POLITIK 


ETHNISCHE UND
ZWISCHENNATIONALE WIDERSPRÜCHE

Es ist allgemein bekannt, daß sich moderne Staaten grundsätzlich in zwei Kategorien unterteilen lassen: in Staaten mit mehreren ethnischen Gruppen und solche mit nur einer ethnischen Gruppe. Es wurde festgestellt, daß auf unserem Planeten ungefähr 1 600 ethnische Gruppen existieren, die ihre eigenen unverwechselbaren kulturellen und geistigen Werte besitzen.

In dieser Vielfalt und der Möglichkeit des gegenseitigen Wertaustausches und der gegenseitigem Bereicherung liegt der tatsächliche Reichtum der Welt verborgen. Hierin besteht jedoch auch eines der am schwersten zu lösenden Probleme der Gegenwart. Die überwiegende Mehrheit der auf der Welt lebenden ethnischen Gruppen hat kein eigenes Staatsgebilde, obwohl sich auf der Weltkarte ca. 200 Staaten finden lassen.

Das Anwachsen des Selbstbewußtseins der ethnischen Gruppen wird noch lange die Dynamik der politischen Entwicklung der heutigen Welt bestimmen, was der internationalen Gemeinschaft als

Warnung dienen soll.

Daher stellen die gegenseitigem Beziehungen zwischen den benannten Nationen, die ihrem Staat eine Bezeichnung geben, und den ethnischen Minderheiten, welche in multikulturellen und vielsprachigen Ländern leben, die bestimmenden Bedingungen für die innenpolitische Stabilität und

nationale Sicherheit dar.

Wie die weltweite Erfahrung zeigt, hängen von der politischen Loyalität der Repräsentanten der namenlosen Nationen, die in multinationalen Staaten leben, direkt die Stabilität der innenpolitischen Lage, die nationale Sicherheit und die Dynamik der

sozialökonomischen Entwicklung ab.

Die weltweite Erfahrung ist reich an Beispielen des wohltuenden und anregenden Einflusses des Faktors der ethnischen Vielfalt auf die politischökonomische Entwicklung der Staaten, in denen sich eine traditionelle Harmonie der gegenseitigem Beziehungen zwischen den Nationen und ethnischen Gruppen gebildet hat.

Ungeachtet des Vorhandenseins bestimmter Probleme zwischen den ethnischen Gruppen und Rassenprobleme, verwandelte sich der Faktor ethnischer Vielfalt nicht in eine Barriere auf dem Weg ihres sozialökonomischen Fortschritts, sondern ermöglicht sogar seine Beschleunigung.

Die gegenseitige Durchdringung der Nationen und Kulturen wurde in diesen Staaten zu einem guten Ausgangspunkt der geistig-intellektuellen Bereicherung der in ihnen lebenden Völker. So wurde der Faktor der ethnischen Vielfalt zu einem einflußreichen Instrument der Beschleunigung der demokratischen Reformen und des sozialökonomischen Fortschritts und des Aufbaus der bürgerlichen Gesellschaft.

Gleichzeitig gibt es in der Geschichte der Menschheit nicht wenige Beispiele, die einen hierzu gegensätzlichen Charakter besitzen, in denen das Nichtvorhandensein der Harmonie in den internationalen Beziehungen in Staaten mit vielen ethnisehen Gruppen zu einer gesellschaftlich-politischen Katastrophe führte, die ganze Völker und Länder weit zurückwarf. Eine Vielzahl von ethnischen Gruppen wurde nicht nur für einzelne Staaten zu einem der wichtigsten zerstörerischen Faktoren für die innenpolltische Stabilität und die nationale Sicherheit, sondern auch für ganze Regionen.

So wird die Tatsache offensichtlich, daß zwlschenethnische und zwischennationale Beziehungen in einem Vielvölkerstaat zu einem der wirksamen Faktoren werden, auf dessen Grundlage selbst sich das Verständnis für die nationale Sicherheit her-

ausbildet.

