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POLITIK
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Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wird in die Menschheitsgeschichte als Epoche großer Veränderungen eingehen. Erstens wurden Kolonialismus und Apartheid Geschichte, auch das System des Sozialismus mit seinen Ansprüchen auf die weltweite kommunistische, ideologische Ausdehnung ging in die Geschichte ein. Zweitens traten neue, unabhängige Staaten in die geschichtliche Arena ein, deren Stimme immer überzeugender unter den Ländern der Weltgemeinschaft zu hören ist. Drittens muß die traditionelle Kräfteverteilung unter Berücksichtigung der wachsenden Rolle der Länder des asiatischen Kontinents korrigiert werden, die ihre Sicht auf die Probleme, Normen und Werte in die Erfahrungen der weltweiten Entwicklung einbringen. Viertens werden die Werte, Prinzipien und Normen der demokratischen Entwicklung immer universeller, ihre Notwendigkeit und Wirksamkeit kann nirgends negiert werden. Dabei beginnen eigene Modelle des Weges zur Demokratie und zum Fortschritt eine ständig wachsende Rolle zu spielen. Diese gewaltigen Veränderungen in der sich verkomplizierenden, vielpoligen Welt bestimmen direkt oder mittelbar die sozialpolitische und wirtschaftliche Entwicklung der Republik Usbekistan. Die Politik einer immer größeren Offenheit, die Ergebenheit gegenüber den demokratischen Prinzipien, den allgemeinmenschlichen Werten und Normen, drückt nicht nur den Prozessen der Demokratisierung des sozialen Lebens der Republik seinen Stempel auf, sondern wirkt sich auch auf die 1 Anerkennung dieser Veränderungen in den Augen der Weltgemeinschaft aus, und bildet somit ein neues, modernes Image der Republik Usbekistan. Die internationale Gemeinschaft erkennt die Bedeutung und die wachsende Rolle Usbekistans immer mehr an, seine ausgewogene und folgerichtige Außen- und Innenpolitik zur Stabilisierung der Lage und zur Verhinderung der Eskalation der Spannungen in der unruhigen mittelasiatischen Region. Die demokratischen Prinzipien, Werte und Institutionen dringen immer mehr in alle Sphären unseres Lebens vor, erhalten einen eigenständigen Inhalt unter den konkreten Bedingungen Usbekistans und der Region. Die Bildung demokratischer Institutionen in der sozialpolitischen Sphäre der Gesellschaft ist auf die Reformierung des politischen Systems und die Dynamisierung der Demokratisierungsprozesse des Lebens, und, was besonders wichtig ist, auf die Unumkehrbarkeit dieser Reformen gerichtet. In erster Linie muß man den Prozeß des Werdens des demokratischen Rechtsstaates in Usbekistan als sozialpolitische Institution erwähnen, die aufgerufen ist, in konzentrierter Form die in der Gesellschaft bestehenden Interessen und Beziehungen auszudrücken. Als Rechtsgarantie für die demokratische Entwicklungsrichtung des Landes dient die Verfassung der Republik Usbekistan. Der enorme Beitrag des Grundgesetzes bei der Herausbildung der demokratischen Gesellschaft besteht darin, daß in ihm die Wahrung der Bedürfnisse, Interessen, Rechte und Freiheiten nicht einer abstrakten Gesellschaft oder des Volkes überhaupt, sondern des konkreten Menschen als Stützmoment auftreten. Die Verfassung, die den Menschen als höchsten Wert herausstellt, klärt damit auf politische Weise die rationellen und rechtlichen Wechselbeziehungen zwischen dem Bürger, der Gesellschaft und dem Staat. Die Priorität der Verfassungsnormen und -gesetze, ihre Richtung auf den Menschen und in diesem Rahmen die Optimierung der sozialen Wechselbeziehungen sind der Hauptfaktor der rechtlichen Absicherung der Stabilität im Lande und der Festigung der Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft. Für uns ist die bürgerliche Gesellschaft der soziale Raum in dem das Gesetz vorherrscht das der Selbstverwirklichung des Menschen, der Verwirklichung der Persönlichkeitsrechte, der maximalen Wahrnehmung ihrer Rechte und Freiheiten nicht nur nicht widerspricht, sondern sie befördert. Gleichzeitig darf eine Beschneidung der Rechte und Freiheiten anderer Menschen nicht zugelassen werden, d. h. Freiheit und Gesetzestreue wirken gleichzeitig, einander ergänzend und sich gegenseitig herausfordernd. Anders gesagt, die Gesetze des Staates dürfen die Rechte des Menschen und Bürgers nicht beschneiden, sondern die Gesetze müssen von allen ohne Vorbehalt eingehalten werden. Es ist bekannt, daß der demokratische Inhalt der Machtstrukturen in vielem dadurch bedingt wird, inwieweit die Frage der Teilnahme der Bürger an der staatlichen Verwaltung geklärt ist. In Usbekistan ist die gesetzgeberische Grundlage für das Funktionieren dieses Rechts gegeben. Es muß jedoch noch erreicht werden, daß die Gesellschaft und die Bürger beginnen, ihr Recht zur Teilnahme an der staatlichen Verwaltung und an den Informationen darüber, wie sie verwaltet wird, anerkennen und das zu nutzen verstehen. Erst unter solchen Bedingungen werden der Staat und seine Institutionen und die Amtspersonen ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den Bürgern fühlen. Dazu muß die politische Aktivität der Bürger erhöht werden. In stabilen Systemen, wenn alle rechtlichen, demokratischen Bedingungen für die Verwirklichung der politischen Interessen der Bürger geschaffen sind, nimmt die Bevölkerung auf freiwilliger, professioneller Grundlage selbst immer mehr am politischen Leben des Landes teil. Man kann überzeugt sagen, daß dieser demokratische Prozeß der Teilnahme der Bürger am politischen Leben in Usbekistan immer mehr an Kraft gewinnt. Unter den Bedingungen der Übergangsperiode, wenn die Schaffung der Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft noch im Gange ist, erlangt der Aufbau solcher demokratischer Institutionen, wie ein verzweigtes System mehrerer Parteien und gesellschaftlicher Organisationen, die den Interessen der verschiedenen Schichten der Bevölkerung Usbekistans Ausdruck geben sollen, immer größere Bedeutung. Dabei besteht die Rolle des Staates in der Beseitigung beliebiger Hindernisse und Barrieren, die das Entstehen, das Werden und die Entwicklung der politischen Parteien und gesellschaftlichen Bewegungen bremsen, ohne die eine Vertreterdemokratie in der Republik nicht denkbar ist. Gleichzeitig muß man verstehen, daß die Qualität der Demokratie nicht durch eine große Zahl von Parteien ausgedrückt wird. Es ist wichtig, einen normalen politischen Raum für die politischen Parteien zu schaffen, die tatsächlich in der Lage sind, die Interessen breiter sozialer Gruppen wahrzunehmen. Die Entstehung von Parteien, ihre Qualität, die Spezifik in den Programmen usw. müssen auf natürliche Weise bestimmt werden, nämlich durch die Konzentration und Akkumulation der sozialen Interessen. Das hauptsächliche und einzige Prinzip der Exi en muß die Anerkennung und Einhaltung der verfassungsmäßigen Normen des Staates sein. Außerordentlich wichtig ist dabei, daß die politischen Parteien und gesellschaftlichen Bewegungen schneller entstehen, als die demokratische Institution, die zum Bindeglied zwischen Volk und Macht werden soll. Das ist bei einem lebhaften Interesse der Bürger an den sozialpolitischen, wirtschaftlichen, geistig-kulturellen Problemen der Gesellschaft, bei ihrer zivilisierten Teilnahme an der Tätigkeit dieser oder jener Partei oder Bewegung möglich. Wenn man von der