POLITIK 


GROSSMACHTCHAUVINISMUS
UND AGGRESSIVER NATIONALISMUS
An der Grenze zum 21. Jahrhundert suchen die neuen unabhängigen Staaten, welche auf große innere und äußere Schwierigkeiten stoßen, neben der Stütze der eigenen Ressourcen und Möglichkeiten, die Lösung dieser Probleme in der interessierten Mitwirkung der Weltgemeinschaft. Natürlich gibt es den Wunsch und die Bestrebung nach einer Zusammenarbeit mit denjenigen Nachbarstaaten, mit denen sie eine über viele Jahrhunderte andauernde Gemeinsamkeit verbindet, welche von humanitären, informativen, ökonomischen und von anderen Aspekten und Bestrebungen geprägt ist. Wir haben hier nicht das Recht, auch nur einen dieser Aspekte eines nicht einfachen Problems, das nach dem Zerfall der UdSSR auftrat, zu vereinfachen.
Ohne bei den objektiven Schwierigkeiten und den komplizierten Fragen der Schaffung und Formierung einer gleichberechtigten und für alle vorteilhaften Zusammenarbeit der neuen unabhängigen Staaten stehen zu bleiben, ist es meiner Meinung nach wichtig, seine Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Problemen zu lenken, die sich künstlich parallel gebildet haben. Ich würde sie zu den Problemen mit einem subjektiven Charakter und mit dem ausdrücklichen Wunsch oder einfach der Unfähigkeit bestimmter politischer Kräfte zählen, den tatsächlichen Weg der Entwicklung der historischen Vorgänge zu verstehen, die sich dauerhaft in die Erkenntnis des Gefühls ihrer besonderen historischen Mission und Vorrang vor anderen niederschlagen.
Wir sind weit davon entfernt, die historischen Parallelen zu verallgemeinern und in die Tat umzusetzen sowie den Schatten auf einzelne Nationen und Völker fallen zu lassen. Unter den heutigen Umständen der Schaffung neuer gesellschaftlicher und zwischenstaatlicher Beziehungen darf man diese Erscheinungen auf keinen Fall nicht als bremsendes Element für den vorliegenden Prozeß einschätzen.
Zu den Problemen, die nicht nur seitens der jungen Staaten entstehen und Aufmerksamkeit und vor allem eine internationale Beteiligung erfordern, muß man jene hinzurechnen, welche aus einem Rückfall in imperialistische Erscheinungen entstehen.
Die Republik Usbekistan ist keine Ausnahme für den Einfluß dieser Erscheinungen. Die vergangenen Jahre der unabhängigen Entwicklung sind der Grund dafür, die sich erhaltende potentielle Gefahr für die Souveränität und die Stabilität unseres Staates zu bekräftigen, welche sich in den Schlagwörtern, Äußerungen, Kommentaren und konkreten Taten aus den Erscheinungen des Großmachtchauvinismus und aggressiven Nationalismus heraus zeigten.
Dies ist bei weitem keine neue Erscheinung der Weltgeschichte, die reich an Beispielen für die Bestrebung einiger großer Staaten und Völker ist, die eigenen Beziehungen zu Nachbarstaaten von der Position der Übermacht und der Vorherrschaft aus aufzubauen. Eine solche Einstellung führte oft zu Zusammenstößen großen Ausmaßes, blutigen Kriegen und Konflikten und führte das Mißtrauen und die Verdächtigungen in den gegenseitigem Beziehungen zwischen ganzen Völkern fort, welche leider von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Es scheint, daß die Menschheit an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ausreichend Weisheit erworben hat, um auf der Grundlage der historischen Erfahrung sich von den in Jahrhunderten gebildeten Stereotypen loszusagen und nicht nur die offensichtliche Tatsache der Mannigfaltigkeit und Vielschichtigkeit der modernen Weltgemeinschaft, sondern auch die vollständige Gleichberechtigung zwischen allen als natürlich und die unumgängliche Bedingung für eine erfolgreiche Entwicklung der Zivilisation im Ganzen anzuerkennen.