Die Aktualität der Harmonisierung der zwischenethnischen und zwischennationalen Beziehungen erhält in der Phase des nationalen Aufbaus neuer unabhängiger Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion eine um so größere Bedeutung. Diese Beziehungen nahmen schon in lang zurückliegenden historischen Zeiten ihren Anfang und spiegeln die Tiefe der menschlichen Seele wider. Ihre Lösung fällt immer schwer und ist schmerzlich. Die Folgen des Offenstehens ähnlicher Probleme finden im Verlauf der Jahrhunderte ihren Widerhall.

Die gestellte Frage, welche einen schonenden und feinfühligen Lösungsweg erfordert, hat für die Republik Usbekistan, die zu den Staaten mit vielen ethnischen Gruppen gehört, eine besondere Bedeutung. In ihr leben, neben der benannten Nation der Usbeken, mehr als 100 Nationalitäten, die ihre eigene Kultur und Tradition haben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes übersteigt 20 Prozent.

Was stellen die ethnischen und zwischennationalen Faktoren für den Prozeß des gesellschaftlichen und sozialen gemeinschaftlichen Handelns dar? Wie hoch ist die Gefährdung unserer Sicherheit unter unseren spezifischen Umständen?

Wie muß die Wirtschaft für die Erhaltung der Stabilität in Usbekistan und 'n der gesamten zentralasiatischen Region geführt werden?

Die heutigen ursprünglichen ethnischen Gruppen, die den Haupttell der Bevölkerung der zentralasiatischen Region ausmachen, durchließen einen komplizierten und einzigartigen Prozeß der Formierung ihrer Nationen, dessen Wurzeln in der Vergangenheit gelegt wurden. Ungeachtet einiger vielschichtiger Erscheinungen in diesem Bereich, läuft ein nicht umkehrbarer Vorgang der Bildung nationaler Staaten mit einer Bevölkerung, die aus vielen Nationalitäten besteht.

 

Die aus vielen Nationalitäten bestehende Bevölkerung Usbekistans wirkt in engem Zusammenhang mit dem Wachsen des nationalen Selbstwertgefühls und der geistigen Wiedergeburt des usbekischen Volkes als mächtiger Impuls für die Erneuerung der Gesellschaft sowie ihrer Demokratisierung und schafft vorteilhafte Bedingungen für die Integration der Republik in die Weltgemeinschaft.

Es ist kein Geheimnis, daß in der UdSSR alles Nationale ein großes Hindernis für die Verwirklichung des wichtigsten Zieles der kommunistischen Ideologie, der Internationalisierung der Bevölkerung und der Realisierung der Idee des "Zentrums" für die Bildung einer solchen spezifischen sozialen Gemeinschaft wie das "sowjetische Volk" war.

Indem sie die gegebene Konzeption vorbrachten, tauschten die kommunistischen Ideologen und Politiker offenbar bewußt die natürlichen Prozesse des Wachsens eines nationalen Selbstbewußtseins der Leute gegen einen aggressiven politisierten Nationalismus aus. So wurde auch das Ziel verfolgt, die Leute von gesetzmäßig wachsenden Erfordernissen (welche auch mit objektiven Gründen verbunden sind) für ein nationales Selbstwertgefühl abzulenken. Das Zentrum nahm die Positionen einer erzwungenen "lnternationallsierung" sowie der Vernichtung der nationalen Besonderheiten ein und wollte den Prozeß der Schaffung einer "multinationalen" Gemeinschaft beschleunigen, die den eigenen imperialistischen Interessen entsprach, indem das Volk des "Nationalismus" bezichtigt wurde und die ihrer Überzeugung nach progressiven und das Volk der Unionsrepubliken und nationalen Grenzgebiete verratenden Leute einer Repression ausgesetzt wurden. Dieser künstliche Vorgang der "Annäherung der Völker" ermöglichte verborgene und augenscheinlich widerstrebende Erscheinungen in der Gesellschaft, was gerne als "Nationalismus" bezeichnet wurde.