Notwendigkeit der Erhaltung der Stabilität in der Gesellschaft spricht, darf man die Frage der Opposition als politische Institution nicht vergessen, deren Vorhandensein eine obligatorische und normale Erscheinung für eine demokratische Gesellschaft ist. Gleichzeitig ist wichtig, daß die Opposition organisiert ist, einen entsprechenden juristischen Status besitzt, die verfassungsmäßigen und gesetzlichen Normen anerkennt, für ihre Mitwirkung am stabilen Zustand der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung im Lande verantwortlich ist und alternative Projekte für den Staatsaufbau hat. In dieser Hinsicht kann man offensichtlich ambiziöse Leute, die nur ihre örtlichen und Claninteressen verfolgen und deshalb "in Opposition" zu allem stehen, was im Lande vorgeht, nicht als konstruktive Opposition bezeichnen. Leider gibt es außer dem Anspruch, ein konstruktives und zivilisiertes Gegengewicht zu den Machtstrukturen bei der Lösung dieser oder jener vor dem Staat und der Gesellschaft stehenden Probleme zu sein, auch noch Widerstand nicht nur gegen die offizielle Macht, sondern auch gegen die geltenden Gesetze und die Verfassung des Staates. Ungeachtet dessen bin ich überzeugt davon, daß der Entstehungsprozeß der demokratischen Opposition eine Frage der Zeit ist, und daß das dem Wesen nach ein schmerzhafter Entstehungsprozeß der demokratischen Institutionen in Usbekistan wie auch in anderen Staaten ist, die die Etappe des Übergangs vom totalitären System zur freien Gesellschaft durchlaufen. Die sozialpolltische Stabilität im Lande hängt in gewissem Maße vom Zustand der öffentlichen Meinung ab, bei deren Herausbildung eine andere soziale Institution einen wichtigen Platz einnimmt: die Massenmedien. Heute wird die Notwendigkeit einer grundlegenden Reformation der Tätigkeit der Massenmedien Usbekistans immer offensichtlicher, denn vor dem Hintergrund der gegenwärtigen tiefgreifenden Veränderungen, des Tempos der Demokratisierung des politischen und wirtschaftlichen Lebens des Landes entspricht die Tätigkeit der Massenmedien nicht den modernen Anforderungen. Der Umwandlungsprozeß der Massenmedien in eine reelle "vierte Macht" verläuft überall ziemlich kompliziert. Es wirken noch die Stereotypen des alten Denkens, deren Überwindung von einem unsichtbaren, aber ermüdenden Kampf der Weltanschauungen, Psychologien, Ambitionen begleitet wird, über die das Leben selbst hinweggehen wird. Tatsächlich stellen die neuen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Republik die Massemedien vor neue und bis dahin unbekannte Aufgaben. Worin besteht die heutige Sicht auf die Aktivierung der Rolle der Massenmedien? Erstens sind die erforderlichen Bedingungen zur Stärkung des Potentials der Massenmedien zu schaffen, ist der ihnen zukommende Platz im politischen, wirtschaftlichen und geistigen Leben der Gesellschaft zu gewährleisten, der soziale und rechtliche Schutz der Tätigkeit der Journalisten zu garantieren. Damit die Massenmedien frei und objektiv die Vielfalt der Gesichtspunkte zu den im Lande stattfindenden Prozessen ausdrücken können, ein objektiver Vermittler zwischen Macht und Gesellschaft sein können und, was nicht weniger wichtig ist, dabei ein aktiver und konsequenter Verteidiger der Interessen des Menschen und der Gesellschaft sein können, ist die Ausbildung von professionellen Journalisten und Mitarbeitern der Massenmedien vorzusehen, es muß ihnen bei der Aneignung der modernen Methoden und Mittel der Erhaltung, Analyse, Bearbeitung und Weitergabe der Informationen an die Konsumenten geholfen werden. Zweitens wurde das Problem der Vervollkommnung der gesetzlichen Basis aktuell, um die Tätigkeit