier (Rußland, Kasachstan, Kyrgysstan, Weißrußland)
und des Vertrags der Zwei (Rußland und Weißrußland) vergangen. Ich
möchte an dieser Stelle gleich betonen, daß die Unterzeichnung
dieser Verträge und deren Realisierung eine innere Angelegenheit
dieser Staaten selbst ist. Jeder Staat entscheidet, ausgehend vor
allem von den eigenen Interessen, sein Schicksal und seine Perspektive
selbst und hat das Recht, Dokumente und zwischenstaatliche Verträge
aller Art anzunehmen und zu unterzeichnen. Und niemand hat das Recht,
sich in diesen Prozeß einzumischen, da ja diese Angelegenheit
freiwillig erfolgt.
Im
gegebenen Falle steht die Frage, ob für Usbekistan diese Dokumente
und Verträge annehmbar sind, ob Usbekistan sich diesen Verträgen
anschließen kann oder nicht? Um so mehr, als man uns ständig
auffordert, die Dokumente zur Gründung sogenannter Gemeinschaften
oder Vereinigungen integrierter Staaten zu unterzeichnen, manchmal
entscheidet man für uns, ist dies für Usbekistan nützlich oder
nicht.
Gerade
deshalb, aber auch unter Berücksichtigung unseres Verständnisses der
Prozesse der Integration und der Zusammenarbeit, der Unannehmbarkeit
der zwischenstaatlichen Herangehensweisen irgendwelchen Blocks und
Einschränkungen auf dein Weg der freien Zusammenarbeit mit allen
interessierten Staaten guten Willens, sind für Usbeklstari ähnliche
Vereinigungen oder Gemeinschaften eindeutig unannehmbar.
Die
wichtigste strategische Frage, die das unabhängige Usbekistan erregt,
ist die, wie eine Reanimation des alten Imperiums verhindert werden
kann. Leider haben wir gewichtige Gründe für eine ähnliche Befürchtung,
und sie wird in den Festlegungen der angenommenen Dokumente, in jenen
Argumenten und Beweisgründen übersehen, die herangezogen werden.
Worin bestehen sie also?
Erstens.
Es wird behauptet, daß die GUS in der Art und Weise, wie sie
heute besteht, nicht den Ideen ihrer Gründung entspricht, daß diese
amorphe Bildung nichts entscheidet und daß die von ihr angenommenen
Beschlüsse faktisch nicht erfüllt werden.
Ja,
solche Überlegungen haben ihren Sinn.
Aber
anstatt, wie es sich gehört, in der Sache Mechanismen zu suchen, die
die Erfüllung der angenommenen Beschlüsse im Rahmen der GUS
sicherstellen, die bilateralen Beziehungen zwischen den Staaten zu
entwickeln, sie mit konkreten Inhalten zu füllen, erscheint bei uns
des öfteren eine Nostalgie nach den früheren Zeiten. Das Bestreben,
irgendwelche überstaatlichen Strukturen zu schaffeiri:
parlamentarische, gesetzgeberische, exekutive, einen Koordinationsrat
oder Obersten Rat, ein Exekutiv- oder Verwaltungskomitee mit einem
soliden Stab von Beamten, vereinigte militärpolltische Strukturen
usw. Da kommen die tief im Bewußtsein verwurzelten Zustände zum
Ausdruck, als von einem Zentrum aus buchstäblich alles im riesigen
Raum der ehemaligen Sowjetunion entschieden werden konnte.
Aus
irgendwelchem Grunde denken sie, wenn so eine zwischenstaatliche
Vereinigung gegründet wird, so muß sie unbedingt auch die
entsprechenden Macht- und Verwaltungsorgane haben. Nicht zufällig
wird, wenn man die Tagesordnungen der letzten Sitzungen der
Staatsoberhäupter, Regieriingschefs und anderer Strukturen der GUS
verfolgt, eine Tendenz ganz deutlich: eine Ablösung der
heranreifenden Probleme der ökonomischen und humanitären Integration
durch militärpolitische Fragen, Fragen der Bildung einer vereinigten
Kommandowirtschaft, des gemeinsamen Schutzes der Grenzen usw.