Tatsächlich hatten hier die natürliche Bestrebung, nationalen Werte zu erhalten selbständige Gebiete, die Traditionen der Leute und eine objektive, vollständig begründite Erfordernis der Selbsterhaltung der Nationen als Subjekt einer gesellschaftlichen, geistigen und historischen Entwicklung ihren Platz. Jede beliebige Nation, auch wenn sie noch so klein ist, stellt einen Reichtum für die Menschheit dar, und das Verschwinden einer beliebigen Nation, mit ihren sprachlichen, kulturellen und anderen Eigenheiten, führt zu einer Zusammenführung des kulturellen und genetischen Fonds der Erde, der Möglichkeiten der Persönlichkeit. Daher sollte der Erhalt jeder ethnischen Gemeinschaft das wichtigste Ziel für die sie leitenden Leute sein.

Und in erster Linie ist dies die Aufgabe der einzelnen Staaten, zu denen diese ethnischen Gruppen gehören.

 

Statt dessen darf das Bestreben einer Nation, ihre Bedürfnisse und Interessen zu verwirklichen, nicht auf Kosten der Schmälerung der gleichen Bestrebungen anderer Nationen oder der Repräsentanten anderer Volksgruppen gehen. Es ist unumgänglich, den Erscheinungen der hochmütigen und verächtlichen Beziehung der Repräsentanten der Nationen und ethnischer Gruppen anderen gegenüber den Boden zu entziehen.

In dieser Hinsicht kann man feststellen, daß gerade die Widersprüche, die häufig als Resultat eines Mißverhältnisses der Interessen und Erfordernisse der in einer Wechselwirkung stehenden ethnischen Gruppen und Nationen ihren Platz finden, zu mächtigen Faktoren der extremen Erscheinungen des "Nationalismus" werden können.

Hier muß unterstrichen werden, daß der "Nationalismus", der zukünftig politisierte, eine äußerst negative Richtung einschlagen kann und zu einer hinreichend großen Bedrohung für die staatliche und nationale, regionale und globale Sicherheit werden kann.

Unter den heutigen komplizierten Umständen der Übergangsphase für die Lösung der Probleme des Aufbaus einer bürgerlichen Gesellschaft, welcher auf dem Wiederaufleben des nationalen Selbstwertgefühls, des Friedens und der zwischennationalen Übereinstimmung gegründet ist, müssen die folgenden Tatsachen berücksichtigt werden:

Erstens: Das Vorhandensein bestimmter, nicht antagonistischer Widersprüche auf dem Gebiet der zwischennationalen Beziehungen ist eine reale Erscheinung für die Aufbauphase der neuen unabhängigen Staaten.

Zweitens: Es darf nicht zugelassen werden, daß bestehende Widersprüche zu zwischennationalen Konflikten werden, mit ihren tragischen Folgen und der Gefährdung für die Sicherheit der Völker und Staaten.

Drittens: Die sich verkomplizierende sozial politische Situation, die Unausweichlichkeit und Unumgänglichkeit der Koexistenz der zusammenlebenden Nationen sowie ihre gemeinsamen Anstrengungen und Wünsche müssen berücksichtigt werden, was sich in einer entsprechenden ethnischen Politik des Staates und der Meinungsbildung in der Gesellschaft niederschlagen sollte.

Existieren Gefahren für die zwischennationalen Beziehungen in Usbekistan und in der zentralasiatischen Region?

Wenn man die Situation objektiv beurteilt, muß festgestellt werden, daß der Nährboden für die Entstehung von Konfliktsituationen vorhanden ist. Er ist Folge der Politik, welche das russische Imperium und danach die Sowjetmacht führte, um territorial-administrative Grenzen der Republiken in Zentralasien zu schaffen.

