- Keine
Gesellschaft kann ihre Perspektive ohne die Entwicklung und
Festigung des geistigen Potentials, der geistigen und sittlichen
Werte im Bewußtsein der Menschen sehen.
- Die
kulturellen Werte eines Volkes, sein geistiges Erbe im Laufe der
Jahrtausende dienten als machtvolle Quelle des Geistesschaffens für
die Völker des Ostens.
- Ungeachtet
der starren ideologischen Prägung im Verlaufe eines langen
Zeitraums gelang es dem Volk Usbekistans, seine historischen und
kulturellen Werte und originären Traditionen, die von Generation zu
Generation sorgsam weitergegeben wurden, zu bewahren.
- Von
den ersten Tagen unserer Unabhängigkeit an bestand eine der
wichtigsten Aufgaben auf der Ebene der Staatspolitik in der
Wiedergeburt jenes gewaltigen, unschätzbaren geistigen und
kulturellen Erbes, das von unseren Ahnen im Laufe vieler
Jahrhunderte geschaffen worden war.
- Die
Wiedergeburt der geistigen Werte betrachten wir als organischen, natürlichen
Prozeß des Erstarkens des nationalen Selbstbewußtseins, als Rückkehr
zu den geistigen Quellen des Volkes, zu seinen Wurzeln.
- Mit
der Erringung der politischen Unabhängigkeit und Freiheit wurde
unser Volk wirklich Herr über sein Schicksal, Schöpfer der eigenen
Geschichte, Träger der originalen nationalen Kultur.
- Man
muß jedoch unterstreichen, daß die Wiederherstellung und Rückkehr
zu den geistigen und für uns heiligen religiösen Werten und
Traditionen, die Selbsterkennung, unter nicht einfachen Bedingungen
stattfanden: unter den Bedingungen des Zusammenbruchs des alten
Herrschaftssystems und des Entstehens neuer gesellschaftlicher Verhältnisse.
- Nach
einer über hundertjährigen totalitären Abhängigkeit verlief
dieser Prozeß in der ersten Zeit völlig natürlich als eigentümliche
"Negation der Negation". Wir haben uns Rechenschaft darüber
abgelegt, daß eine einfache Negierung der Werte des vorherigen
Systems die Gefahr des politischen und kulturellen Extremismus in
sich birgt, der keinerlei schöpferisches Programm besitzt. Im
Zusammenhang damit kann die spontane und unüberlegte Rückkehr zu
den Werten, Traditionen und zur Lebensweise der Vergangenheit zum
anderen Extrem führen, nämlich zur Ablehnung der Gegenwart und der
Notwendigkeit der Modernisierung der Gesellschaft.
- Gerade
auf der Welle dieser Negation entstand die Gefahr der Bildung einer
extremistischen Opposition, die ihrem Wesen nach zu einer Opposition
gegen die geistigen Werte führen kann. Ihre politischen
Bestrebungen sind ein Gemisch aus militantem Nationalismus, religiöser
Intoleranz und pathologischem Haß auf alles, was "nicht von
uns" ist. Unsere Gesellschaft konnte in den konkreten
extremistischen Erscheinungen jener Tage nicht ignorieren, wie
aggressiv diese Reaktion war, wie groß ihr zerstörerischer
Ausgangspunkt und ihr Haß auf alles war, was nicht in den engen
Auffassungsrahmen der einzelnen militanten politisierten Gruppen paßte.
- Die
Gefährlichkeit einer derartigen Entwicklung der Ereignisse
diktierte die Notwendigkeit eines genau durchdachten und
ausgewogenen Herangehens, der Ausarbeitung und Verwirklichung eines
Komplexes von sich gegenseitig ergänzenden politischen,
wirtschaftlichen und kulturellen Programmen, die auf die Stärkung
des positiven, schöpferischen Charakters der geistigen Wiedergeburt
gerichtet waren. Diese Programme basierten in erster Linie auf einem
unbedingt differenzierten Herangehen an das zu erneuernde Erbe, auf
einer Auswahl vor allem der wichtigsten, ethisch bedeutsamen
Traditionen und Bräuche, die die allgemeinmenschlichen Werte
bereichern und die den Forderungen der Demokratisierung und
Erneuerung unserer Gesellschaft entsprechen.