Noch ist jedoch die Kraft der chauvinistischen und aggressiven nationalistischen Trägheit zu stark, um nicht zu erkennen, welche Gefahr sie nicht nur für diejenigen ist, gegen die sie gerichtet ist, sondern auch für die bedeutet, die sie ausüben.
Gerade diese historische Erfahrung lehrt, das keine noch so hohen ursprünglichen Motive die Handlungen der Politiker oder Personen rechtfertigen können, die in die große Politik streben und beabsichtigen, das Wohlergehen ihres Volkes sicherzustellen, welches durch das Recht anderer eingeengt wird. Und dies um so mehr so lange diese Rückfälle anhalten und fühlbar sind; so muß man sich an sie erinnern und die Wachsamkeit er-
halten.
Wie können wir den Großmachtchauvinismus und den aggressiven Nationalismus verstehen, und worin liegen seine heutigen Erscheinungen verborgen?
Ausgehend vom historischen Gebrauch kann diese Erscheinung als politische, ideologische und ökonomische Hegemonie von der Seite der konkreten Kräfte und Staaten aus oder als Bestreben zu ihr von internationalen, zwischenstaatlichen und regionalen Beziehungen aus charakterisiert werden.
Der Chauvinismus zeigt sich im Kampf einiger großer Nationen, ihre unbestrittene Herrschaft nicht nur im Rahmen eines Machtblocks vieler Nationalitäten, sondern auch auf dem sie umgebenden geopolitischen Gebiet auszudehnen.
Zu Objekten des Anspruchs werden Staaten mit geringer Ausdehnung und hauptsächlich solche mit einem geschwächten wirtschaftlichen Potential und inneren Unruhen.
Die eigentliche Wurzel des Großmachtchauvinismus erwächst aus der mangelnden Bereitschaft zum Zusammenwirken mit anderen Nationen und Ländern auf eine zivilisierte Weise. Seine Träger waren militärische Imperien, die die Wirtschaft und menschlichen Ressourcen der besetzten Gebiete ausbeuteten. Gleichzeitig wurde den Unterworfenen die zerstörerische Idee ihrer kulturellen und vollständigen nationalen Minderwertigkeit eingeflößt.
Unsere Umgebung konnte diesem Los auch nicht entgehen und erfuhr eine lange Zeit alles Verderben chauvinistischer und aggressiver nationalistischer Ideen. Usbekistan durchlebte eine schwere Periode der gewaltsamen Unterdrückung innerhalb des russischen und danach innerhalb des sowjetischen Imperiums, eine Periode, die heute unterschiedliche und bisweilen sich gegenseitig ausschließende Interpretationen erfährt.
Offensichtlich ist die Feststellung, daß viele Kommentare zu den Geschehnissen in Zentralasien unter dem Einfluß bestimmter politischer und ideologischer Zielsetzungen gegeben werden, begründet.
Unter den hierzu vorhandenen Meinungen können zwei herausgenommen werden, die das gesamte Spektrum der "Rezepte" für Zentralasien reflektieren, aber den Charakter ihrer Autoren gut wiedergeben. Die erste nimmt an, und dies wahrscheinlich auch aufrichtig, daß die Entwicklung der Region in der Qualität der turkmenischen Autonomie innerhalb des russischen Imperiums von seinen Metropolen aus unabdingbare Impulse erhielt, da das zaristische Rußland die bürgerliche Evolution des Gebietes anregte und dabei die örtlichen Traditionen und Grundsätze nicht brach oder verletzte.
Das bolschewistische Experiment in der Region, einschließlich der staatlich-nationalen Abgrenzung, der Unterdrückung oder der Einschränkung der traditionellen Formen des gesellschaftlichen Lebens, der Hypertrophie unterliegenden Spezialisierung der Wirtschaft, setzt die Autoren dieser Gruppe einer scharfen Kritik aus. Hierin sehen sie einen der Hauptgründe für die heutigen Widersprüche im zentralasiatischen Raum. Entsprechend dieser Logik ist das neue postkommunistische Rußland das beste Beispiel für die Realisierung einer stabilisierenden Rolle in der Region.
