POLITIK 


DIE WIEDERGEBURT DER
GEISTIGEN WERTE UND DES
NATIONALEN SELBSTBEWUSSTSEINS
Keine Gesellschaft kann ihre Perspektive ohne die Entwicklung und Festigung des geistigen Potentials, der geistigen und sittlichen Werte im Bewußtsein der Menschen sehen.
Die kulturellen Werte eines Volkes, sein geistiges Erbe im Laufe der Jahrtausende dienten als machtvolle Quelle des Geistesschaffens für die Völker des Ostens.
Ungeachtet der starren ideologischen Prägung im Verlaufe eines langen Zeitraums gelang es dem Volk Usbekistans, seine historischen und kulturellen Werte und originären Traditionen, die von Generation zu Generation sorgsam weitergegeben wurden, zu bewahren.
Von den ersten Tagen unserer Unabhängigkeit an bestand eine der wichtigsten Aufgaben auf der Ebene der Staatspolitik in der Wiedergeburt jenes gewaltigen, unschätzbaren geistigen und kulturellen Erbes, das von unseren Ahnen im Laufe vieler Jahrhunderte geschaffen worden war.
Die Wiedergeburt der geistigen Werte betrachten wir als organischen, natürlichen Prozeß des Erstarkens des nationalen Selbstbewußtseins, als Rückkehr zu den geistigen Quellen des Volkes, zu seinen Wurzeln.
Mit der Erringung der politischen Unabhängigkeit und Freiheit wurde unser Volk wirklich Herr über sein Schicksal, Schöpfer der eigenen Geschichte, Träger der originalen nationalen Kultur.
Man muß jedoch unterstreichen, daß die Wiederherstellung und Rückkehr zu den geistigen und für uns heiligen religiösen Werten und Traditionen, die Selbsterkennung, unter nicht einfachen Bedingungen stattfanden: unter den Bedingungen des Zusammenbruchs des alten Herrschaftssystems und des Entstehens neuer gesellschaftlicher Verhältnisse.
Nach einer über hundertjährigen totalitären Abhängigkeit verlief dieser Prozeß in der ersten Zeit völlig natürlich als eigentümliche "Negation der Negation". Wir haben uns Rechenschaft darüber abgelegt, daß eine einfache Negierung der Werte des vorherigen Systems die Gefahr des politischen und kulturellen Extremismus in sich birgt, der keinerlei schöpferisches Programm besitzt. Im Zusammenhang damit kann die spontane und unüberlegte Rückkehr zu den Werten, Traditionen und zur Lebensweise der Vergangenheit zum anderen Extrem führen, nämlich zur Ablehnung der Gegenwart und der Notwendigkeit der Modernisierung der Gesellschaft.
Gerade auf der Welle dieser Negation entstand die Gefahr der Bildung einer extremistischen Opposition, die ihrem Wesen nach zu einer Opposition gegen die geistigen Werte führen kann. Ihre politischen Bestrebungen sind ein Gemisch aus militantem Nationalismus, religiöser Intoleranz und pathologischem Haß auf alles, was "nicht von uns" ist. Unsere Gesellschaft konnte in den konkreten extremistischen Erscheinungen jener Tage nicht ignorieren, wie aggressiv diese Reaktion war, wie groß ihr zerstörerischer Ausgangspunkt und ihr Haß auf alles war, was nicht in den engen Auffassungsrahmen der einzelnen militanten politisierten Gruppen paßte.
Die Gefährlichkeit einer derartigen Entwicklung der Ereignisse diktierte die Notwendigkeit eines genau durchdachten und ausgewogenen Herangehens, der Ausarbeitung und Verwirklichung eines Komplexes von sich gegenseitig ergänzenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Programmen, die auf die Stärkung des positiven, schöpferischen Charakters der geistigen Wiedergeburt gerichtet waren. Diese Programme basierten in erster Linie auf einem unbedingt differenzierten Herangehen an das zu erneuernde Erbe, auf einer Auswahl vor allem der wichtigsten, ethisch bedeutsamen Traditionen und Bräuche, die die allgemeinmenschlichen Werte bereichern und die den Forderungen der Demokratisierung und Erneuerung unserer Gesellschaft entsprechen.