Es
müßte jedoch allen klar sein, daß bei der Bildung überstaatlicher
Strukturen in den geschaffenen Gemeinschaften Beschlüsse zum
unmittelbaren Handeln gefaßt werden. Diese müssen von allen Organen
und Organisationen ausgeführt werden durch die Stimme der
entsprechenden legitimierten Organe jedes einzelnen Mitgliedslandes
des Vertrages. Diese Länder kann man so nur schwerlich als souverän
und unabhängig bezeichnen.
Die
Verbindung jedes einzelnen Staates mit seinen bevollmächtigten und
legitimierten legislativen, exelcutiven, militärpolltischen und
gerichtlichen Organen mit den wieder entstehenden überstaatlichen
Strukturen kann man sich, bildlich gesprochen, vorstellen wie
kommunizierende Gefäße. In dem Maße wie die entsprechende überstaatliche
Struktur der Gemeinschaft für sich Vollmachten fordert, in genau dem
gleichen Maße verliert jeder heute einzelne, souveräne Staat an
Vollmachten und Rechten. Da.,; ist die Wahrheit, die nicht negiert
werden kann.
Und
wenn beteuert wird, daß die Gemeinschaft mit ihren überstaatlichen
Strukturen bei voller Erhaltung der Souveränität oder der Unabhängigkeit
jedes einzelnen Mitgliedslandes gegründet wird, so ist dies unseriös.
Nehmen
wir zum Beispiel die Vereinbarungen Rui31ands und Weißrußlands,
deren endgültiges Ziel, wie die Führer dieser Länder erklären, ein
vereinigter Staat ist oder die Schaffung einer Konföderation oder Föderation
in der einen oder anderen Form. Im Wesen der Sache stellt es sich uns
so dar, daß die Bildung ähnlicher Vereinigungen den strategischen
Zielen der herrschenden kommunistischen, und patriotischen Kräfte
entspricht, gestützt auf' die Union Rußlands und Weißrußlands, die
Ukraine zu zwingen, sich ihnen anzuschließen und darin von der
Position der sogenannten Slawischen Uriion den übrigen souveränen
Staaten im postsowjetischen Raum ihren Willen zu diktieren, um ihre
verlorenen Positionen in der Weltpolltik zurückzuerobern. Für
Usbekistan, das den strategischen Kurs zur ökonomischen und
politischen Integration in die Verbindungen der Weltwirtschaft
genommen hat, ist dieser Weg absolut unannehmbar.
Und
noch eins: Niemand kann uns heute verbieten, im Rahmen des bestätigten
Statuts der GILJS die wirtschaftliche und finanzielle Integration zu
vertiefen, die Fragen der Bezahlung, des Abbaus der Barrieren auf dem
Weg der wirtschaftlichen ur.[d humanitären Integration zivilisiert zu
lösen. Und dafür müssen nicht unbedingt Verträge unterschrieben
und verschiedenen Vereinigungen beigetreten werden, die vor allem
geopolitischen Charakter tragen.
Zweitens.
Es wird der Versuch unternommen, alle davon zu überzeugen, daß
das Hauptübel, die Hat[ptursache der entstehenden kritischen
Situation, der ärmlichen Lage der Menschen im Abbruch der ökonomischen
und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Republiken besteht.
Hier
ist das unverhohlene Bestreben zu verzeic14nen, die Leute abzulenken
von den tatsächlichen Ursachen der Krise, die den gesamten
postsowietischen Raum erschüttert.