- Eine
besondere Bedeutung unter den extremen Bedingungen jener Zeit
erlangte dabei die Schwächung und Nichtzulassung emotionaler Ausbrüche,
die leicht die fließende Grenze überschreiten konnten, hinter der
es zu ethnischen Konflikten kommt.
- Eine
solche Gefahr bestand offensichtlich in jenen Tagen, und ich bin bis
auf den heutigen Tag davon überzeugt, daß nur der Appell an den
Verstand, den Willen, die Toleranz und Menschenliebe unseres Volkes
uns geholfen hat, diese in ihren Folgen nicht meßbare Katastrophe
abzuwenden.
- Einen
außerordentlich wichtigen Platz im Prozeß der
Wiedergeburt und des Anwachsens des nationalen Selbstbewußtseins,
und, wenn man will, des Nationalstolzes, nimmt das historische Gedächtnis
ein, die Wiederherstellung der objektiven und wahrhaben Geschichte
des Volkes, des Heimatkreises, des Staatsgebietes.
- Die
Geschichte wird zu einem wahren Erzieher der Nation. Die Heldentaten
der bedeutenden Vorfahren rufen das historische Gedächtnis wach,
bilden ein neues Bürgerbewußtsein heraus, werden zur Quelle der
moralischen Erziehung und Nachahmung. In der Geschichte Mittelasiens
gab es nicht wenige herausragende Persönlichkeiten, die in sich
politischen Verstand und moralischen Heldenmut, religiöse
Weltauffassung und enzyklopädische Bildung vereinten.
- Unsere
großen Vorfahren: Imam Buhari, Al Termizi, Nakschband, Hadshi Ahmad
Jassawi, Al Horczmi, Beruni, Ibn Sina, Amir Temur, Ulugbek, Babur
und viele andere haben großen Anteil an der Entwicklung unserer
Nationalkultur, wurden wahrhaft der Stolz unseres Volkes. Diese
Namen, ihr herausragender Beitrag zur Entwicklung der
Weltzivilisation sind heute in der ganzen Welt bekannt.
- Die
historischen Erfahrungen, die ererbten Traditionen, all das muß zu
jenen Werten werden, in derem Sinne die neue Generation erzogen
wird. Nicht zufällig wurde unsere Kultur zum Mittelpunkt der
Anziehungskraft für die ganze Menschheit: Samarkand, Buchara, Chiwa
sind Orte der Wallfahrt nicht nur für wissenschaftler und
Kunstinteressierte, sondern für alle Menschen der Welt, die an der
Geschichte und historischen Werten interessiert sind.
- Dank
der Bestrebungen der usbekischen Wissenschaftler wurden viele
wichtige Seiten unserer Geschichte erneut aufgeschlagen, vor allem
die Epoche der Temuriden, der Zeitraum vom Ende des 19. bis zum
Beginn des 20. Jahrhunderts. Man muß daran erinnern, daß die
Aufgaben zur "Rehabilltierung" unserer Vergangenheit
insgesamt bereits abgeschlossen sind, jetzt wird die
wissenschaftliche Objektivität und Unvoreingenommenheit der
historischen Analyse zur Hauptaufgabe.
- Besonders
möchte ich auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum Amir Temurs
verweisen. Wie oft haben wir uns in den vergangenen Jahren, wenn wir
von "Temur, dem Eroberer" oder " Temur, dem
Zerstörer" hörten oder lasen, gefragt: "Wieso war unter
seiner Herrschaft eine solche Blüte der Kultur und Wirtschaft auf
unserer Erde möglich?" Erst nach der Erringung der Unabhängigkeit
konnten wir unserem großen Ahnherrn Gerechtigkeit widerfahren
lassen. Bei diesem Bestreben unterstützten uns unsere
mittelasiatischen Nachbarn, die internationale Kulturgemeinschaft
und das nicht zufällig. Die Persönlichkeit Temurs ist nicht nur
unser Eigentum, das seiner Nachkommen, sondern das aller Völker
unserer Region, der ganzen zivilisierten Menschheit.