Eine besondere Bedeutung unter den extremen Bedingungen jener Zeit erlangte dabei die Schwächung und Nichtzulassung emotionaler Ausbrüche, die leicht die fließende Grenze überschreiten konnten, hinter der es zu ethnischen Konflikten kommt.
Eine solche Gefahr bestand offensichtlich in jenen Tagen, und ich bin bis auf den heutigen Tag davon überzeugt, daß nur der Appell an den Verstand, den Willen, die Toleranz und Menschenliebe unseres Volkes uns geholfen hat, diese in ihren Folgen nicht meßbare Katastrophe abzuwenden.
 Einen außerordentlich wichtigen Platz im Prozeß der Wiedergeburt und des Anwachsens des nationalen Selbstbewußtseins, und, wenn man will, des Nationalstolzes, nimmt das historische Gedächtnis ein, die Wiederherstellung der objektiven und wahrhaben Geschichte des Volkes, des Heimatkreises, des Staatsgebietes.
Die Geschichte wird zu einem wahren Erzieher der Nation. Die Heldentaten der bedeutenden Vorfahren rufen das historische Gedächtnis wach, bilden ein neues Bürgerbewußtsein heraus, werden zur Quelle der moralischen Erziehung und Nachahmung. In der Geschichte Mittelasiens gab es nicht wenige herausragende Persönlichkeiten, die in sich politischen Verstand und moralischen Heldenmut, religiöse Weltauffassung und enzyklopädische Bildung vereinten.
Unsere großen Vorfahren: Imam Buhari, Al Termizi, Nakschband, Hadshi Ahmad Jassawi, Al Horczmi, Beruni, Ibn Sina, Amir Temur, Ulugbek, Babur und viele andere haben großen Anteil an der Entwicklung unserer Nationalkultur, wurden wahrhaft der Stolz unseres Volkes. Diese Namen, ihr herausragender Beitrag zur Entwicklung der Weltzivilisation sind heute in der ganzen Welt bekannt.
Die historischen Erfahrungen, die ererbten Traditionen, all das muß zu jenen Werten werden, in derem Sinne die neue Generation erzogen wird. Nicht zufällig wurde unsere Kultur zum Mittelpunkt der Anziehungskraft für die ganze Menschheit: Samarkand, Buchara, Chiwa sind Orte der Wallfahrt nicht nur für wissenschaftler und Kunstinteressierte, sondern für alle Menschen der Welt, die an der Geschichte und historischen Werten interessiert sind.
Dank der Bestrebungen der usbekischen Wissenschaftler wurden viele wichtige Seiten unserer Geschichte erneut aufgeschlagen, vor allem die Epoche der Temuriden, der Zeitraum vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Man muß daran erinnern, daß die Aufgaben zur "Rehabilltierung" unserer Vergangenheit insgesamt bereits abgeschlossen sind, jetzt wird die wissenschaftliche Objektivität und Unvoreingenommenheit der historischen Analyse zur Hauptaufgabe.
Besonders möchte ich auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum Amir Temurs verweisen. Wie oft haben wir uns in den vergangenen Jahren, wenn wir von "Temur, dem Eroberer" oder " Temur, dem Zerstörer" hörten oder lasen, gefragt: "Wieso war unter seiner Herrschaft eine solche Blüte der Kultur und Wirtschaft auf unserer Erde möglich?" Erst nach der Erringung der Unabhängigkeit konnten wir unserem großen Ahnherrn Gerechtigkeit widerfahren lassen. Bei diesem Bestreben unterstützten uns unsere mittelasiatischen Nachbarn, die internationale Kulturgemeinschaft und das nicht zufällig. Die Persönlichkeit Temurs ist nicht nur unser Eigentum, das seiner Nachkommen, sondern das aller Völker unserer Region, der ganzen zivilisierten Menschheit.