Heute
ist doch ganz klar, daß die Hauptursache der Krisensituation in der
Wirtschaft der Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion vor
allem im Bruch mit der überholten Ideologie des totalitären Systems
der administrativen Kommandowirtschaft, des Zentralismus und der
Verteilungswirtsclhaft, im Übergang zu neuen marktwirtschaftlich(.-n
Beziehungen, zu einer freien Wirtschaft liegt, mit denen heute die
ganze Welt lebt.
Nur
damit kann die Lage der Dinge erklärt werden, wenn sich zahlreiche
Unternehmen vieler Länder der ehemaligen Sowjetunion jetzt in einer
ärmlichen Lage befinden und praktisch nicht mehr arbeiten. Und viele
von ihnen stehen nicht deshalb still" weil ihre Kontakte mit den
Unternehmen anderer souveräner Staaten abgerissen sind oder nicht
funktionieren. Hunderte von Unternehmen stehen still, die absolut
nicht von Kooperationsbeziehungen jenseits der Grenzen dieses Landes
abhängig sind.
Die
Ursachen sind hier ganz andere. Sie können sich bisher noch nicht an
die neuen Bedingungen gewöhnen, können keinen Absatz für ihre
Produkte finden, sie haben keine Mittel für die Aufrechterhaltung und
Weiterentwicklung der Produktion.
Hier
wird deutlich, daß nicht die abgerissenen Beziehungen schuld sind. Nötig
ist, die Wirtschaft schneller zu reformieren, die Mechanismen der
Abrechnungen zu vervollkommnen und bei sich die erforderliche
zivilisierte Ordnung zu schaffen.
Drittens.
Dieses Argument wird sehr oft von den Verfechtern der
"vertieften Integration" angeführt, daß, angeblich, in der
ganzen Welt die Integraition als ein für viele Regionen der Erde
charakteristischer Prozeß aufgefaßt wird. Und dabei berijft man sich
immer öfter auf die Erfahrungen des Aufbaus der Europäischen
Gemeinschaft.
Ja,
in der modernen Etappe der historischen Entwicklung sind alle Staaten
voneinander abhängig und miteinander verbunden. Heutzutage dürfte es
schwierig sein, auf der Weltkarte einen Staat zu finden, der absolut
isoliert von den anderen, vor allem von den ihn umgebenden Ländern wäre.
Ja,
in der Europäischen Gemeinschaft sind Integration und Zusammenarbeit
grundlegende Prinzipien. Aber die Herangehensweisen der Europäischen
Gemeinschaft an die Prozesse der Integration basieren auf den
Prinzipien der vollen Souveränität des sich integrierenden Staates,
der Freiwilligkeit und der Achtung ihrer Rechte.
Ja,
die Prinzipien, auf denen die Europäische Gemeinschaft aufgebaut ist,
können für die Länder der GUS attraktiv sein. Das bestreitet auch
niemand. Es gibt aber eine Reihe von Bestimmungen, die die Europäische
Union frappierend von der Situation, wie sie auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion herrscht, unterscheidet.
Erstens,
und das ist wohl das Wichtigste, hat die Entstehung der Europäischen
Gemeinschaft eine lange Geschichte, die nicht nur ein Jahrzehnt
dauert, und die Maastrichter Verträge sind das Ergebnis eines langen
Weges, der von den Mitgliedsstaaten zurückgelegt wurde.
Kein
politischer Beschluß kann die natürlichen Etappen der ökonomischen
Integration ersetzen, für die es Jahre und Jahrzehnte bedarf. Eine
Integrailion in kürzeren Zeiträumen kann als nichts anderes
bezeichnet werden als eine militärpolltische Vereinigung oder ein
einseitiges Verschlingen.
Zweitens
haben sich in der Europäischen Union Länder zusammengeschlossen, die
stabile demokratische gesellschaftliche Staatsstrukturen, rechtliche
und gesetzgeberische Normen, Mechanismen und die Infrastruktur zu
deren Realisierung geschaffen haben.
