Wirtschaft

Usbekistan lädt deutsche Unternehmen zur engen Kooperation ein

"OMV Telegramm" 4+5 - 2010

Am 22.03.2010 übergab der neue Außerordentliche und
Bevollmächtigte Botschafter der Republik Usbekistan in
Deutschland, Dilshod Akhatov, Bundespräsident Prof. Dr. Horst
Köhler sein Beglaubigungsschreiben. Der OMV sprach mit ihm
über seine Ziele für die Zeit als Botschafter in Deutschland und
über die deutsch-usbekischen Wirtschaftsbeziehungen.
►OMV: Was haben Sie sich für Ihre Zeit als Botschafter der Republik Usbekistan
in Deutschland vorgenommen?
Akhatov: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich mich sehr darüber freue, in
der Bundesrepublik Deutschland zu sein und mein Land als Botschafter zu vertreten.
Bereits seit meinem Studium in Taschkent an der Universität für Weltwirtschaft und
Diplomatie beschäftige ich mich mit Fragen bezüglich Deutschland und der usbekisch-
deutschen Beziehungen. Auch mein weiterer Lebenslauf führte mich immer wieder
nach Deutschland, von 1999 bis 2003 war ich in Deutschland als diplomatisches
Mitglied unserer Botschaft tätig. Vor diesem Hintergrund fel es mir leicht, mich in
Deutschland rasch einzuleben. Für meine Tätigkeit als Botschafter steht die weitere
Intensivierung der deutsch-usbekischen Beziehungen im Vordergrund.
►OMV: Wie sehen Sie die deutsch-usbekische wirtschaftliche Zusammenarbeit?
Akhatov: Die Republik Usbekistan schätzt die Beziehungen zu Deutschland sehr
und sieht in Deutschland „ein Fenster nach Europa“. Die Bundesrepublik Deutschland
ist der wichtigste Partner der Republik Usbekistans in Europa, insbesondere in den
Bereichen Wirtschaft, Handel und Investitionen. Die Zusammenarbeit zwischen
beiden Ländern in diesen Bereichen wird dabei immer intensiver.
Heute sind in Usbekistan über 130 Unternehmen mit Beteiligung von deutschem
Kapital in verschiedenen Branchen tätig, darunter in der Textilindustrie, in der
Produktion von medizinischen und pharmazeutischen Mitteln, in der Verarbeitung
von landwirtschaftlichen Produkten, in der Logistik, im Autobau, im Handel usw. 57
deutsche Firmen unterhalten Vertretungen in Usbekistan. In Taschkent fnden Sie
zum Beispiel die Vertretungen der „Commerzbank AG“ und „Landesbank Berlin AG“
sowie der KfW und der GTZ.
Trotz der globalen Finanzkrise ist das Handelsvolumen zwischen Usbekistan und
Deutschland im Jahre 2009 relativ stabil geblieben und ist nach Angaben des
Bundesamts für Statistik um nur 0,1 Prozent zurückgegangen. Zugleich schrumpften
die Handelsvolumina Deutschlands mit meisten anderen GUS-Ländern um über 30
Prozent. Außerdem ist erfreulich, dass das deutsch-usbekische Handelsvolumen im
Januar 2010 um 116,1 Prozent zugelegt hat. Das ist die höchste Entwicklung des
deutschen Handels unter den GUS-Ländern.
Trotzdem entsprechen die Leistungen der beiden Länder unserer Meinung nach noch
nicht ihren Möglichkeiten. Usbekistan und Deutschland haben ein großes Potenzial
für die weitere Vertiefung der bilateralen Handelsbeziehungen und den Ausbau der
Investitions- und Technologiezusammenarbeit.
►OMV: In welchen Bereichen wünschen Sie sich eine Intensivierung der
Kooperation?
Akhatov: Die Möglichkeiten beider Länder konkurrieren nicht miteinander, sondern
sie ergänzen sich gegenseitig. Usbekistan hat eine günstige geografsche Lage und
bildet einen Knotenpunkt wichtiger Transportwege. Das Land verfügt über reiche
natürliche Ressourcen, die zugleich die Unabhängigkeit von äußeren Energiequellen garantieren, einen großen Konsummarkt sowie qualifzierte und relativ günstige