- Die
ethnische, kulturelle und religiöse Toleranz unseres Volkes
ist noch eine nichtversiegende Quelle der geistigen Wiedergeburt. Im
Laufe der Jahrtausende war Zentralasien das Zentrum des
Zusammentreffens und der Koexistenz der verschiedensten Religionen,
Kulturen und Lebenswelsen. Ethnische Toleranz und Offenheit wurden
zu natürlichen Normen, die für das Überleben und die Entwicklung
notwendig waren. Selbst jene, die dieses Territorium erobert hatten,
verehrten nicht nur die Kultur der Völker Zentralasiens, sondern übernahmen
sorgsam die Traditionen sowie Elemente der auf diesem Territorium
bestehenden Staatlichkeit.
- Gerade
auf diesem Boden erfolgte eine globale gegenseitige Bereicherung der
Weltkulturen im Laufe vieler Jahrhunderte. Hier lebten
jahrhundertelang Nomadenvölker neben seßhaften Völkern, iranische
Völkerstämme neben türkischen, moslemische neben christlichen und
jüdischen. Und in den letzten zwei Jahrhunderten, als selbst
Staaten, die sich für "zivilisiert" und "aufgeklärt"
hielten, sich mit Massenpogromen und religiösen Verfolgungen
besudelten - die Erde Usbekistans blieb nicht nur ein Ort der
friedlichen Vereinigung der Völker und Kulturen, sondern gab auch
Vertretern der verfolgten Völker Obdach.
- Dank
der begonnenen Reformation und Erneuerung unseres gesellschaftlichen
Lebens eröffneten sich mächtige Schichten der geistigen Kultur,
die die Psychologie des Volkes hin zu Patriotismus, Nationalstolz
und Weltoffenheit veränderten. Das ist das erste Anzeichen für die
Geisteskraft des Volkes, die so deutlich und urwüchsig ist, daß
sie nicht nur nach Integration strebt, sondern sie strebt danach,
ein organischer Bestandteil der Weltgemeinschaft zu sein.
- Eine
wichtige Erfahrung der fünf Jahre Unabhängigkeit ist die
Grundsteinlegung des "Gemeinsamen Hauses" für alle Völker
geworden, die Entstehung einer neuen Völkergemeinschaft. Eine Stütze
dieser Gemeinschaft war das allgemeinmenschliche Wesen der
usbekischen Kultur, die Wiedergeburt der moralischen Werte und des
nationalen Selbstbewußtseins.
- Die
geistige Wiedergeburt des usbekischen Volkes, die Herausbildung der
moralischen Ideale der Nation ist eine Erscheinung, bei der das tief
Nationale unverbrüchlich mit dem Allgemeinmenschlichen verbunden
ist. Ohne ihre Eigenart zu verlieren, erwerben die in Usbekistan
lebenden Völker eine einheitliche Mentalität, eine gemeinsame
Lebensphilosophie. Hieraus ergibt sich die einheitliche moralische
Stütze, die all die Jahre der Unabhängigkeit eine Quelle des
Einvernehmens unter den Nationen war.
- Historisch
zur Familie der Turkvölker gehörend, hat unser Volk entschieden
die Versuchung des Panturkismus und der chauvinistischen Idee der
"Großen Turan" zurückgewiesen. Für uns ist Turan das
Symbol einer kulturellen und nicht überpolltischen Gemeinschaft der
türkisch sprechenden Völker der Region. Außerdem vereinen uns
kulturelle, historische und anthropologische Wurzeln mit dem
tadshikischen Volk, was uns berechtigt, unsere Kultur als gewissermaßen
einzigartig für Zentralasien in der Synthese der türkischen und
persischen Kulturen zu betrachten. Mit diesem Allgemeingut kann und
muß Usbekistan zum Initiator der kulturellen Integration der Länder
Zentralasiens werden.
- Da
Usbekistan in sich einen im regionalen Maßstab hohen Grad der
Urbanisierung, Industrialisierung und Versorgung mit
wissenschaftlich-technischen Kadern einerseits, andererseits mit
einem tiefgreifenden Traditionalismus in der Lebensweise vereinigt,
kann es auch als Mittler im Dialog zwischen dem Osten und dem Westen
auftreten, als Symbol der geistigen Verbindung vieler
Zivilisationen.