Drittens
sind die demokratischen Institutionen und Werte fest in das
gesellschaftliche Bewußtsein der Mehrheit der Bevölkerung dieser Länder
eingedrungen.
Viertens
verfügt die Mehrheit der Staaten in der Europäischen Union über ein
etwa gleiches, ausreichend hohes wirtschaftliches Potential. Es gibt
keine Staaten, die ausgesprochene Vorrechte bezüglich ihrer
Entwicklung hätten.
Fünftens:
Berücksichtigt man unseren technischen und wirtschaftlichen Rückstand,
die eindeutig veraltete, nicht konkurrenzfähige Technologie und die
Grundfonds, so ist der Versuch, sich in irgendwelchen Vereinigungen in
den Grenzen der ehemaligen UdSSR einzuschließen, nichts anderes, als
sich wegen irgendwelchen ideologischer Stereotypen der Vergangenheit
zum Dahinvegetieren in den Hinterhöfen der Weltwirtschaft zu
verdammen.
Ich
würde gern in Verbindung damit unterstreichen, daß es neben der
Europäischen Union, wo die von allen Mitgliedsländern gewählten und
gebildeten allgemeinen Verwaltungsstrukturen funktionieren,
Erfahrungen der Länder Südostasiens und des asiatisch-pazifischen
Raumes (ASEAN und ATES) gibt, wo keine übernationalen Parlamente,
Ministerräte und andere vereinigenden Strukturen existieren.
Was
jedoch die Integration auf der Ebene der Länder Zentralasiens
betrifft, so unterscheidet sie sich durch ihre spezifischen
Besonderheiten. Diese Integration war ihrem Wesen nach immer eine
nationale und wird es auch bleiben. Im Verlaufe der gesamten
Geschichte haben die Völker dieser Region, Schulter an Schulter, den
Kampf gegen die Herrschaft ausländischer Eroberer geführt. Die
Vertreter dieser Völker waren verbunden durch die Ideen der Unabhängigkeit
und der Schaffung selbständiger Staaten. Diese Völker lebten über
Jahrhunderte auf einem riesigen Territorium, das die Bezeichnung
Turkestan erhalten hatte.
Zunächst
einmal möchten wir festhalten, daß die Integration der Völker
Zentralasiens kein Traum oder Zukunftsprojekt ist, es ist eine
Gegebenheit, es ist Realität, die nur noch der organisatorischen,
juristischen und politischen Formen bedarf'.
Wir
betrachten die zentralasiatische Integration als objektive
Notwendigkeit, die bedingt ist durch die territoriale Gemeinsamkeit,
die Gemeinsamkeit der Verkehrsverbindungen, die grundlegenden und führenden
Wirtschaftszweige, die Notwendigkeit der gemeinsamen Nutzung
wasserwirtschaftlicher und energetischer Objekte, die Versorgung mit
Energieressourcen. Ganz zu schweigen von der kulturellen, sprachlichen
und geistigen Gemeinsamkeit unserer Völker, die tiefe, einander
durchdringende Wurzeln haben.
Diese
Region war immer in der einen oder anderen Form integriert. Die
Notwendigkeit, durch gemeinsame Anstrengungen die Zukunft aufzubauen,
haben die Völker Zentralasiens wieder nach dei- Eroberung der Unabhängigkeit
gespürt. Ein praktischer Schritt auf diesem Wege wurde die
Unterzeichnung des Vertrages über die Schaffung eines einheitlichen
Wirtschaftsraumes zwischen den souveränen Ländern der
zentralasiatischen Region, der in Taschkent von den Präsidenten
Kasachstans, Kyrgysstans und Usbekistans unterzeichnet wurde.
Für
die Integration der zentralasiatischen Republi.ken gibt es tatsächlich
eine Reihe von Startbedingungen und Voraussetzungen. Das ist auch das
gleiche Ausgangsniveau der ökonomischen Entwicklung, die Identität
der sozialökonomischen Probleme, die einheitlichen Transport- und
Energieverbindungen, die Wasserressourcen.
