Schule Nr.60 mit vertieftem Deutschunterricht zu Taschkent
Das Fachgymnasium (Schule) Nr. 60 ist eine der ältesten Schulen in Usbekistan, die 1910 gegründet wurde. Seit über 35 Jahren bietet die Schule einen erweiterten Deutschunterricht an. In diesen Jahren wurden sehr viele Erfahrungen gesammelt, die mehrfach als vorbildlich für das gesamte Bildungswesen in der Republik Usbekistan untersucht und empfohlen wurden.
1995 wurde die Schule aufgewertet und als ein linguistisches Fachgymnasium akkreditiert.
1996 wurden die Erfahrungen der Schule vom Volksbildungsministerium untersucht und bewilligt, das in seinem Sachverständigengremium den Beschluß Nr.12/2 vom 27.12.96 gefaßt hat, das Republikanische (d.h. für die gesamte Republik) Lehrzentrum für deutsche Sprache einzurichten. Die Koordinierung der Maßnahmen zur Errichtung des Zentrums wurde der Abteilung für Monitoring der staatlichen Bildungsstandards im Volksbildungsministerium aufgetragen. In den vorangegangenen Jahren wurde das Pilotprojekt zur Errichtung eines beispiellosen Modells einer gemeinsamen deutsch-usbekischen Bildungseinrichtung durchgeführt, das sich in höchstem Maße bewährt hat. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen.
Es wurde ein Paket von Rechtsvorschriften für die Gestaltung der Tätigkeit des Zentrums erarbeitet. Aus Deutschland kam ein positives Gutachten über die Lehrpläne und -programme und das Programm des Deutschunterrichts des Zentrums. Das Kultusministerium der Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland hat die Genehmigung zur Durchführung einer speziellen international anerkannten Diplomprüfung ab dem Jahr 1998 erteilt.
Im Zentrum finden regelmäßig Fortbildungskurse für Lehrer der deutschen Sprache aus der Stadt Taschkent und aus ganz Usbekistan statt. Diese Kurse werden von den deutschen und usbekischen Spezialisten gemeinsam veranstaltet.
In den Klassen mit dem linguistischen Profil findet der Deutschunterricht auf Grund der deutschen Lehrbücher und Lehrmittel statt. Solche Fächer und Lehrgänge wie die deutsche Literatur, deutsche Geschichte, deutsche Geographie und Ökonomie, Grammatik der deutschen Sprache und der Leistungskurs "Usbekistan - mein Heimatland" werden zum Beispiel in deutscher Sprache unterrichtet.
Neben den gymnasialen Klassen linguistischen Profils hat das Lehrzentrum die sogenannten "Abiturklassen", in denen die Schüler der 10-11. Klassen speziell zum Erwerb des Sprachdiploms ausgebildet werden. 65 Schüler der "Abiturklassen" haben bereits die zweijährige Ausbildung zum Erwerb des Sprachdiploms abgeschlossen.
In den letzten zwei Jahren haben sich auch die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen dem Lehrzentrum Taschkent und der Ostakademie der Stadt Königstein, dem Goethe-Institut und einzelnen Gymnasien des Bundeslands Baden-Württemberg vertieft.
Im gleichen Zeitraum hat die deutsche Seite zur materiell-technischen Ausstattung des Zentrums beigetragen. So wurden für 2000 US-Dollar Lehrbücher, Lehrmittel und schöne Literatur sowie Audio- und Videokassetten zum Lernzweck eingeführt. Zur Zeit zählt die Bibliothek des Lehrzentrums Taschkent mehr als 3000 Exemplare der didaktischen und schönen Literatur. Einen großen Beitrag zur Ausstattung des Zentrums mit Lehr- und Lernmitteln für den Deutschunterricht leisten der deutsche Botschafter in Usbekistan.
Auf Wunsch der deutschen Seite wurde im Studienjahr 1998/99 im Lehrzentrum eine deutsche Sektion eingerichtet, an der für Kinder der deutschen Staatsangehörigen und der Mitarbeiter der deutschen Botschaft unterrichtet wird. Lehrpläne und programme für diese Klassen wurden gemeinsam von Fachkräften des Gymnasiums Nr. 60 und deutschen Experten erarbeitet und sollen den Schülern einen Einblick in die Geschichte und Kultur, Sitten und Brauche des usbekischen Volkes vermitteln. Der Unterricht in der deutschen Sektion wird sowohl von deutschen als auch von usbekischen Lehrkräften erteilt. Solche Fächer wie Musik, bildende Kunst, Sport-, EDV-Unterricht und Russisch werden von usbekischen Lehrkräften unterrichtet. Die anderen Fächer werden von Lehrern aus Deutschland unterrichtet.
Nach Meinung der Experten hat die gemeinschaftliche Ausbildung der Kinder von zwei befreundeten Staaten einen positiven Einfluß auf die Gestaltung der Weltanschauung, intellektuelle Entwicklung, Erziehung von moralischen Persönlichkeitseigenschaften und bereichert die geistige Welt unserer Kinder.
Die Errichtung und Tätigkeit der deutschen Sektion in der Schule Nr. 60 ist durch Notenaustausch zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Usbekistan in der Vereinbarung vom 7. Juli 1999 verankert. In ihrer Note KU 620.14 vom 6. April 1999, Punkt 2 weist die deutsche Seite auf folgendes hin: "Die deutsche Sektion ist ein Ausdruck des beiderseitigen Wunsches, die guten freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu vertiefen. Darin sieht die Bundesrepublik Deutschland einen weiteren Beweis für die positive Entwicklung der Beziehungen im Bereich der Kultur und Bildung."