Arbeitskräfte. Neben der Landwirtschaft ist in der Republik auch die Industrie gut
entwickelt, und die meisten ihrer Branchen werden derzeit durch staatliche Programme modernisiert. Deutschland ist bekanntlich eines der führenden Länder der Welt in
der Produktion und Export von hochwertigen Industrieanlagen, Produktionslinien und Know-how. Hier warten viele Möglichkeiten für die Zusammenarbeit.
Besonders möchte ich hervorheben, dass das 2009 beschlossene Programm zur
Umsetzung wichtiger Projekte zur Modernisierung und technisch-technologischen
Umrüstung der Produktion in erster Linie vorsieht, hochtechnologische Produktionen in Usbekistan aufzubauen und dabei solche Faktoren wie Energieeffzienz und Einsatz erneuerbarer Energiequellen zu berücksichtigen. Dieses Ziel verfolgen die eisten der über 300 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 42,5 Milliarden US-Dollar, die wir ausländischen Partnern für die gemeinsame Realisierung bis 2014 in verschiedenen Zweigen der Industrie Usbekistans anbieten, beispielsweise im
Rahmen der ersten Freien Industrie- und Wirtschaftszone „Navoi“.
►OMV: In welchen Bereichen sehen Sie die größten Möglichkeiten für eine
deutsch-usbekische Zusammenarbeit?
Akhatov: Dank der oben erwähnten Faktoren gibt es ein breites Spektrum an
Möglichkeiten für eine enge bilaterale wirtschaftliche Zusammenarbeit fast in allen
Bereichen der Industrie. Usbekistan verfügt über wichtige Industriebranchen,
wie zum Beispiel Bergbau, Metallurgie, Öl- und Gasindustrie, Chemieindustrie,
Pharmazeutische Industrie, Autoindustrie, Elektrotechnische Industrie, Textilindustrie,
Verarbeitende Industrie usw. Das ermöglicht die Produktion der für die Unternehmen
dieser Branchen notwendigen Maschinen, Anlagen und Ersatzteile vor Ort zu
organisieren. Außerdem wächst im Zusammenhang mit der Realisierung der
entsprechenden Projekte zur Modernisierung und technisch-technologischen
Umrüstung der Produktion die Nachfrage nach solchen Maschinen und Anlagen. Da
haben die deutschen Maschinenbauunternehmen gute Chancen.
Usbekistan ist das einzige Land in der Region, das eine eigene Autoproduktion
unterhält. Neben den existierenden Joint Ventures mit der amerikanischen General
Motors für die Produktion von Pkw und mit dem japanischen Unternehmen Isuzu
für die Produktion von Kleinbussen haben wir vergangenes Jahr gemeinsam
mit der MAN AG die Produktion von Lkw organisiert. Gleichzeitig planen wir, ein Joint Venture für die Produktion von größeren Bussen, hoffentlich auch mit einem
deutschen Partner. Außerdem sind wir daran interessiert, die Produktion von
Ersatzteilen für diese Transportmittel zu lokalisieren. Deswegen hoffen wir auf eine enge Kooperation mit deutschen Unternehmen. Das alles gilt auch für die Herstellung von Landwirtschafttechnik. Hier sind wir dabei, mit der deutschen CLAAS Gruppe ein Joint Venture zu gründen.
►OMV: Wie würden Sie Ihr Land in wenigen Sätzen beschreiben, um deutsche
Investoren von einem Engagement in Usbekistan zu überzeugen?
Akhatov: Usbekistan ist ein Wachstumsmarkt mit reichen Natur– und hoch
qualifzierten Arbeitsressourcen, guten internationalen Verkehrsverbindungen
und einer guten Infrastruktur im Herzen Zentralasiens und offen für die allseitige
wirtschaftliche Zusammenarbeit. Es ist ein Land, dessen Energiezukunft für mehrere
Jahrzehnte gesichert ist. Als Verkehrsdrehscheibe Zentralasiens bietet das Land
günstige Voraussetzungen für die Entwicklung der regionalen Zusammenarbeit
sowie für die Teilnahme an regionalen und überregionalen Projekten zur Entwicklung
der Verkehrsinfrastruktur.