Außerdem
gibt es gemeinsame Bedrohungen der Sicherheit aller Völker, die diese
Region besiedeln. Das ist auch das Austrocknen des Aralsees und das
Vordringen von Narkotika, Waffen, des Terrorismus und religiösen
Fundamentalismus und die drohende Eskalation der Spannungen und der
Instabilität von seiten Afghanistans und eine Reihe anderer Faktoren.
Diese
Bedrohungen sind auch, ungeachtet ihrer scheinbar trennenden Funktion,
vereinigende Faktoren, da keine dieser Bedrohungen autonom, nur im
'Vertrauen auf die eigenen Kräfte, überwunden werden kann.
Gerade
dies muß auch Anleitung zum Handeln für alle Politiker werden, denen
der Aufschwung der zentralasiatischen Region am Herzen liegt.
Es
gibt gute Gründe, mit Optimismus in die Zukunft der
Zentralasiatischen Gemeinschaft zu blicken. Die erforderlichen
rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen wurden geschaffen,
ein Zwischenstaatlicher Rat, ein Exekutivkomitee zur Realisierung der
Programme der Gemeinschaft, die Zentralasiatische Bank für
Zusammenarbeit und Entwicklung gegründet. Es wurde ein Prograinm der
ökonomischen Integration der Teilnehmerstaaten bis zum Jahr 2000
erarbeitet, das 53 konkrete Projekte umfaßt, die die Grundlagen für
die Bildung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes legen.
Wie
es sich gehört, haben wir auch mit der Koordinierung unserer Außen-
und Verteldigungspolltik begonnen, das Statut des Rates der
Verteidigurigsminister der Teilnehmerländer des Vertrages wurde bestätigt.
Die
Bildung der Gemeinschaft der Staaten Zentralasiens bedeutet in
keinster Weise deren Absonderurtg von den anderen Staaten. Wir stellen
sie auch nicht den Prozessen der Integration im Rahmen der GUS gegenüber.
Diese Gemeinschaft ist gerichtet auf die Konsolidierung der
Anstrengungen und Handlungen der Länder der Region in der schwierigen
Periode der Herausbildung der Staatlichkeit und des Übergangs zu
marktwirtschaftlictieri Bedingungen. Die Zentralasiatische
Gemeinschaft ist für uns kein Tribut an die Integrationsmode und kein
Bestreben zu dominieren oder die Sphären unseres Einflusses zu
erweitern. Dies ist unser Weg der Unabhängigkeit und des Fortschritts
im 21. Jahrhundert. Ich bin davon überzeugt, daß die Realisierung
dieser Gemeinsamkeit ohne jeden Zweifel den Interessen unserer Völker
entspricht, die Festigung der Stabilität und des Friedens in unserer
Region fördern wird.
Die
zentralasiatischen Staaten bilden bei all ihrer sozialpolitischen,
ethnischen und kulturellen Vielfalt durch ihre kollektiven
Anstrengungen eine günstige Atmosphäre für den Widerstand gegen die
Bedrohungen der Sicherheit von außen, für eine stabile Entwicklung
der Region als Ganzes, indem sie sie faktisch als Region der
Sicherheit und Stabilität formieren. Damit leisten sie einen würdigen
Beitrag zur Festigung des Friedens und der Stabilität, im globalen Maßstab.
Ich
bin davon überzeugt, daß nicht Konflikte und Feindschaft die
Geschichte vorantreiben, sondern Zusammenarbeit und
Vertrauen zwischen den Völkern.
Sicherheit
und Stabilität in der modernen Welt verstehen sich nicht nur unter
militärpolitischen Gesichtspunkten. Nicht weniger wichtig sind die ökonomischen,
ökologischen und kulturellen Komponenten, aus denen das friedliche
und blühende gemeinsame Haus gebaut wird, sei es eine Region oder
unser gesamter Planet.