Die ethnische, kulturelle und religiöse Toleranz unseres Volkes ist noch eine nichtversiegende Quelle der geistigen Wiedergeburt. Im Laufe der Jahrtausende war Zentralasien das Zentrum des Zusammentreffens und der Koexistenz der verschiedensten Religionen, Kulturen und Lebenswelsen. Ethnische Toleranz und Offenheit wurden zu natürlichen Normen, die für das Überleben und die Entwicklung notwendig waren. Selbst jene, die dieses Territorium erobert hatten, verehrten nicht nur die Kultur der Völker Zentralasiens, sondern übernahmen sorgsam die Traditionen sowie Elemente der auf diesem Territorium bestehenden Staatlichkeit.
Gerade auf diesem Boden erfolgte eine globale gegenseitige Bereicherung der Weltkulturen im Laufe vieler Jahrhunderte. Hier lebten jahrhundertelang Nomadenvölker neben seßhaften Völkern, iranische Völkerstämme neben türkischen, moslemische neben christlichen und jüdischen. Und in den letzten zwei Jahrhunderten, als selbst Staaten, die sich für "zivilisiert" und "aufgeklärt" hielten, sich mit Massenpogromen und religiösen Verfolgungen besudelten - die Erde Usbekistans blieb nicht nur ein Ort der friedlichen Vereinigung der Völker und Kulturen, sondern gab auch Vertretern der verfolgten Völker Obdach.
Dank der begonnenen Reformation und Erneuerung unseres gesellschaftlichen Lebens eröffneten sich mächtige Schichten der geistigen Kultur, die die Psychologie des Volkes hin zu Patriotismus, Nationalstolz und Weltoffenheit veränderten. Das ist das erste Anzeichen für die Geisteskraft des Volkes, die so deutlich und urwüchsig ist, daß sie nicht nur nach Integration strebt, sondern sie strebt danach, ein organischer Bestandteil der Weltgemeinschaft zu sein.
Eine wichtige Erfahrung der fünf Jahre Unabhängigkeit ist die Grundsteinlegung des "Gemeinsamen Hauses" für alle Völker geworden, die Entstehung einer neuen Völkergemeinschaft. Eine Stütze dieser Gemeinschaft war das allgemeinmenschliche Wesen der usbekischen Kultur, die Wiedergeburt der moralischen Werte und des nationalen Selbstbewußtseins.
Die geistige Wiedergeburt des usbekischen Volkes, die Herausbildung der moralischen Ideale der Nation ist eine Erscheinung, bei der das tief Nationale unverbrüchlich mit dem Allgemeinmenschlichen verbunden ist. Ohne ihre Eigenart zu verlieren, erwerben die in Usbekistan lebenden Völker eine einheitliche Mentalität, eine gemeinsame Lebensphilosophie. Hieraus ergibt sich die einheitliche moralische Stütze, die all die Jahre der Unabhängigkeit eine Quelle des Einvernehmens unter den Nationen war.
Historisch zur Familie der Turkvölker gehörend, hat unser Volk entschieden die Versuchung des Panturkismus und der chauvinistischen Idee der "Großen Turan" zurückgewiesen. Für uns ist Turan das Symbol einer kulturellen und nicht überpolltischen Gemeinschaft der türkisch sprechenden Völker der Region. Außerdem vereinen uns kulturelle, historische und anthropologische Wurzeln mit dem tadshikischen Volk, was uns berechtigt, unsere Kultur als gewissermaßen einzigartig für Zentralasien in der Synthese der türkischen und persischen Kulturen zu betrachten. Mit diesem Allgemeingut kann und muß Usbekistan zum Initiator der kulturellen Integration der Länder Zentralasiens werden.
Da Usbekistan in sich einen im regionalen Maßstab hohen Grad der Urbanisierung, Industrialisierung und Versorgung mit wissenschaftlich-technischen Kadern einerseits, andererseits mit einem tiefgreifenden Traditionalismus in der Lebensweise vereinigt, kann es auch als Mittler im Dialog zwischen dem Osten und dem Westen auftreten, als Symbol der geistigen Verbindung vieler Zivilisationen.