Entsprechend anderer Einschätzungen erwuchsen die komplizierten Probleme einer langen kolonialen Vergangenheit dieser Gegend und dem Einbringen völlig fremder Elemente in die Mentalität seiner muslimischen Bevölkerung. Als Ausweg aus der entstandenen Situation bietet es sich an, sich den eigenen historischen und nationalen Ursprüngen zuzuwenden, wobei dies nur unter der Bedingung der hauptsächlichen Orientierung der Staaten in der Region auf die benachbarten muslimischen Länder möglich werden wird, mit der Perspektive auf eine weitere enge Integration.
Diesen Standpunkten liegen jedoch weitaus mehr Politik und Emotionen, als eine völlig objektive und wissenschaftliche Einstellung zu Grunde. Ungeachtet aller Anzeichen für eine formale Logik in den angegebenen Beurteilungen, nehmen alle Autoren eine extreme Position ein, die einen Rückfall auf den Großmachtchauvinismus und aggressiven Nationalismus hervorrufen.
Man kann auf keinen Fall verneinen, daß die großen Mächte, die fremde Länder und Völker erobern und unterwerfen, auf einer bestimmten Ebene dort Aufklärungsmissionen durchführen, wo ein Zurückbleiben hinter der globalen Entwicklung auftritt. Die Anhänger einer solchen Einschätzung unterstreichen gewöhnlich den Beitrag, den die Mächte für die Entwicklung der Infrastruktur einzelner Produktionszweige, die Vorbereitung nationaler Kader und das Hinführen der Bevölkerung der unterworfenen Länder zu neuen Tätigkeitsfeldern und zur Weltkultur leisten.
Dem kann man schwerlich nicht zustimmen. Im Prozeß der gegenseitigem Beziehungen zwischen den Großmächten und kleinen Völkern gab es auch noch eine andere Seite der Medaille. Ihre sehr oft negative Bedeutung überstieg vielfach die Ergebnisse der Kultivierung der Zivilisation von außen.
Erstens: Die Anstrengungen, die der Entwicklung der Kolonien und Halbkolonien zukamen, wurden den langfristigen Interessen der größten Mächte untergeordnet. Von dieser Sichtweise aus betrachtet, nahmen die Interessen der unterworfenen Völker immer eine zweitrangige Stellung ein. Die Entwicklung der abhängigen Staaten wurde immer knapp dosiert und lief in eine bestimmte Richtung ab, die über den Rahmen der Interessen der Macht nicht hinausging. Insbesondere waren die Veränderungen in der Infrastruktur Zentralasiens, dem Straßenbau und der Entwicklung der Kommunikation, der Vorbereitung der nationalen Kader auf diese Ziele, welche auf das Imperium orientiert waren, nur so weit durchgeführt, wie es für die Wahrung der Interessen des Imperiums notwendig war, wie in diesem Fall der Garantie des Zugangs zu billigen Rohstoff- und Energiequellen.
Zweitens: Die sogenannte zivilisatorische Mission der Großmächte erzeugte und verstärkte nicht nur eine verderbliche Psychologie der eigenen Ausnahmslosigkeit und Vernachlässigung der Umgebung, sondern rief auch eine entsprechende Reaktion hervor, um so mehr, als sich diese Zivilisation einiger Kräfte bemächtigte, was zur Folge hatte, daß der nationale Wert, die Ehre, sowie die nationalen kulturellen und geistigen Werte geschmälert wurden und ihre Träger physisch zerstört wurden.
Abschließend kann festgestellt werden, daß die sich eingebürgerte Angewohnheit zu leiten und zu belehren und der Glauben an die eigene Unfehlbarkeit dazu führen können, daß strategisch falsche Entscheidungen getroffen werden, deren Folgen ein Sprengsatz für das gesamte Imperium sein kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Schicksal sowohl des zaristischen als auch des sowjetischen Reiches.