- Die
Wiedergeburt der geistig-religiösen Grundlagen der
Gesellschaft, der Kultur des Islams, der in Jahrtausenden
angesammelten Erfahrungen des moralischen Werdens unseres Volkes ist
ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Selbstbestimmung, der
Wiedererlangung des historischen Gedächtnisses, der
kulturhistorischen Einheit. Es werden alte Moscheen rekonstruiert
und neue gebaut; das Netz der wissenschaftlichen Einrichtungen wird
erweitert, religiöse Literatur wird publiziert.
- Der
Prozeß der Wiedergeburt der nationalen Traditionen des Islams und
seiner Kultur bewies die Richtigkeit der Absage an einen beliebigen
"Import" des Islams von außen, von der Politisierung des
Islams und der Islamisierung der Politik. Die moslemische Kultur von
Movarounnahra nahm den Geist der ethnischen Toleranz und Offenheit
in sich auf, nicht zufällig ist sie das Ideal, das die Arbeiten von
Farabi und Ibn Sina prägte, war die ideale Stadt eine Gemeinschaft
von Menschen, die nicht nur auf religiöser, sondern auch auf
kultureller und moralischer Grundlage vereint sind. Die Freiheit der
Religionsausübung, die in unserer Verfassung verankert ist,
vertrieb nicht nur die unsinnigen Ängste vor einer möglichen
totalen "lslamisierung" Usbekistans, sondern diente auch
der Wiedergeburt und normalen Entwicklung anderer religiöser Strömungen.
Außerdem verlangt das Bewußtwerden der geistigen Eigenständigkeit
des mittelasiatischen Islams ein tiefgreifendes Studium der
vorislamischen Kultur als Teil unseres kulturellen Reichtums.
- Die
geistige Wiedergeburt muß auch die Beziehungen des Menschen zur
Erde und ihrer Reichtümer umfassen. In einer Region, wo die
Landwirtschaft im Laufe der Jahrtausende völlig auf dem bewässerten
Anbau beruhte, ist ein sorgsames Verhältnis zur Erde und zum Wasser
ein nicht minder wichtiger moralischer Imperativ als das sorgsame
Verhältnis zu den Zivilisationsgegenständen. Erde, Luft, Wasser
und Feuer (Sonne) wurden seit alters her in Zentralasien verehrt,
sie wurden von allen Religionen unserer Vorfahren gebührend gewürdigt,
vom Sororastrismus bis zum Islam.
- Leider
wurde im letzten Jahrhundert der größte Schaden gerade dem
Okosystem der Region zugefügt, ist die traditionelle Ethik der
Naturnutzung unserer Vorfahren in Vergessenheit geraten, die es
verbietet, die Wasser- und Bodenreichtümer sinnlos zu entweihen und
zu verschwenden.
- Die
Notwendigkeit des Studiums und der Popularisierung der Traditionen
einer vernünftigen und harmonischen Naturnutzung in der
vorislamischen Kultur der Völker Zentralasiens ist besonders
hervorzuheben. Nicht zufällig wurde gerade unsere Erde zur Heimat
des Sororastrismus, der die Menschen dazu aufrief, sich um die
Reinheit der Flüsse und die Fruchtbarkeit des Bodens zu sorgen.
- Andere
Lehren, der Buddhismus und Manichälsmus, predigten ebenfalls ein
sorgsames und behutsames Verhältnis zur Natur als einen der
wichtigsten Wege zur idealen Gesellschaft. Nicht zufällig treffen
wir diese Ideen eines harmonischen Wechselverhältnisses zwischen
Mensch und Natur auch in den Lehren des mittelasiatischen Sufismus,
der einen gewaltigen Beitrag zur moslemischen Renaissance im
Movarounnahra leistete.
- Die
Holländer haben ihrerzeit ihr nationales Modell eines vernünftigen
und schöpferischen Verhältnisses zur Natur verwirklicht und
konnten den Meeresgewalten fruchtbaren Boden abringen. Dieses
Beispiel hat für uns eine tiefe symbolische Bedeutung, obwohl uns
im Falle der ökologischen Katastrophe des Aralsees nicht
bevorsteht, Land dem Meer, sondern Meer dem Land abzuringen.