Historisch betrachtet gab es in Turkmenistan gemischte Ansiedlungen von Stämmen und Völkern, welche durch oasenartige Siedlungen und einen nomadischen Lebensstil der Leute bedingt wurden, was eng mit der Gemeinschaft von Kultur und Sprachen verbunden war.

Ein solches Mosaik der ethnischen Karte der Region trug auch zu einer ethnisch-kulturellen und religiösen Nähe zwischen den in ihr lebenden Völkern bei.

Die zielgerichtete Wanderungspolitik des zaristischen Rußlands, und später des Sowjetstaates, ermöglichte die Bildung eines noch größeren multikulturellen Anteils der Bevölkerung in der zentralasiatischen Region.

Heute leben auf dem Gebiet der postsowjetischen zentralasiatischen Staaten mehr als 100 Nationen und Volksgruppen. Die Angehörigen von fast zwei Dutzend Nationen kamen auf Grund von stalinistischen Repressionen, wie z.B. der Strafverbannung, in die Region.

Ein Gefährdungsfaktor ist auch die ethnodemographische Situation in der Region. Veränderungen dieser Situation in Zentralasien gingen ständig vor sich. In den verschiedenen Zeitspannen zeigten verschiedene Faktoren einen Einfluß auf sie, wie die Kolonialisation, die Industrialisierung der 20er und 30er Jahre, die Deportation und gewalttätige Umsiedlung ganzer Volksgruppen und das Beginnen der Urbanisierung und andere.

 

Dies alles erbten die neuen unabhängigen Staaten. Daher haben die Probleme der zwischennationalen und subethnischen Beziehungen eine strategische Bedeutung und erforden eine besondere Aufmerksamkeit bei dem Aufbau der zwischenstaatlichen Beziehungen in der Region.

Gegenwärtig erfordert die wachsende Bedeutung der ethnischen und zwischennationalen Faktoren im Prozeß der Erhaltung der Stabilität in der zentralasiatischen Region eine Berücksichtigung einer Reihe grundlegender Momente, von denen die wichtigsten, unseres Erachtens, folgende sind:

Erstens: die Anerkennung der sich herausbildenden Staatsgrenzen, deren Unverletzlichkeit ein konstituierendes Prinzip der Außenpolitik eines jeden Staates ist sowie zu einer grundlegenden Bedingung für die Erhaltung der Souveränität und der Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit werden sollte.

Zweitens: Die Entwicklung des nationalen Selbstwertgefühls der Völker der Region nach 1991 erhielt den Charakter eines unumkehrbaren progressiven Vorgangs. Viele der Völker formierten sich letztlich wie Nationen, was vor allem im Prozeß der zwischennationalen Beziehungen in Erscheinung tritt.

Drittens: Die geographische, ethnokulturelle und sozialreligiöse Nähe der Völker, die in der Region leben, erscheint als positives Moment des zwischennationalen Dialogs und der zwischenstaatlichen außenpolitischen und ökonomischen Wechselbeziehungen.

Viertens: Die ethnische Politik, welche in Usbekistan im Rahmen der Bewegung "Turkestan - unser gemeinsames Haus" durchgeführt wurde, erweist sich in ihrer Zielsetzung und in ihrem Inhalt als ein humanistischer konstruktiver Prozeß, da sie das Ziel verfolgt, eine zwischennationale Einigkeit in der Region zu erzielen. Ohne Zweifel entspricht diese Politik völlig den strategischen staatlichen und nationalen Interessen aller zentralasiatischen Republiken. So versteht man seit jeher unter "Turkestan" nicht nur die Völker türkischen Ursprungs, sondern auch die gesamte Bevölkerung des Gebietes.

Fünftens: Die integrierenden Prozesse in der Region müssen sich auch entwickeln, wobei sie sich auf die optimale Vereinigung der staatlichen und nationalen Interessen aller Völker und der gesamten multinationalen Bevölkerung gründen.