Während man über dieses negative Potential urteilt, welches in der Psychologie und der Politik der chauvinistisch eingestellten Personen steckt, muß man unbedingt die Aufmerksamkeit auf eine ganze Reihe anderer Gefahren lenken, welche sie auf globaler Ebene haben.
Der Chauvinismus, diese vielfach bekräftigte historische Praktik, regt - die Einrichtung und die Stärkung autoritärer Regime an, führt zu einer grauenvollen Diktatur, weil es unter anderen Umständen nicht möglich wäre, unterdrückte und abhängige Völker gehorsam zu halten, sondern auch den Teil der eigenen Bevölkerung, der auf - jeden Fall gegen eine solche politische Linie eintritt.
Das historische Verderben des Chauvinismus ist durch das hypertrophische Großmachtdenken bedingt, um so mehr, als es auf der Überzeugung der eigenen nationalen Überlegenheit gründet und auf Gewalt aufgebaut ist. Und dies führt seinerseits zu vielzähligen Opfern und Kosten in den betroffenen Staaten, die Träger des chauvinistischen Großmachtdenkens und aggressiven Nationalismus sind.
In Verbindung hiermit kann festgestellt werden, daß der Chauvinismus schlußendlich ein Schlag gegen diese Macht darstellt, ihre eigenen Stützen schwächt, die inneren Widersprüche verstärkt und die Gesellschaft mit allen ihren schweren Folgen spalten kann. Ungeachtet der verschiedenen historischen Perioden und Bedingungen kann man Beispiele hierfür in den Schicksalen der römischen, osmanischen, deutschen und auch russischen und sowjetischen Imperien finden.
Unter modernen Bedingungen sind kleine Länder und Völker, die dem Druck chauvinistischer Gefahr ausgesetzt sind, dazu gezwungen, mit dem Ziel der Sicherung der eigenen Sicherheit und Souveränität, ein Gegengewicht zu den Bestrebungen der Großmächte zu suchen. Dies alles wirkt sich auf das gesamte System der internationalen Beziehungen nicht gut aus und kann zu einer Verstärkung der Widersprüche zwischen den Machtzentren der Welt und Kräften auf globaler Ebene führen.
Auf Grund des Gesagten ist für Bürger der Republik Usbekistan die Frage darüber aktuell, wie stark die Elemente des Großmachtchauvinismus und des aggressiven Nationalismus in Hinsicht auf unser Land sind und welche realen Gefährdungen unserer Sicherheit die Erscheinung heute mit sich bringt, gleich welche Formen sie auch annehmen werden.
1991 wurde zum historischen Startschuß einer neuen Zeit, in der die früheren Opfer des totalitären Systems die Freiheit ihres Potentials und ihre Möglichkeiten für die nationalstaatliche Wiedergeburt erhielten. Gesetzmäßig und symbolisch fing hiermit die Demontage des altersschwach gewordenen und zerfallenden russischen Imperiums an. Dies ist der Grund dafür, daß ein demokratisches, ökonomisch und politisch gesundes und erblühendes Rußland für die Stärkung der Unabhängigkeit aller neuen souveränen Staaten, einschließlich Usbekistans, so unumgänglich ist.
Es zeigte sich, daß mit der Abkehr von der Macht der Partei der imperialistischen Großmacht in der Vergangenheit auch ein Großmachtchauvinismus bestehen bleibt. Das Leben machte jedoch bedeutende Verbesserungen zu diesen Erwartungen. Worin zeigt sich heute das Großmachtdenken, das mit dem Chauvinismus und dem aggressiven Nationalismus verbunden ist?