der Massenmedien und die Mechanismen für ihre Effektivität und ihr Funktionieren zu regulieren. Daneben erlangt der rechtliche Schutz der Interessen der Massenmedien und ihrer konkreten Vertreter sowie ihr Recht auf Zugang zu den Informationsquellen große Bedeutung. Große Bedeutung für die Pressefreiheit und Informationsfreiheit insgesamt wird auch das Entstehen nichtstaatlicher Verlage und Fernsehkanäle haben, sowie die internationale Unterstützung und Hilfe bei der professionellen Ausbildung talentierter Journalisten. Zu einem Schlüsselmoment bei der Demokratisierung der Gesellschaft und des wirtschaftlichen Lebens wurde insbesondere die Änderung der Beziehungen zum Eigentum (hauptsächlich zum Privateigentum) als der grundlegenden sozialen Institution. Gerade über die neuen Verhältnisse zum Eigentum erfolgt die politische, wirtschaftliche und soziale Erneuerung der Gesellschaft. Indem wir der Demokratisierung und der Entwicklung der sozialen Institutionen der Wirtschaftssphäre vorrangige Bedeutung einräumen, gehen und gingen wir vor allem davon aus, daß nur in wirtschaftlicher Stabilität im Land die Aufrechterhaltung der sozialpolitischen Stabilität gewährleistet werden kann. Gleichzeitig kann ohne die Herausbildung der politischen Institutionen und die weitere Demokratisierung der sozialen Wechselbeziehungen in der Gesellschaft ihrerseits der Prozeß der wirtschaftlichen Reformierung und Erneuerung nicht fortgesetzt werden. Die etappenweise Reformierung der Gesellschaft ermöglicht die Einhaltung der Reihenfolge der verschiedenen Subjekte des politischen Systems. Der Staat, der seine Funktion als Hauptreformator ausübt, befördert in jeder Weise die Stärkung des Potentials der zu bildenden demokratischen Institutionen und Elemente der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Ziel einer durchdachten Differenzierung und etappenweisen, harmonischen Wahrnehmung der gesellschaftlichen Interessen, das optimale Funktionieren der sozialpolitischen, wirtschaftlichen und anderen sozialen Beziehungen. Die Prozesse der Herausbildung demokratischer Institutionen, die Schaffung der tragenden Konstruktionen der bürgerlichen Gesellschaft sind nicht möglich ohne das Studium und die Anwendung allgemeinmenschlicher Prinzipien und Normen und der in der ganzen Welt fest verankerten demokratischen Werte. Die volle Aneignung jener demokratischen Werte, die die Menschheit im Laufe der Jahrtausende geschaffen hat, ist eine wichtige Bedingung für die Vertiefung der Reformen in der Gesellschaft. Wenn man unter Demokratie im allgemeinen die Macht der Mehrheit im Interesse aller und die Achtung des Willens der Minderheit versteht, dann stellt man bei einer detaillierten Analyse fest daß Demokratie auch die Meinungen des Volkes über die eigene Freiheit und Unabhängigkeit, auch der Schutz der Interessen und Rechte jeder konkreten Persönlich keit gegenüber willkührlichen Beschränkungen und Handlungen, auch eine Form der Selbstverwaltung der Bürger usw. ist. Aber die terminologische Begründung der Demokratie ist nicht weniger wichtig als das, daß sie real, wirksam und lebensfähig ist. Und welchen Gedanken wir auch in eine gewünschte Demokratie legen, wenn sie nicht in jedem Augenblick unseres Lebens anwesend ist, nicht zu einem unbedingten Bestandteil unserer Existenz geworden ist, bleiben alle Losungen und Feststellungen nur leere Deklarationen, Definitionen ohne Bedeutung. Mehr noch, es scheint uns, daß wir mit "grünem Licht" für alle Prinzipien der Demokratie, wie freie Wahlen, Vereinigungen, Worte, Versammlungen usw., auf unvorbereitetem rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Boden riskieren, die