 

Zusammen hiermit müssen alle VeEsuche entschieden unterbunden werden, die darauf abzielen die 7ölker Zentralasiens gegeneinander aufzuwiegeln sowie den Mythos über eine klar vorhandene nationale Überlegenheit zu verbreiten. Hierzu gehören auch die Handlungen, welche durch verantwortungslose, kurzsichtige und ehrgeizige Politiker sowohl in der Region als auch im Ausland getätigt werden. Mit welchen Motiven solche Versuche auch begründet werden, so können sie doch den zivilen Frieden und die zwischennationale Einigkeit in der Region schwerwiegend unterwandern. Wozu dies führen kann, zeigen die tragischen Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien, Nagornij Karabach und anderen multinationalen Ländern auf. Leider mußten wir schon unsere eigenen bitteren Erfahrungen machen, als einzelne extremistisch eingestellte Gruppen beinahe zum Zusammenstoß und zur Konfrontation von Leuten auf dem Gebiet mehrerer Nationalitäten geführt haben. Glücklicherweise erwiesen sich der gesunde Geist, die Weisheit, der Humanismus und die Güte, über die das usbekische Volk verfügt, als den auf eine Gruppe beschränkten Interessen überlegen und als wirkungsvolles Schild gegen den gezeigten Extremismus.

Es ist offensichtlich, daß einige Unterschiede im Inhalt und Tempo der durchgeführten sozialpolitischen und wirtschaftlichen Reformen in den zentralasiatischen Staaten auch einen negativen Einfluß auf die wechselseitigen Beziehungen der Nationen und Volksgruppen haben können. Dies erfordert eine ausreichend ausgewogene ethnische Politik. Es ist erfreulich, daß alle Staaten der Region gegenseitige Verpflichtungen eingegangen sind, die Bürgerrechte zu schützen und vorteilhafte Bedingungen für die Entwicklung der nationalen Kultur der Völker zu schaffen, die in diesen Ländern leben.

Die multinationale Zusammensetzung Usbekistans bestimmt seine kulturelle Eigentümlichkeit und das überragende Potential für den Fortschritt. Dieses Potential läßt sich unserer Meinung nach wie folgt erklären:

Erstens: Einfluß der klimatischen und der Umweltbedingungen der Region und der historischen kulturellen Lebenserfahrung der hier lebenden Menschen.

Zweitens: Nähe der Region mit den angrenzenden Regionen der Nachbarstaaten, was dazu beiträgt, daß sich die Kulturen gegenseitig durchdringen und sich ein Multilinguismus ausbildet, da die Bevölkerung mehrere Sprachen fließend be-

herrscht.

Drittens: zusammenwachsende Formen der Organisation der gesellschaftlichen und sozialen Beziehungen, wie der familiären, territorialen und anderer.

Viertens: eigentümlicher Charakter der ursprünglichen Völker Zentralasiens, ihrer toleranten Beziehung gegenüber Vertretern anderer Nationalitäten. Dies ist einfach das menschliche Gefühl der Usbeken, wie z.B. die Entwicklung, daß die Toleranz auf nationaler Ebene zu einem unumgänglichen Bestandteil ihrer gemeinsamen Kultur und Mentalität wurde.

Markante Beweise für die Erscheinungen des geistigen Reichtums, der menschlichen Güte und des Mitleids fremdem Unglück gegenüber, der Gastfreundlichkeit und -freundschaft, die dem usbekischen Volk eigen sind, waren die Beziehung, die Wärme und Fürsorge, mit denen einzelne Leute, Familien und auch ganze Völker umgeben wurden und die während der harten Kriegsjahre sowie der stalinistischen Repressionen auf dem Territorium Usbekistans erwiesen wurden.