Vor allen Dingen darin, daß aus den Aussagen und Taten einer bestimmten Gruppe von Politikern und Experten eine offene Enttäuschung dahingehend folgt, daß in der heutigen Welt ein Verständnis darüber wächst, daß die ehemalige Sowjetunion nicht nur aus Moskau und Rußland bestand. Hieraus entsteht die reizbare und mitunter schmerzliche Wahrnehmung darüber, daß sich in den ehemaligen Unionsrepubliken nicht einfach die klaren nationalstaatlichen Interessen äußern, sondern sich eine total eigenständige Politik entwickelt, welche auf die Verwirklichung dieser Interessen abzielt.
In der letzten Zeit erschienen in der offenen russischen Presse und anderen Publikationsmedien zu diesem Thema nicht nur einmal umfassende analytische Materialien, in denen nicht die Feder eines Journalisten durchschimmerte, sondern die erfahrene Hand von Sonderdiensten und einzelnen Politikern. Diese Publikationen könnten nicht besser die Folgerung darüber demonstrieren und begründen, daß die Gefahr des Chauvinismus und seiner Erscheinung in Hinsicht auf das sogenannte benachbarte Ausland, den neuen unabhängigen Staaten auf dem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion, ein noch nicht durchdachtes Problem und eine Gefahr darstellt, die gleich gefährlich für Rußland selber und für seine Nachbarn ist.
In vereinzelten Publikationen überschreiten die Offenheit und Ambitionen der Chauvinisten und Nationalisten alle Grenzen. Hier reicht es aus, einen Leitartikel anzuführen. So machte der Leitartikel in der "Neuen unabhängigen Zeitung" vom 26. März 1997 unter der lautmalerischen Überschrift "GUS: Anfang oder Ende der Historie?" auf.
In diesem Artikel, der am Vorabend des Treffens der Staatsoberhäupter der Staaten der Gemeinschaft, am 28. März 1997, veröffentlicht wurde, werden nach der Meinung der Redaktion die "prinzipiell neuen Wege zur Vereinigung auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion" dargelegt. Leider ist schon beim ersten Blick auf die Publikation oder Meldung, wie sie von den nicht genannten Autoren genannt wird, offensichtlich, daß es hier nicht um die neuen Wege zur Integration geht, was völlig verständlich und natürlich wäre. Im Gegenteil ist in ihr der vom Standpunkt des internationalen Rechts und der üblichen ethischen Normen der Achtung der Unabhängigkeit und Souveränität der Staaten, die Mitglieder der UN sind, absolut unzulässige Aufruf zur Destabilisierung der Lage in diesen Staaten und zur Revision des Status quo und der Realitäten zu vernehmen, welche sich auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR entwickelten. Und dies alles, der Meinung der Autoren zu Folge, im Namen der Gewährleistung der Sicherheit Rußlands und des Erhalts seiner staatlichen und dominierenden Lage innerhalb der Grenzen der ehemaligen UdSSR.
So nehmen sie an, daß "der größte Fehler derjenige war, daß Rußland sich faktisch mit der Logik der Integration einverstanden erklärte, bei der die ehemaligen sowjetischen Republiken aus dem verstaatlichen Stadium (Ähnlichkeit mit einem Staat) zu realen Staaten werden, mit allen hierfür unumgänglichen Attributen, und danach die Integration in den wirtschaftlichen Bereich verwirklichen, wonach direkt der Prozeß der militärischen und politischen Integration und der Anerkennung der tatsächlichen Erneuerung der Union der souveränen und freien Staaten läuft".
Als Rezept zur Berichtigung dieses Fehlers wird ... eine entschiedene Einflußnahme Rußlands auf den Vorgang der Bildung der Staaten in den früheren Republiken der UdSSR angesehen, mit dem Ziel, daß die Konsolidierung der Staatsmacht auf die Kräfte nicht zugelassen wird, welche eine antirussische und eine gegen eine Integration strebende Orientierung haben, wobei alle ökonomischen, militärischen, ethnodemographischen und anderen Möglichkeiten zur Einflußnahme ausgenutzt werden. Nur aktive Maßnahmen (bis hin zur Destabilisierung der innenpolitischen Situation in den Regionen ... ) können verhüten, daß sich diese Staaten langsam, aber unumkehrbar für die heutige Politik der russischen Machthaber von Rußland trennen."