reale Demokratie zu behindern. Es gibt mindesrens drei gültige Kritierien, die den Grad der Demokratisierung der Gesellschaft bestimmen, wieweit die Regierungsentscheidungen vom Volk kontrolliert werden und wie sehr die einfachen Bürger an der staatlichen Verwaltung beteiligt sind. Und wenn es keine realen Forschritte in diese drei Richtungen gibt, dann sind alle Überlegungen über die Demokratie entweder Populismus oder einfach ein politisches Spiel. Und so gelingen Fortschritte in keiner Weise. Ohne die entsprechende etappenweise Gewährleistung des wirtschaftlichen, politischen und vor allem rechtlichen Raumes werden alle Menschenrechte, die Teilnahme an der Führung der Staatsangelegenheiten, die Freiheit der Überzeugungen, Versammlungen, Vereinigungen usw. in der Luft hängen. Demokratie ist ohne ein genau installiertes System von Gesetzen nicht möglich. Gleichzeitig müssen auch die Annahme der Gesetze selbst, die Tätigkeit der Regierung und aller amtlichen Personen ohne Ausnahme durch dieses Prisma der genannten demokratischen Kriterien betrachtet werden. Das ist sehr wichtig, denn Demokratie ist die Hauptkomponente des Rechtsstaates. Der Rechtsstaat bedeutet nicht nur einfache formale Gesetzlichkeit, sondern ein ganzes funktionierendes System, das auf der Anerkennung und völligen Annahme der Persönlichkeit des Menschen als höchstem Wert beruht. Es versteht sich von selbst, daß dafür, daß die volle Funktionstüchtigkeit des politischen Systems und seine weitere Liberalisierung gesichert wird, das vollwertige Funktionieren aller seiner strukturellen Bestandteile erreicht werden muß, d. h. seiner konkreten Subjekte, wie Persönlichkeit, politische Institutionen, soziale Gruppen und Schichten der Bevölkerung usw. Daher erlangt die Ausarbeitung von Methoden, des Mechanismus und des Tempos der Liberalisierung des politischen Systems besondere Bedeutung, wenn man dabei die Notwendigkeit der Stabilisierung dieses Prozesses berücksichtigt. Jeder Einschnitt, jede Stufe des politischen Systems erfordert ein besonderes Herangehen an die Ausarbeitung der Entwicklungs- und Liberalisierungsstrategie. Eile und das Fehlen der Systematik bei der Liberalisierung des politischen Lebens führen zu gefährlichen und unvorhersehbaren Folgen. Der Übergang von einem sozialen System zum anderen läuft unverändert vor dem Hintergrund einer bisher nicht gekannten politischen Aktivität. Und das ist ganz natürlich. Eine Gesellschaft, die zu diesem Zeitpunkt aus einem komaartigen Zustand erwacht, versprüht auf einmal alle angesammelten sozialen Widersprüche nach außen. Und in dieser Periode wird bestimmend, wie, wodurch und wohin der Strom der politischen Aktivitäten, der politischen Interessen und Emotionen der Bevölkerung gelenkt wird. Einreißen ist leichter als Aufbauen, das ist allgemein bekannt. Dabei ist es leichter, politisches Kapital als "Reformator" und "Demokrat" zu erwerben. Die bekannte Losung "zerstören wir alles bis auf die Grundmauern, und dann..." wurde aus Gewohnheit von vielen Führern der "Demokratie" übernommen. Aber leider gelang den meisten von ihnen nur, den ersten Teil dieses berühmten Rezeptes zu verwirklichen. Ein anderer Weg zur Demokratie wurde in Usbekistan gewählt. Nach der Ermittlung der Hauptziele und Aufgaben des Aufbaus eines unabhängigen Rechtsstaates haben wir mehrmals unterstrichen, daß die Hauptstütze bei der Erringung der Höhen der Zivilisation und des Fortschritts in Usbekistan die freie und harmonisch entwickelte Persönlichkeit ist, die in sich die Höhen des kulturellen und historischen Erbes, der humanistischen Traditionen des Volkes, die Ergebenheit gegenüber den allgemeinmenschlichen Werten