In der Geschichte finden sich nicht häufig Beispiele für Erscheinungen solch hoher und erhabener Gefühle und sittlicher Qualitäten bei ganzen Völkern, die in Jahren der Unbilden sogar das für die eigenen Kinder und sich selber Notwendigste weggaben und es mit völlig fremden, jedoch noch bedürftigeren Leuten teilten. So fanden sich in vielen ohnehin schon kinderreichen Familien neue Eltern, die nicht einem, sondern Dutzenden Kindern verschiedener Nationalitäten, welche in den schrecklichen Jahren zu Waisenkindern wurden, väterliche und mütterliche Liebkosungen schenkten.

Usbekistan ist stolz darüber, daß dies in seiner Geschichte immer so war und sein wird. Usbekistan ist auch stolz darüber, daß es in der geschichtlichen Chronik unseres Volkes und Staates keine schändlichen Seiten der Erscheinungen des Antisemitismus, Rassismus und anderer Formen der hochmütigen und geringschätzigen Beziehungen zu anderen Nationen und anderen Völkern gibt.

Insgesamt kann man feststellen, wenn man den Verlauf der demokratischen und politischen Reformen in den ersten Etappen der übergangsperiode insgesamt beurteilt, daß Usbekistan einen besonderen Weg geht, Unser Modell des staatlichen Aufbaus gründet sich auf die Idee des Erhalts und der Stärkung der sich historisch auf unserem Territorium gebildeten multinationalen Struktur der Gesellschaft und der Nutzung des gegebenen Faktors für die Verwirklichung der abschließenden, auf ein bestimmtes Ziel ausgerichteten Aufgaben für die Gründung eines demokratischen Rechtsstaates und einer bürgerlichen Gesellschaft.

Heute erleben nationale und andere gesellschaftliche Bewegungen, zu denen auch Jugend-, Kultur- und religiöse Bewegungen zählen, ihre Wiedergeburt. Der Übergang von der Euphorie der ersten Jahre der Unabhängigkeit zur realen Wirklichkeit und zu einer nüchternen Beurteilung der wirtschaftlichen und politischen Situation zwingt sie dazu, auf eine grundlegende Art und Weise die Forderungen und Bedingungen ultimativen und radikalen Charakters zu revidieren und auf sie zu verzichten, die Arbeitsweise ideenreich und organisatorisch umzustrukturieren und populistische und ehrgeizige Interessen zu überwinden.

Der Erhalt der Einigkeit zwischen den Nationen in unserer Gesellschaft, welche sich in ihrem Wesen und ihrer Zusammensetzung als "Einigkeit der Mannigfaltigkeit" der Völker der Republik charakterisiert, erlaubt eine zivilisiert gesetzgebende Basis, welche alle Probleme der Gleichberechtigung der Bürger Usbekistans löst.

In der Verfassung der Republik wird unterstrichen: "Das Volk Usbekistans besteht, unabhängig von seiner Nationalität, aus den Bürgern der Republik Usbekistan." Das Gesetz der Republik Usbekistan "über die Garantie des Wahlrechts" gibt allen Bürgern der Republik Usbekistan "unabhängig ihrer Herkunft, der sozialen und Vermögenslage, der russischen und nationalen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der Bildung, der Sprache, ihren Beziehungen zu Religionen, der familiären Abstammung und des Charakters ihrer Arbeit" das gleiche Wahlrecht.

Das staatliche Konzept der Verteidigung der Rechte ethnischer @ Minderheiten, die auf dem Territorium Usbekistans leben, spiegelt sich in der Verfassung der Republik deutlich wider, in der die Rede davon ist, daß die "Republik Usbekistan die Achtung der Sprachen, Sitten und Traditionen der Nationen und Volksgruppen gewährleistet, welche auf ihrem Territorium leben, und die Bedingungen für ihre Entwicklung schafft".

In Verbindung hiermit kann angemerkt werden, daß die Vorgänge des nationalen Wiederaufbaus nicht nur unter den Usbeken ablaufen. Auch zwischen den Verrtretern anderer Nationalitäten,. die in Usbekistan leben, laufen aktiv konsolidierende Prozesse ab, die auf ethnisch-kulturellen Ursprüngen.