Ihrer Meinung nach gibt hierbei "die Änderung der Prioritäten Rußland einen Anlaß, das gesamte Vertragswerk über die territoriale Ausdehnung der Republiken nach dem Zerfall der UdSSR zu überprüfen, wobei das auf die UdSSR bezogene Prinzip der territorialen Ganzheit ignoriert wird und die Frage über die neue Aufteilung dieses Gebiets auf die Grundlage des Rechts auf Selbstbestimmung gestellt wird".
Besonders die Autoren des Artikels erschrickt die Verstärkung der Integration der zentralasiatisehen Länder, welche hierin eine gewisse "Gefahr aus dem Süden" sehen. Sie sind davon überzeugt, daß die Integration der zentralasiatischen Länder "die Interessen der russischen Wirtschaft in der Region unterwandert und der Kurs der Angliederung der Wirtschaften der postsowjetischen Staaten an die Länder des Westens und Südens keinen Platz mehr für Rußland läßt". Von dieser Position aus geben sie folgenden Rat: "Rußland muß sich auf die Zerrüttung, den Zerfall und die Verstärkung der Wetteiferei innerhalb der Region des sich bildenden Blocks (ZAS) [Anm. d. Übers.: wahrscheinlich "Zentralasiatische Gemeinschaft"] konzentrieren."
Für diese Ziele wird vorgeschlagen, daß alle möglichen Mittel und Verfahren der Einflußnahme über die Elemente der "... Politik der Peitsche" (Regulierung oder Gefahr der Regulierung des Rohstofferexports dieser Staaten und sogar eine strenge
Umstrukturierung ihrer Schulden an Rußland) und der Politik des "Zuckerbrots" (militärische, ökonomische und finanzielle Hilfe in Form von Krediten, Lieferungen, Aufträgen, Vergünstigungen und Ähnlichem) bis hin zur Gefahr des "Truppenabz-Ligs (aus Tadshikistan) und territorialer Ansprüche ..." einbezogen werden. In die Berechnung wird auch die Abhängigkeit Zentralasiens von der russischen Transportinfrastruktur einbezogen, was "... die neuen Staaten der Region für das Gespenst der Wirtschaftsblockade, in erster Linie der Lebensmittel- und Energieblockade, äußerst anfällig macht."
Die Autoren stellen sich kategorisch als Verteidiger der Interessen der russisch sprechenden Bevölkerung dar, welche in der Region lebt: "Wir sind dazu verpflichtet, nicht nur unsere Landsleute zu unterstützen, die sich nicht auf eigenen Wunsch im Ausland befinden, sondern auch weitergehend das gesamte Phänomen der russischsprachigen Welt in Zentralasien. Für die Hilfe der russischen und russischsprachigen Bewegungen (besonders der Kasatschestwo, als radikaler und vollständig mobilisierter Teil der Russen im Ausland) und auch für die Orientierung der oppositionellen Kräfte in Zentralasien auf Rußland müssen das lobbyistische Potential der staatlichen und privaten Strukturen der Russischen Föderation wirken."
Sie nehmen an, indem alle Druckmittel ausgenutzt werden, daß "Rußland von den zentralasiatischen Ländern große Zugeständnisse erhält und eine vollständige Auswechslung der "politischen Personen" der Region möglich ist, so daß sie unseren (den russischen) Interessen mehr entsprechen." Sie sind um so mehr überzeugt davon, daß "ein ständiger Druck mit dem Ziel einer stufenweisen Umorlentierung der politischen Ordnungen in Zentralasien auf Rußland, dem hauptsächlichen und einzigen Machtzentrum auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion."
Einer der Hauptgründe für die Erscheinungen ähnlicher Ambitionen ist die imperische Vergangenheit und das Großmachtdenken, welches einige Politiker nur schwer überwinden können. Ihnen fällt es offensichtlich äußerst schwer, sich der sich vollziehenden historischen Tatsache der Entstehung souveräner Staaten unterzuordnen, die selbst ihre Zukunft bestimmen.