und Normen aufnimmt. Bereits in der Zeit der allgemeinen sozialen Euphorie und der revolutionären Zerstörung in Usbekistan bildete sich die feste Überzeugung heraus, daß der Bruch mit allen Strukturen ohne Ausnahme bedrohlich für das Schicksal selbst eines unabhängigen Staatswesens ist. Unser Ziel ist es, haben wir bereits zu Beginn der 90er Jahre unterstrichen, nicht zu verlieren, was durch die Arbeit nicht nur einer Generation geschaffen wurde, das Beste auszuwählen und das zu reorganisieren, was nicht den demokratischen Normen, unseren nationalen Interessen und unserer Unabhängigkeit entspricht, die vorhandenen Strukturen mit neuem Inhalt zu bereichern. Die reiche Kultur des usbekischen Volkes das Bildungssystem, die Wissenschaft können nicht als Erbe des Totalitarismus vernichtet werden. Der von uns gewählte Kurs bestand in der Umstellung., Umorientierung dieser Svsteme auf die neue ideologische Plattform, basierte auf den jahrhundertealten Traditionen, Bräuchen. der Kultur und Sprache des usbekischen Volkes sowie auf den Errungenschaften der Weltzivilisation. Die geistigen Werte, wir unterstreichen das nochmals, müssen in Herz und Verstand der Menschen den Glauben an die Zukunft tragen, der Erziehung zu Heimatliebe, Humanismus, Mut, Toleranz und Gerechtigkeitsgefühl dienen. Auf den ersten Blick können diese Gedanken für Traditionalismus gehalten werden. Aber ist denn Traditionalismus so schlecht? Tatsächlich unterscheidet sich die traditionelle östliche Kultur, die sich bei unserem Volk im Laufe der Jahrtausende herausgebildet hat, und die wir zu erhalten trachten, in vielem von der westlichen Kultur. Das Grundlegende hierbei ist, daß eine solche traditionelle Kultur in der heutigen Zeit offen ist, bereit, andere Werte aufzunehmen. Nicht nur ursprüngliche Kulturen sind lebenstüchtig, sondern in erster Linie solche, die sich selbst bereichern. Man darf die traditionelle Kultur und die patriarchalische Kultur nicht verwechseln. Die traditionelle Kultur, die zwei entgegengesetzte, aber sich gegenseitig ergänzende Tendenzen umfaßt, nämlich eine gewisse Geschlossenheit, einen Widerstand gegen leichtgewichtige äußere Strömungen und gleichzeitig eine bestimmte Offenheit, enthält größere Entwicklungsmöglichkeiten. Die tiefe Kenntnis der Besonderheiten der Entwicklung der usbekischen Kultur, der Kulturen der Völker der Welt, muß die Grundlage für die gesamte Politik der geistigen Wiedergeburt des jungen Staates bilden. So wurde von uns bereits in den ersten Jahren der Herausbildung des nationalen Staatswesens eindeutig die Treue zu dem von Usbekistan gewählten Kurs der Erneuerung und des Fortschritts mittels all einen anerkannten Normen der Demokratie unter unbedingter Berücksichtigung der Besonderheiten des Prozesses der geistigen Wiedergeburt des usbekischen Volkes unterstrichen. Tatsächlich ist Demokratie nicht nur Theorie oder ein politischer Prozeß, sondern auch eine Lebensweise des Volkes mit seiner Mentalität, seinen Traditionen, seinen kulturellen Besonderheiten, der Psychologie usw. Die Ideen der Demokratie kann man deklarieren, in der Politik kann man Demokratie "von oben" betreiben, aber davon geht die Demokratie nicht in unser reales Leben ein. Die Demokratie muß zu einem Gut der Gesellschaft, zu einem Gut für jeden Menschen werden. Und das ist kein einmaliger Akt. Demokratie, die keinen Platz in der Kultur eines Volkes findet, kann auch nicht zu einer Komponente der Lebensweise werden. Dazu ist ein recht langwieriger Prozeß der Vermittlung und Aneignung der demokratischen Prinzipien erforderlich. Dazu haben einige Staaten mehrere Generationen benötigt. Zum Glück hat Usbekistan bereits