Die Wiedergeburt der geistig-religiösen Grundlagen der Gesellschaft, der Kultur des Islams, der in Jahrtausenden angesammelten Erfahrungen des moralischen Werdens unseres Volkes ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Selbstbestimmung, der Wiedererlangung des historischen Gedächtnisses, der kulturhistorischen Einheit. Es werden alte Moscheen rekonstruiert und neue gebaut; das Netz der wissenschaftlichen Einrichtungen wird erweitert, religiöse Literatur wird publiziert.
Der Prozeß der Wiedergeburt der nationalen Traditionen des Islams und seiner Kultur bewies die Richtigkeit der Absage an einen beliebigen "Import" des Islams von außen, von der Politisierung des Islams und der Islamisierung der Politik. Die moslemische Kultur von Movarounnahra nahm den Geist der ethnischen Toleranz und Offenheit in sich auf, nicht zufällig ist sie das Ideal, das die Arbeiten von Farabi und Ibn Sina prägte, war die ideale Stadt eine Gemeinschaft von Menschen, die nicht nur auf religiöser, sondern auch auf kultureller und moralischer Grundlage vereint sind. Die Freiheit der Religionsausübung, die in unserer Verfassung verankert ist, vertrieb nicht nur die unsinnigen Ängste vor einer möglichen totalen "lslamisierung" Usbekistans, sondern diente auch der Wiedergeburt und normalen Entwicklung anderer religiöser Strömungen. Außerdem verlangt das Bewußtwerden der geistigen Eigenständigkeit des mittelasiatischen Islams ein tiefgreifendes Studium der vorislamischen Kultur als Teil unseres kulturellen Reichtums.
Die geistige Wiedergeburt muß auch die Beziehungen des Menschen zur Erde und ihrer Reichtümer umfassen. In einer Region, wo die Landwirtschaft im Laufe der Jahrtausende völlig auf dem bewässerten Anbau beruhte, ist ein sorgsames Verhältnis zur Erde und zum Wasser ein nicht minder wichtiger moralischer Imperativ als das sorgsame Verhältnis zu den Zivilisationsgegenständen. Erde, Luft, Wasser und Feuer (Sonne) wurden seit alters her in Zentralasien verehrt, sie wurden von allen Religionen unserer Vorfahren gebührend gewürdigt, vom Sororastrismus bis zum Islam.
Leider wurde im letzten Jahrhundert der größte Schaden gerade dem Okosystem der Region zugefügt, ist die traditionelle Ethik der Naturnutzung unserer Vorfahren in Vergessenheit geraten, die es verbietet, die Wasser- und Bodenreichtümer sinnlos zu entweihen und zu verschwenden.
Die Notwendigkeit des Studiums und der Popularisierung der Traditionen einer vernünftigen und harmonischen Naturnutzung in der vorislamischen Kultur der Völker Zentralasiens ist besonders hervorzuheben. Nicht zufällig wurde gerade unsere Erde zur Heimat des Sororastrismus, der die Menschen dazu aufrief, sich um die Reinheit der Flüsse und die Fruchtbarkeit des Bodens zu sorgen.
Andere Lehren, der Buddhismus und Manichälsmus, predigten ebenfalls ein sorgsames und behutsames Verhältnis zur Natur als einen der wichtigsten Wege zur idealen Gesellschaft. Nicht zufällig treffen wir diese Ideen eines harmonischen Wechselverhältnisses zwischen Mensch und Natur auch in den Lehren des mittelasiatischen Sufismus, der einen gewaltigen Beitrag zur moslemischen Renaissance im Movarounnahra leistete.
Die Holländer haben ihrerzeit ihr nationales Modell eines vernünftigen und schöpferischen Verhältnisses zur Natur verwirklicht und konnten den Meeresgewalten fruchtbaren Boden abringen. Dieses Beispiel hat für uns eine tiefe symbolische Bedeutung, obwohl uns im Falle der ökologischen Katastrophe des Aralsees nicht bevorsteht, Land dem Meer, sondern Meer dem Land abzuringen.