- Noch
eine mächtige Quelle der geistigen Werte ist die traditionelle Ethik
der Familie und der Verwandtschaftsverhältnisse, deren
Grundprinzipien immer die Verehrung der Alten, der gegenseitige
Beistand, die Sorge um die Kinder waren. Leider wurden diese Werte
in der sowjetischen Ära ernsthaft deformiert. Durch das Verbot des
privaten Unternehmertums, indem unter dem Vorwand der Bekämpfung
der "Vetternwirtschaft" die Überlieferung beruflicher
Fertigkeiten in den Familien und Sippen unterbunden wurde, förderte
das sowjetische Regime den Verlust der traditionellen beruflichen
und wirtschaftlichen "Nischen" in den Familien und Sippen.
Dadurch nahmen diese Fertigkeiten und moralischen Normen infolge
ihrer Blockierung die sozial als häßlich geltenden Formen der
Clanbildung und Vetternwirtschaft an. Dabei verwandelte sich die
verwandtschaftliche Hilfe mitunter in Schmarotzertum und
Protektionismus, die die Entwicklung der Gesellschaft hemmten.
- Die
Wiedergeburt der Werte der Familie und der Verwandtschaftsverhältnisse
muß längst nicht die Verewigung überlebter Familien- und
Sippenverhältnisse bedeuten, sondern die Möglichkeit der
wirtschaftlichen, kulturellen und beruflichen Befreiung jeder
Familie.
- Die
Wiedergeburt der geistigen Werte bedeutet auch ihre Anpassung an
die Werte der modernen Welt und der Informationsgesellschaft.
- Zu
den positiven Werten, die die moderne Zivilisation mit sich bringt,
rechnen wir die Werte, die mit dem Prozeß des Aufbaus einer
rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft verbunden sind.
Das sind die Einhaltung der Menschenrechte, die Freiheit des
Unternehmertums, die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit usw.
- Wenn
man von der prinzipiellen Bedeutung dieser demokratischen Werte für
unsere Gesellschaft spricht, möchte man immer wieder unterstreichen,
daß sie weder in historischer noch in ethnisch-kultureller Hinsicht
der Mentalität unseres Volkes widersprechen. Im Gegenteil, solche
Begriffe wie Unternehmertum, freier Handel, soziale Gerechtigkeit,
gegenseitige Toleranz und Achtung der Meinung anderer haben auch auf
unserer Erde historische Wurzeln.
- Zugleich
sind wir gegen ein mechanisches, blindes Kopieren: Die Praxis zeigt
die ganze Gefahr dieses Schrittes für das unausgebildete Bewußtsein
der Massen. Man kann ausreichend schnell und konfliktlos die
politische Freiheit erhalten, ein Beispiel dafür ist die Erlangung
der politischen Souveränität durch die ehemaligen
Sowjetrepubliken, man kann relativ schnell die wirtschaftliche
Freiheit erringen, auch das sehen wir am Beispiel der
Industriestaaten in Ostasien, aber die Sicherung der politischen
Freiheiten im Inland ist ein Prozeß, der ein durchdachtes und
ausgewogeiles Herangehen und eine längere Anpassung im Bewußtsein
der Menschen erfordert.
- Eine
der wichtigsten Realitäten der modernen demokratischen
Gesellschaft, mit der die traditionellen Werte unseres Volkes in Übereinstimmung
gebracht werden müssen, ist die soziale Konkurrenz. Mit der
Entwicklung der Marktstrukturen kann diese Konkurrenz recht häßliche
Formen annehmen, in sozialen Antagonismus umschlagen. Man muß
dieser Konkurrenz einen zivilisierten Charakter, schöpferische,
wettbewerbsartige und aufbauende Kraft verleihen, und zwar in erster
Linie mit Hilfe außerökonomischer, vor allem kulturell-ethischer
Mechanismen. Sie sollen eine Synthese der zu erneuernden nationalen
Werte und der zu prägenden Existenznormen der modernen Zivilisation
sein.
- Die
Anerkennung des unabhängigen Usbeklstans durch die
Weltgemeinschaft, die breite außenpolitische und außenwirtschaftliche
Tätigkeit unseres Staates wurden zu einem zusätzlichen Impuls für
die Wiedergeburt der geistigen Werte und des Potentials des
usbekischen Volkes, für die Selbsterkennung als vollberechtigte
Nation innerhalb der Völkerfamille. Breitgefächerte internationale
Kontakte schufen einen günstigen Boden nicht nur für das
tiefgreifende Kennenlernen der Weltkultur, für die Teilhabe an den
allgemeinmenschlichen Werten, sondern sie erlaubten auch die
Entwicklung des Talents des usbekischen Volkes in den verschiedenen
Tätigkeitssphären, ermöglichten in vollem Maße auch, seine
exklusiven Qualitäten zu entwickeln, wie Unternehmungsgeist,
Kommunikationsfähigkeit und die rasche Aneignung mehrerer
Fremdsprachen. Dank dieser Kontakte erhielten auch die Traditionen
der nationalen Gastfreundschaft und die Überreichung von Brot und
Salz neue Entwicklungsimpulse.