Es ist Zeit zu verstehen, daß jedes heute unabhängige Land seine Geschichte, seine Besonderheiten, seinen Entwicklungsweg hat und in Zukunft jeder seinen ihm gebührenden Platz in der Weltgemeinschaft einnehmen wird.
Ich bin überzeugt, daß die Zeit und die Geschichte für uns und die Stärkung unserer Unabhängigkeit und Souveränität arbeiten werden. Unser Leben und die Bewegung in der Geschichte halten nicht inne und erlauben es nicht, sich auszuruhen. Statt dessen sind wir dazu verurteilt, in einer engen und guten Nachbarschaft zu leben und unsere gemeinsamen Probleme zu teilen und zu lösen, so wie dies in der zivilisierten und demokratischen Welt üblich ist.
Was liegt den Großmachtansprüchen zugrunde, deren Inhalt, ungeachtet der stark modernisierten Formen, keiner prinzipiellen Veränderung unterzogen war?
Vor allem ist dies die Aufgreifung der Idee einer russischen Großmacht, der Wiedergeburt einer alleinigen russischen nationalen Daseinsberechtigung und der Bildung einer starken geopolitischen Polarisierung unter den Mächten, die auf die Rolle einer der Pole in der Welt einen Anspruch erheben.
Letztlich gibt es rücksichtslose Spekulationen über die Schwierigkeiten des Übergangs auf marktwirtschaftliche Beziehungen, welche auf dem gesamten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu beobachten sind.
Die Verursacher dieser Spekulationen nutzen eine sehr einfache, jedoch auch bei weitem nicht harmlose und eigennützige Logik, derzufolge der Grund für die jetzigen Schwierigkeiten mit dem Zerfall der Union verbunden ist und zu einem Aufstand der "alleinigen und befreundeten Völkerfamilie" wird und es ihnen so erlaubt, sie schnell und effektiv zu überwinden.
Es gibt jedoch noch ein anderes Echo des Großmachtchauvinismus. Seine Träger nehmen für sich das Recht in Anspruch, zu entscheiden, welchem der Staaten des "benachbarten Auslands" die Ehre einer Einladung zur Zusammenarbeit zuteil wird. Nicht selten kann man hören, wie aus den in Rußland angesehenen intellektuellen Kreisen hochmütige Urteile über den angeblichen Parasitismus der früheren Sowjetrepubliken zu vernehmen sind, welche auch jetzt auf Kosten Moskaus leben wollen.
Wenn wir über die Bedrohung durch den Großmachtchauvinismus und den aggressiven Nationalismus reden, verstehen wir hierunter die folgenden Gefahren:
Erstens: Internationale, zwischenstaatliche Konflikte und solche zwischen ethnischen Gruppen.
Zweitens: Bestrebungen gegen die Realisierung unserer internationalen rechtlichen und inneren Souveränität.
Drittens: Versuche, die Außenhandelsbeziehungen Usbekistans einzugrenzen und sie von nicht gleichberechtigten Bedingungen abhängig zu machen.
Viertens: Druck seitens der Medien und ideologischer Druck auf die Bevölkerung unseres Landes und die Bestrebung, ein falsches Bild Usbekistans in der Meinung der Weltgemeinschaft festzusetzen.
Fünftens: Provozieren des Mißtrauens auf internationaler Ebene und eine Zuspitzung der internationalen Beziehungen, wenn man davon ausgeht, daß der Großmachtchauvinismus und extremistische Nationalismus ständige Wegbegleiter sind.
Sechstens: Aufbürden neokolonialistischer und neoimperialistischer Methoden zur Bremsung ge genseitig vorteilhafter und gleichberechtigter Zusammenarbeit auf allen Ebenen.