Noch eine mächtige Quelle der geistigen Werte ist die traditionelle Ethik der Familie und der Verwandtschaftsverhältnisse, deren Grundprinzipien immer die Verehrung der Alten, der gegenseitige Beistand, die Sorge um die Kinder waren. Leider wurden diese Werte in der sowjetischen Ära ernsthaft deformiert. Durch das Verbot des privaten Unternehmertums, indem unter dem Vorwand der Bekämpfung der "Vetternwirtschaft" die Überlieferung beruflicher Fertigkeiten in den Familien und Sippen unterbunden wurde, förderte das sowjetische Regime den Verlust der traditionellen beruflichen und wirtschaftlichen "Nischen" in den Familien und Sippen. Dadurch nahmen diese Fertigkeiten und moralischen Normen infolge ihrer Blockierung die sozial als häßlich geltenden Formen der Clanbildung und Vetternwirtschaft an. Dabei verwandelte sich die verwandtschaftliche Hilfe mitunter in Schmarotzertum und Protektionismus, die die Entwicklung der Gesellschaft hemmten.
Die Wiedergeburt der Werte der Familie und der Verwandtschaftsverhältnisse muß längst nicht die Verewigung überlebter Familien- und Sippenverhältnisse bedeuten, sondern die Möglichkeit der wirtschaftlichen, kulturellen und beruflichen Befreiung jeder Familie.
Die Wiedergeburt der geistigen Werte bedeutet auch ihre Anpassung an die Werte der modernen Welt und der Informationsgesellschaft.
Zu den positiven Werten, die die moderne Zivilisation mit sich bringt, rechnen wir die Werte, die mit dem Prozeß des Aufbaus einer rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft verbunden sind. Das sind die Einhaltung der Menschenrechte, die Freiheit des Unternehmertums, die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit usw.
Wenn man von der prinzipiellen Bedeutung dieser demokratischen Werte für unsere Gesellschaft spricht, möchte man immer wieder unterstreichen, daß sie weder in historischer noch in ethnisch-kultureller Hinsicht der Mentalität unseres Volkes widersprechen. Im Gegenteil, solche Begriffe wie Unternehmertum, freier Handel, soziale Gerechtigkeit, gegenseitige Toleranz und Achtung der Meinung anderer haben auch auf unserer Erde historische Wurzeln.
Zugleich sind wir gegen ein mechanisches, blindes Kopieren: Die Praxis zeigt die ganze Gefahr dieses Schrittes für das unausgebildete Bewußtsein der Massen. Man kann ausreichend schnell und konfliktlos die politische Freiheit erhalten, ein Beispiel dafür ist die Erlangung der politischen Souveränität durch die ehemaligen Sowjetrepubliken, man kann relativ schnell die wirtschaftliche Freiheit erringen, auch das sehen wir am Beispiel der Industriestaaten in Ostasien, aber die Sicherung der politischen Freiheiten im Inland ist ein Prozeß, der ein durchdachtes und ausgewogeiles Herangehen und eine längere Anpassung im Bewußtsein der Menschen erfordert.
Eine der wichtigsten Realitäten der modernen demokratischen Gesellschaft, mit der die traditionellen Werte unseres Volkes in Übereinstimmung gebracht werden müssen, ist die soziale Konkurrenz. Mit der Entwicklung der Marktstrukturen kann diese Konkurrenz recht häßliche Formen annehmen, in sozialen Antagonismus umschlagen. Man muß dieser Konkurrenz einen zivilisierten Charakter, schöpferische, wettbewerbsartige und aufbauende Kraft verleihen, und zwar in erster Linie mit Hilfe außerökonomischer, vor allem kulturell-ethischer Mechanismen. Sie sollen eine Synthese der zu erneuernden nationalen Werte und der zu prägenden Existenznormen der modernen Zivilisation sein.
Die Anerkennung des unabhängigen Usbeklstans durch die Weltgemeinschaft, die breite außenpolitische und außenwirtschaftliche Tätigkeit unseres Staates wurden zu einem zusätzlichen Impuls für die Wiedergeburt der geistigen Werte und des Potentials des usbekischen Volkes, für die Selbsterkennung als vollberechtigte Nation innerhalb der Völkerfamille. Breitgefächerte internationale Kontakte schufen einen günstigen Boden nicht nur für das tiefgreifende Kennenlernen der Weltkultur, für die Teilhabe an den allgemeinmenschlichen Werten, sondern sie erlaubten auch die Entwicklung des Talents des usbekischen Volkes in den verschiedenen Tätigkeitssphären, ermöglichten in vollem Maße auch, seine exklusiven Qualitäten zu entwickeln, wie Unternehmungsgeist, Kommunikationsfähigkeit und die rasche Aneignung mehrerer Fremdsprachen. Dank dieser Kontakte erhielten auch die Traditionen der nationalen Gastfreundschaft und die Überreichung von Brot und Salz neue Entwicklungsimpulse.