Traditionen dieser demokratischen Entwicklung. Daher besteht die strategische Bedeutung der Idee des etappenweisen, möglichst gedrängten Übergangs zur Demokratie unserer Meinung nach nicht nur in der Erhaltung der Stabilität der Gesellschaft, sondern auch in einer sorgfältigen Erhaltung und Pflege der neuen Lebenskeime der bürgerlichen Gesellschaft. Dabei besteht ein tiefes Einverständnis darüber, daß die traditionelle Kultur und Charakterzüge unseres Volkes, seine Psychologie und die Bedingungen der sozialen Organisation die wohltuendsten Faktoren für die Herausbildung der Demokratie und das Werden der bürgerlichen Gesellschaft in der Republik Usbekistan sind. Noch ein Gesichtspunkt. Selbst in Ländern mit einer stabilen Demokratie sind gewisse negative Folgen des Individualismus recht deutlich zu merken. Auch in Usbekistan kann die Bedeutung dieser Erscheinung nicht unterbewertet werden. Der Individualismus bahnt sich seinen Weg in die Psychologie eines jeden, wirkt selektiv, konkret, nutzt das ganze Arsenal des Bewußten und Unbewußten im Menschen. Es ist nicht zufällig und rezidiv, daß ein Teil der Jugend keine Lust zum Lernen verspürt, zur Erreichung einer hohen beruflichen Meisterschaft, sondern sich ein leichtes Leben und Wohlstand sucht, dabei auf dem Markt Handel treibt, "sich durchschlängelt" und andere primitive Formen der Teilnahme an den marktwirtschaftlichen Beziehungen ausnutzt. Nicht zufällig treten auch Egoismus, und Nihilismus auf, die an Brutalität grenzen. All das ist unserer Ansicht nach nichts anderes, als die vulgäre Erscheinung des gleichen Individualismus und anderer Fehler in der Erziehung und der Einwirkung der Umwelt. Welche Maßnahmen dagegen, außer den Maßnahmen der rechtlichen Einwirkung, sind jetzt auszuarbeiten? Bekanntlich gibt es in der Sphäre der Ideologie keine Leere, kein Vakuum. Die Ideologie der nationalen Unabhängigkeit, die auf der Grundlage der progressivsten Traditionen der geistigen, weltanschaulichen und politischen Kultur der Völker Usbekistans entwickelt wurde, ist fähig, der zerstörerischen Einwirkung des Individualismus entgegenzustehen. Die ideologische Arbeit, die Propagierung der Ideen der Unabhängigkeit, der hohen geistigen Werte, der Moral und Kultur darf sich nicht auf eine einmalige Kampagne beschränken. Moral und geistige Werte dürfen sich nicht in abstrakte Kategorien verwandeln, dürfen nicht nur die Sache von Literaten und Pädagogen sein. Die Formung eines Bürgers mit hoher Moral ist jedermanns Sache. Wir haben allen Grund, überzeugt zu sein, daß die hohen Ziele des Aufbaus eines demokratischen Staates in unserem Lande, der auf der freien Marktwirtschaft beruht, in engem Zusammenwirken mit der Herausbildung einer offenen bürgerlichen Gesellschaft und der bürgerlichen Selbstverwaltung verläuft - das ist eine real zu erfüllende Aufgabe. Unterpfand dafür sind: die reichhaltige Geschichte und die hohe Kultur, die einen hohen Beitrag für die Schatzkammer der Weltzivillsation leisten, das gewaltige natürliche und intellektuelle Potential, hohe geistige und moralische Werte unseres Volkes, die sich im Laufe des Lebens vieler Generationen angesammelt haben, die Arbeitsliebe, Offenheit und der Wunsch der Menschen, die auf unserer Erde leben, einen würdigen Platz in der Weltgemeinschaft einzunehmen. All diese Züge des Nationalcharakters, die im Laufe der Jahrhunderte zur Blüte vieler Zivilisationen auf dem Territorium dieser Region geführt haben, werden ohne jeden Zweifel zum mächtigen Fundament und zur Triebkraft der gewaltigen Umgestaltungen und der Erneuerung Usbekistans an der Schwelle und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sein. |