Lassen Sie uns offen feststellen, daß die russische Staatsführung insgesamt zu dem Verständnis kam, daß eine rechtliche Gleichberechtigung innerhalb der GUS eine Unumgänglichkeit ist. Wir teilen die Meinung B. N. Jelzins, daß die "Wiederherstellung der ehemaligen Union sich in eine Tragödie wandeln könnte". 1)as Festhalten an eine solche Position ist das grundlegende Prinzip unserer zwischenstaatlichen Beziehungen. So kann auch die Annäherung der russischen Führung an den Aufbau gegenseitig vorteilhafter und gleichberechtigten Beziehungen zwischen den Staaten der GUS zur zukünftigen Grundlage und zum Fundament der gegenseitigem Beziehungen zwischen Rußland und Usbekistan werden.
Wir kritisieren den Großmachtchauvinismus und den aggressiven Nationalismus. Wir in Usbekistan treten für die Entwicklung qualitativ neuer, gleichberechtigter und langfristig partnerschaftlicher Beziehungen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion ein, und dies besonders mit Rußland. In der Tat verbinden uns mit diesem Land und seinem großen Volk über Jahrhunderte bestehende Bande der Freundschaft, Brüderlichkeit und gegenseitigem Hilfe.
Insgesamt gesehen eröffnen die Absage an imperialistische Einstellungen in Rußland und die Darstellung der Bereitschaft zu dieser Zusammenarbeit mit Usbekistan für unseren großen Nachbarn überaus anziehende Möglichkeiten.
Zuerst würde ich die Aufmerksamkeit auf die augenscheinliche Wahrheit lenken, daß es bedeutend billiger und sicherer ist, einen selbständigen und starken Partner zu haben, als "einen jüngeren Bruder zu ernähren" oder "sich im Umfeld eines kleineren Verbündeten aufzuhalten". Mit anderen Worten gesagt, es ist besser, mit einem kräftigen zuverlässigen Partner umzugehen als mit einem schwachen Verbündeten.
An zweiter Stelle ruft eine gleichberechtigte und beachtenswerte Beziehung, die auf einer gegenseitigen Beachtung und ausgeglichenen Interessen beruht, eine entsprechende Reaktion nicht nur in der politischen Führung unseres Landes hervor, sondern auch im gesamten Volk. Wohlmeinende und positive Beziehungen zum Volk sind das größte Kapital, das russische Politiker sich in unserer Region erarbeiten können. Umgekehrt sollte der Konflikt in Tschetschenien als deutliches Beispiel dafür dienen, wohin die Situation führen kann, wenn die Stimmung im Volk sich mit nur einem Wort ausdrücken läßt: "Haß".
Abschließend ist es wichtig, zu verstehen, daß die Bildung der unabhängigen und hinreichend stabilen Staaten in der Region, welche in der Lage sind, die Rolle eines Puffers zu erfüllen, in vollem Umfang den geopolltischen Interessen Rußlands entspricht, dies jedoch zu wesentlich geringeren Kosten für Rußland. Eine stabile Region mit einer gefestigten Ökonomie ist für Rußland oder ein anderes beliebiges Land keine Herausforderung. Hieraus ergeben sich im Gegenteil umfangreiche wirtschaftliche und andere Perspektiven, die, und dies ist das Wichtigste, eine Garantie dafür sind, daß die Region niemals ein Ort für einen Konflikt zwischen den Zivilisationen wird, sondern als Beispiel für ihre gegenseitige Durchdringung und Bereicherung dient. Die Republik Usbekistan ist im vollen Umfang zur Erfüllung dieser edlen und historischen Aufgabe bereit.
Es entsteht eine bestimmte Hoffnung darüber, daß es in Rußland immer mehr Leute und gesund denkende Politiker geben wird, die eine solche Perspektive über gegenseitige Beziehungen zwischen unseren Ländern teilen und darüber Rechenschaft ablegen, daß nur auf der Grundlage der Anerkennung der gegenseitigem Interessen, der gleichberechtigten und für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit die eigene Zukunft gebaut werden kann.

 

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