Die Erweiterung solcher Beziehungen erlaubte es, in Würde die wahrhaben geistigen und kulturellen Werte zu schätzen. Bereits heute fühlt man in breitesten Bevölkerungsschichten die Unzufriedenheit mit jenen Ersatzprodukten der westlichen Kunst, mit dem kulturellen "Massenbedarf", der sich gegen Ende der 80er Jahre über die einheimischen Zuschauer und Leser ergoß. Diese Produktion besitzt schon nicht mehr die Anziehungskraft einer verbotenen Frucht, wie früher. Es wächst die Erfordernis einer strengeren Auswahl der kulturellen Werte des modernen Auslands.
Große Bedeutung erlangt die Bildung der Bevölkerung im Prozeß des Anschlusses an die demokratischen Werte der Welt. Das Leben selbst beweist überzeugend, daß nur eine gebildete, aufgeklärte Gesellschaft alle Vorzüge der demokratischen Entwicklung schätzen kann, und umgekehrt: Wenig gebildete, unwissende Leute bevorzugen autoritäre und totalitäre Regime.
Wir müssen lernen, sorgfältig mit jenen kulturellen Quellen umzugehen, die breitesten Bevölkerungsschichten immer die Möglichkeit gaben, an den besten Beispielen der klassischen und modernen Kultur teilzuhaben. Die bedeutenden Erfolge auf dem Gebiet der Musik, der darstellenden, bildenden und angewandten Kunst Usbekistans, die breite Anerkennung im Ausland gefunden haben, sind nicht zufällig. Eine breite Propagierung und Popularisierung der besten Beispiele der nationalen und der Weltkultur müssen die Grundlage für die geistige Erziehung der heranwachsenden Generation, unserer modernen Jugend, werden.
Die Unabhängigkeit erweiterte den Horizont unserer Bevölkerung. Der Umgang mit den Realitäten der Geschichte und der Gegenwart forderte von unserem gesellschaftlichen Denken die Überwindung abstrakter und doktrinärer Stereotype der Lebensauffassung und statt dessen selbständiges Denk- und Urteilsvermögen.
Die geistige Wiedergeburt ist das Entstehen einer neuen Generation der schöpferischen Intelligenz, deren Denken vom Geist der Unabhängigkeit bestimmt wird. Der Verzicht auf alte, überkommene Dogmen ist unserem Verständnis nach nicht der Verzicht auf unsere Geschichte. Es ist der Verzicht auf Einseitigkeit und gedankliche Enge. Das nationale Denken ist aufgefordert, sich in seiner Entwicklung den Aufgaben des kulturellen Aufbaus im globalen Maßstab zuzuwenden, sich für das Schicksal anderer Nationen und für ihre Wechselbeziehungen lebhaft zu interessieren, in die Tiefe ihres Lebens einzudringen und die nationalen Interessen zu berücksichtigen.
Die Zukunft unseres Volkes hängt vor allem von seiner eigenen geistigen Energie und von der Schöpferkraft seines Nationalbewußtseins ab. Das natürliche Streben nach materiellem Wohlstand darf die Notwendigkeit der geistigen und intellektuellen Entwicklung der Nation nicht verdrängen. Geistige Bildung und Aufgeklärtheit waren immer die stärksten Kennzeichen unseres Volkes in seiner gesamten vielhundertjährigen Geschichte.
Gerade in der Verbindung unserer traditionellen Werte mit der modernen demokratischen Gesellschaft besteht das Unterpfand für unser künftiges Gedeihen, das Unterpfand für- die Integration unserer Gesellschaft in die Weltgemeinschaft

 

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