- Die
Erweiterung solcher Beziehungen erlaubte es, in Würde die wahrhaben
geistigen und kulturellen Werte zu schätzen. Bereits heute fühlt
man in breitesten Bevölkerungsschichten die Unzufriedenheit mit
jenen Ersatzprodukten der westlichen Kunst, mit dem kulturellen
"Massenbedarf", der sich gegen Ende der 80er Jahre über
die einheimischen Zuschauer und Leser ergoß. Diese Produktion
besitzt schon nicht mehr die Anziehungskraft einer verbotenen
Frucht, wie früher. Es wächst die Erfordernis einer strengeren
Auswahl der kulturellen Werte des modernen Auslands.
- Große
Bedeutung erlangt die Bildung der Bevölkerung im Prozeß des
Anschlusses an die demokratischen Werte der Welt. Das Leben
selbst beweist überzeugend, daß nur eine gebildete, aufgeklärte
Gesellschaft alle Vorzüge der demokratischen Entwicklung schätzen
kann, und umgekehrt: Wenig gebildete, unwissende Leute bevorzugen
autoritäre und totalitäre Regime.
- Wir
müssen lernen, sorgfältig mit jenen kulturellen Quellen umzugehen,
die breitesten Bevölkerungsschichten immer die Möglichkeit gaben,
an den besten Beispielen der klassischen und modernen Kultur
teilzuhaben. Die bedeutenden Erfolge auf dem Gebiet der Musik, der
darstellenden, bildenden und angewandten Kunst Usbekistans, die
breite Anerkennung im Ausland gefunden haben, sind nicht zufällig.
Eine breite Propagierung und Popularisierung der besten Beispiele
der nationalen und der Weltkultur müssen die Grundlage für die
geistige Erziehung der heranwachsenden Generation, unserer modernen
Jugend, werden.
- Die
Unabhängigkeit erweiterte den Horizont unserer Bevölkerung. Der
Umgang mit den Realitäten der Geschichte und der Gegenwart forderte
von unserem gesellschaftlichen Denken die Überwindung abstrakter
und doktrinärer Stereotype der Lebensauffassung und statt dessen
selbständiges Denk- und Urteilsvermögen.
- Die
geistige Wiedergeburt ist das Entstehen einer neuen Generation der
schöpferischen Intelligenz, deren Denken vom Geist der Unabhängigkeit
bestimmt wird. Der Verzicht auf alte, überkommene Dogmen ist
unserem Verständnis nach nicht der Verzicht auf unsere
Geschichte. Es ist der Verzicht auf Einseitigkeit und
gedankliche Enge. Das nationale Denken ist aufgefordert, sich in
seiner Entwicklung den Aufgaben des kulturellen Aufbaus im globalen
Maßstab zuzuwenden, sich für das Schicksal anderer Nationen und für
ihre Wechselbeziehungen lebhaft zu interessieren, in die Tiefe ihres
Lebens einzudringen und die nationalen Interessen zu berücksichtigen.
- Die
Zukunft unseres Volkes hängt vor allem von seiner eigenen geistigen
Energie und von der Schöpferkraft seines Nationalbewußtseins ab.
Das natürliche Streben nach materiellem Wohlstand darf die
Notwendigkeit der geistigen und intellektuellen Entwicklung der
Nation nicht verdrängen. Geistige Bildung und Aufgeklärtheit waren
immer die stärksten Kennzeichen unseres Volkes in seiner gesamten
vielhundertjährigen Geschichte.
- Gerade
in der Verbindung unserer traditionellen Werte mit der modernen
demokratischen Gesellschaft besteht das Unterpfand für unser künftiges
Gedeihen, das Unterpfand für- die Integration unserer Gesellschaft
in die Weltgemeinschaft