Noch im Jahre 1989 begannen sich gesellschaftliche Organisationen, wie z.B. nationale kulturelle Zentren, zu bilden. Heute arbeiten schon über 80 in der Republik. Sie spielen eine positive Rolle im Prozeß der politischen, wirtschaftlichen und kulturell-geistigen Umgestaltung der multinationalen Gesellschaft Usbekistans. Wenn wir über die.Einigkeit des Volkes, seine Zusammenführung und innere Ruhe sprechen, so unterstreichen wir, daß dies unser Gemeingut ist, das unbezahlbar ist.

Unsere Gesellschaft strebt solche inneren ethnischen und zwischen den Nationen bestehenden gegenseitigen Beziehungen an, die es jedem beliebigen Menschen, der auf diesem Territorium lebt, ermöglichen, sich als frei und gleichberechtigt zu fühlen.

Unter der Einheit einer beliebigen Nation, hierzu zählt auch die usbekische, versteht man ihre engen gegenseitigem Beziehungen zu ihren ethnischen Brüdern, die in anderen souveränen Staaten, wie z.B. auch in zentralasiatischen Ländern, leben.

Die Statistik bestätigt, daß außerhalb der Grenzen Usbekistans viele Usbeken leben. So bestehen 24,4 Prozent der Bevölkerung Tadshikistans aus Usbeken, in Kyrgysstan sind es 13,8, in Turkmenistan 9,0 und in Kasachstan 2,5 Prozent. Dies ist der Grund dafür, daß Usbekistan ein Anhänger einer tiefreichenden, allseitigen Beziehung zwischen den souveränen Staaten Zentralasiens und einer dauerhaften Sicherheit in der Region ist. Die positiven Ergebnisse der Integration werden den Dialog zwischen den Nationen und die Sicherheit in der Region gewährleisten.

Indem wir das Konzept der gegenseitigem Beziehungen unter der Idee "Turkestan - unser gemeinsames Haus" vortragen, streben wir in der Region und auch in den hierzu gehörenden Staaten die Normalisierung der Wechselwirkungen zwischen den Menschen an.

Abschließend beschäftigen wir uns mit der Frage, welche grundlegenden Prinzipien nötig sind, an die man sich während der Durchführung der nationalen Politik Usbekistans halten sollte, um keine Konfliktsituationen zuzulassen, welche die nationale und regionale Sicherheit im Vorgang der zwischennationalen Beziehungen gefährden.

Erstens: Die ethnische Politik des Staates sollte sich auf den Vorrang der Verteidigung der persönlichen Rechte gründen und die Rechte der nationalen Minderheiten nicht eingrenzen.

Zweitens: Die strategische Linie in der ethnischen Politik des Staates sollte sich auf die Methoden stützen, welche die Widersprüche zwischen den Nationen auf eine konstruktive Art und Weise lösen.

Drittens: Der wirtschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft, der auf den Handelsbeziehungen für die Sicherstellung eines starken Mechanismus der sozialen Absicherung der Leute basiert, welche auf dem Territorium der Republik leben, schafft eine stabile Grundlage für die Verwirklichung der Fähigkeiten d des Talents eines jeden Menschen und die Entwicklung und die Erhöhung des Wohlergehens jeder Familie.

So versteht man unter einer Vielvölkerschaft in einem beliebigen Staat einen schrittweisen Prozeß der Entwicklung von Beziehungen zwischen mehreren ethnischen Gruppen, welche sich aus der natürlichen Unterhaltung von Wechselwirkungen zwischen den ethnischen Gruppen bilden. Dies erfordert auf gesellschaftlicher Ebene eine ständige Analyse der gegebenen Prozesse mit dem Ziel der Vermeidung ethnischer Konflikte und solcher zwischen den einzelnen Nationen, welche im Falle ihres Auftretens eine Gefährdung der staatlichen und regionalen Sicherheit hervorrufen können.

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